Selbstjustiz: Mutmaßliche Plünderer in der Ukraine an Masten gebunden

23. März 2022 · Lesedauer 2 min

Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine mehren sich in Sozialen Netzwerken Fotos von an Pfählen und Masten gebundenen mutmaßlichen Plünderern und Dieben.

Demnach wurden in mehreren Städten junge Männer mit heruntergelassenen Hosen fixiert. Bilder aus Lwiw (Lemberg) zeigen gefesselte Frauen an Laternenpfählen. In Lwiw findet derzeit kaum Kriegsgeschehen statt, das Plünderer ausnutzen könnten. Vereinzelt waren auch Väter mit jugendlichen Söhnen oder gar ganze Familien an Masten gebunden. Vielfach werden die Opfer auch als "Verräter" diffamiert. Überprüfen lassen sich die Vorwürfe nicht.

Verbreitet werden die Bilder über soziale Netzwerke, vor allem Telegram. Allerdings nicht nur in ukrainischen, sondern auch in kremlnahen bzw. prorussischen Kanälen. Letztere wollen damit die Menschen in der Ukraine diffamieren.

Behörden bestätigen Vorfälle

Von den ukrainsichen Behörden werden die Vorfälle aber nicht dementiert. Behördenvertreter haben die Bevölkerung im Land aufgerufen, von Selbstjustiz abzusehen. Dennoch gibt es für das Vorgehen Verständnis von offizieller Seite. Der Berater des ukrainischen Innenministers, Wadym Denyssenko, rechtfertigte die Aktionen sogar.

Die Polizeikräfte würden in der aktuellen Situation nicht ausreichen, sagte Denyssenko der Nachrichtenseite Strana. "Ein Plünderer muss begreifen, dass er in jedem Fall das bekommt, was er verdient: Erst wird er an einen Mast gebunden und danach auf jeden Fall für zehn Jahre ins Gefängnis gesteckt."

Das würde einen größeren Effekt auf die Plünderer ausüben als die Strafverfolgung, sagte Denyssenko zu Wochenbeginn. "Er begreift, dass die Strafe hier und jetzt erfolgt." Zudem sei es eine Erziehungsmaßnahme für andere. Statistiken zu solchen Vorfällen und anschließenden Festnahmen lagen zunächst nicht vor.

Stephan HoferQuelle: Redaktion / hos