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Projekt untersuchte Verzicht auf Privat-Pkw in der Stadt

Heute, 10:35 · Lesedauer 2 min

Ein Leben ohne eigenes Auto schränkt die Mobilität nicht ein - und macht sie auch günstiger. Belegt wurde diese Annahme nun durch ein Projekt, das von den Wiener Linien gemeinsam mit dem Bezirk Währing umgesetzt wurde. Im Rahmen der "Auto-Wette" verzichteten teilnehmende Haushalte auf ihr eigenes Gefährt und nutzten andere Mobilitätsformen. Am Donnerstag wurde die Evaluierung durch die Universität für Bodenkultur präsentiert.

Insgesamt 46 Personen aus 37 Haushalten stellten sich der Herausforderung, nachdem sie zuvor aus rund 3.000 Bewerbern ausgewählt worden waren. Sie gaben den Schlüssel für ihren Privat-Pkw ab und erhielten dafür ein Guthaben in der Höhe von 500 Euro, um andere Varianten der Fortbewegung zu nutzen. Zuvor waren sie bereits einen Monat lang - als sie ihr Kfz noch benutzen durften - via App verfolgt worden.

Danach taten sie dann das, was für Menschen ohne eigenes Auto Alltag ist: Sie gingen zu Fuß, fuhren mit dem Rad, nutzten Öffis oder Mietautos bzw. Taxis. Laut Oliver Roider vom Institut für Verkehrswesen an der BOKU wurden rund 300.000 Kilometer Wege analysiert. Die Strecke, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt wurde, stieg um rund die Hälfte. Pro Tag wurde damit rund 20 statt wie zuvor 14 Kilometer absolviert.

Zugleich sank laut den Tracking-Daten der Anteil der mit einem Fahrzeug zurückgelegten Wege von 28 auf 19 Prozentpunkte. Laut der Evaluierung wurde aber kaum mehr Zeit benötigt, um voranzukommen. Signifikant waren dafür offenbar die Einsparungen: Während der Auto-Wette wurden 5,5 Tonnen CO2 weniger verbraucht.

Weniger Mobilitätsausgaben

Und man war auch günstiger unterwegs: Die 500 Euro seien so gut wie nie aufgebraucht worden, hieß es. Verwendet wurde im Schnitt 40 Prozent weniger Budget. Die 500 Euro entsprechen laut den Projektbetreibern in etwa den Mobilitätskosten mit eigenem Auto, wenn auch der Wertverlust berücksichtigt wird.

Wie Alexandra Reinagl, die Geschäftsführerin der Wiener Linien berichtete, hatte die Wette auch unmittelbare Auswirkungen auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Fast die Hälfte der Haushalte hat angekündigt, ihr Auto verkaufen zu wollen oder hat dies bereits getan. Auch die Währinger Bezirksvorsteherin Silvia Nossek (Grüne) zeigte sich über die Ergebnisse erfreut. Weniger Autos würden mehr Platz für die Allgemeinheit bringen, hob sie hervor.

Zusammenfassung
  • Im Rahmen eines Projekts in Wien verzichteten 46 Personen aus 37 Haushalten auf ihren Privat-Pkw und erhielten dafür ein Mobilitätsguthaben von 500 Euro.
  • Während des Projekts stieg die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel um etwa 50 Prozent, die täglich mit Öffis zurückgelegte Strecke erhöhte sich von 14 auf 20 Kilometer und der Anteil der Autofahrten sank von 28 auf 19 Prozentpunkte.
  • Die Mobilitätskosten der Teilnehmenden sanken im Schnitt um 40 Prozent, es wurden 5,5 Tonnen CO2 eingespart und fast die Hälfte der Haushalte plant, ihr Auto zu verkaufen oder hat dies bereits getan.