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Parkinson: Vernetzung und innovative Therapien gefordert

Heute, 11:10 · Lesedauer 3 min

Parkinson-Patientinnen und -Patienten in Österreich brauchen mehr spezialisiertes Pflegepersonal, eine bessere Vernetzung der behandelnden Berufsgruppen und die schnellere Verfügbarkeit von innovativen Medikamenten. Das forderten eine Medizinerin, ein Mediziner und eine Parkinson-Nurse am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien anlässlich des Welt-Parkinson-Tages am 11. April. 25.000 Menschen leben in Österreich mit der Krankheit, die nicht nur motorische Symptome auslöst.

"Parkinson ist die in Zahlen am schnellsten wachsende neurodegenerative Erkrankung", betonte Werner Poewe, emeritierter Leiter der neurologischen Abteilung der MedUni Innsbruck. 2016 gab es geschätzt weltweit 6,1 Millionen Betroffene, 2021 waren es bereits fast zwölf Millionen, berichtete er. Das sind nicht so viele wie bei Alzheimer, der häufigsten neurodegenerativen Erkrankung. Diese nimmt jedoch nicht so schnell zu. Ursache für Parkinson sind neben familiärer Veranlagung auch Umwelteinflüsse wie durch bestimmte Pestizide.

Typisches Krankheitsbild ist das Schütteln oder Zittern des Körpers und eine verkürzte Schrittlänge, weshalb die Betroffenen mit Trippelschritten gehen. Die Ursache ist das Verschwinden von Nervenzellen in einer bestimmten Hirnregion. Neben den motorischen Problemen treten aber auch Störungen der Blutdruck-Regulation, Stuhlverstopfung und weitere Symptome auf, erläuterte Poewe bei der von Merz Therapeutics organisierten Pressekonferenz.

An Medikamenten gibt es drei Gruppen, berichtete Petra Schwingenschuh, Leiterin der Ambulanz für Bewegungsstörungen an der MedUni Graz. Die Enzymabbauhemmer mit der geringsten Wirkung, dann die Dopaminagonisten und Levodopa (L-Dopa). Letzteres bezeichnete Poewe als "eine Wunderdroge in der Neurologie". Das Problem bei L-Dopa ist allerdings die relativ kurze Wirkungsdauer, betonte Schwingenschuh. Die Halbwertszeit betrage nur eineinhalb Stunden und die Therapie werde daher immer mit Enzymabbauhemmern kombiniert.

Ein Problem bei dieser Behandlung von Parkinson mit Tabletten sind auch die gastrointestinalen Symptome der Krankheit, wie zum Beispiel eine verzögerte Magenentleerung. Der Magen-Darm-Trakt könne einerseits durch die Verabreichung von Substanzen mit einer Spritze ins Fettgewebe umgangen werden, sagte Schwingenschuh. Eine neue Möglichkeit sei die inhalative L-Dopa-Therapie über einen Inhalator in die Lunge, von der der Wirkstoff ins Blut und ins Gehirn gelangt. Schwingenschuh, die auch Vizepräsidentin der Österreichischen Parkinson Gesellschaft ist, und Poewe orteten hier jedoch noch Versorgungslücken in Österreich. Gewisse Neuerungen, die in den USA am Markt sind, seien in den vergangenen Jahren aus verschiedensten Gründen nicht nach Europa gekommen.

Vernetzung der Berufe

Um Parkinson-Betroffene optimal zu betreuen, braucht es eine Vielzahl von Spezialisten, hob Parkinson-Nurse Sigrid Zimmermann hervor. Neben den Neurologen seien dies Psychologen, Spezialambulanzen, stationäre Einrichtungen, Hausärzte, Apotheken sowie Wohn- und Pflegeheime. Die Patienten bräuchten auch Zugang zu sportlichen Aktivitäten - Boxtrainings hätten sich beispielsweise als besonders wirkungsvoll erwiesen. Auch die Arbeit von Selbsthilfegruppen und Sozialarbeit, Telemedizin sowie Physio-, Ergo- und Logotherapie seien wichtig.

Es brauche bessere Strukturen zwischen den Berufsgruppen in einer Region, forderte Poewe. Solche "Parkinson-Netze", die kürzere Wege bringen, habe beispielsweise Deutschland schon. Es gebe zwar mittlerweile in allen Bundesländern Parkinson-Nurses, aber es bräuchte "sicher noch viel mehr" spezialisiertes Pflegepersonal, sagte Zimmermann. Auch das Einstufungspersonal für das Pflegegeld gehe oft falsch mit Parkinson-Patienten um. "Oft fehlt das Fachwissen, wie hoch der Pflegeaufwand wirklich ist", kritisierte die Expertin.

Zusammenfassung
  • In Österreich leben rund 25.000 Menschen mit Parkinson, wobei die Krankheit weltweit am schnellsten unter den neurodegenerativen Erkrankungen zunimmt.
  • Fachleute fordern mehr spezialisiertes Pflegepersonal, eine bessere regionale Vernetzung der Berufsgruppen und den rascheren Zugang zu innovativen Therapien wie inhalatives L-Dopa, das in den USA bereits verfügbar ist.
  • Neben motorischen Symptomen wie Zittern und Trippelschritten leiden Betroffene auch unter Blutdruckproblemen und Verdauungsstörungen, was die Therapie zusätzlich erschwert.