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Papst besucht zerstörten Dom in L'Aquila

27. Aug. 2022 · Lesedauer 4 min

Papst Franziskus ist am Sonntag per Hubschrauber zu einem Kurzbesuch in die italienische Stadt L'Aquila geflogen. Tausende begrüßten ihn auf dem Domplatz der 2009 von einem schweren Erdbeben zerstörten Hauptstadt der Region Abruzzen.

Franziskus besichtigte den Dom mit Schutzhelm und wegen seiner Knieprobleme im Rollstuhl. Der Dom ist seit dem Erdbeben mit 309 Todesopfern nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich.

"Stein der Kirchen vom Glauben durchdrungen"

Der Papst richtete Grußworte an die Familien der Erdbeben-Opfer und forderte "besondere Aufmerksamkeit" für die Kirchen beim Wiederaufbau des erdbebengeschädigten L'Aquila. "Bei dem Wiederaufbau der Stadt verdienen die Kirchen besondere Aufmerksamkeit. Sie sind das Erbe der Gemeinschaft, nicht nur im historischen und kulturellen Sinne, sondern auch im Sinne der Identität. Diese Steine sind durchdrungen vom Glauben und den Werten der Menschen", betonte Papst Franziskus.

Der Heilige Vater begrüßte auch einige Gefängnisinsassen, die zum Treffen mit ihm zugelassen wurden. "In den Strafanstalten gibt es viele, zu viele Opfer", betonte der Papst. Die Präsenz der Delegation der Gefangenen bezeichnete der Papst als "Zeichen der Hoffnung".

Gottesdienst in Basilika

Im Anschluss feierte Franziskus mit Gläubigen einen Gottesdienst vor der Basilika Santa Maria di Collemaggio, in der Papst Coelestin V. begraben liegt. Vor dem Grab des ersten Papstes, der bereits im 13. Jahrhundert freiwillig auf sein Amt verzichtete, weilte Franziskus im Gebet. Der Besuch fand einen Tag nach einer Vollversammlung der Kardinäle im Vatikan statt, bei der 20 neue Kardinäle aus der ganzen Welt ernannt wurden.

In der Predigt während der Messe erzählte der Papst, was er vor der Ankunft mit dem Hubschrauber in L'Aquila erlebt hatte. "Wir konnten nicht landen, es herrschte dichter Nebel, alles war dunkel, man konnte nicht landen. Der Pilot des Hubschraubers drehte und drehte, und schließlich sah er ein kleines Loch und tauchte dort hinein, er ist Meister", erzählte der Papst. "Mit unserem Elend geschieht das Gleiche. Wir wenden uns, wir wenden uns, und manchmal macht der Herr ein kleines Loch: Es ist die Barmherzigkeit, die in mein, in dein, in unser Elend kommt", erklärte Franziskus.

Eigenes Leid "schätzen, um Schmerz zu verstehen

Der Papst bat die Menschen in L'Aquila, ihr eigenes Leid zu "schätzen", um den Schmerz der anderen zu verstehen. "Liebe Brüder und Schwestern, ihr habt durch das Erdbeben viel gelitten, und als Volk versucht ihr, wieder auf die Beine zu kommen. Aber diejenigen, die gelitten haben, müssen ihr eigenes Leiden schätzen können, sie müssen verstehen, dass ihnen in der Dunkelheit, die sie erlebt haben, auch die Gabe gegeben wurde, den Schmerz der anderen zu verstehen", so der Papst.

Franziskus richtete beim Angelus-Gebet einen neuen Appell für Frieden in der Ukraine und anderen Konfliktgebieten der Welt ausgesprochen. "Wir beten für das ukrainische Volk und für alle Völker, die unter den Kriegen leiden. Möge der Gott des Friedens in den Herzen der Führer der Nationen den menschlichen und christlichen Sinn für Barmherzigkeit, für Erbarmen wiederbeleben", sagte der Papst.

Verbundenheit für Opfer in Pakistan

"An diesem Ort, der von einer schweren Katastrophe heimgesucht wurde, möchte ich den Menschen in Pakistan, die von Überschwemmungen katastrophalen Ausmaßes betroffen sind, meine Verbundenheit ausdrücken. Ich bete für die vielen Opfer, die Verletzten und die Vertriebenen, und dass die internationale Solidarität breit und großzügig ist", fügte der Heilige Vater hinzu. Nach der Messe verließ der Papst mit dem Hubschrauber L'Aquila in Richtung Vatikan.

Gerüchte um Rücktritt

Der Ausflug des Oberhauptes der katholischen Kirche in die Abruzzen sorgte im Vorfeld für Spekulationen, weil dort Papst Coelestin V. begraben liegt. Die Ankündigung ließ Gerüchte aufkommen, ein Rücktritt des 85 Jahre alten Argentiniers könnte bevorstehen. Franziskus hatte nach dem Amtsverzicht seines deutschen Vorgängers Benedikt XVI. im Jahr 2013 übernommen.

Schleppender Aufbau nach Erdbeben

Die Abruzzenstadt L'Aquila war am 6. April 2009 von einem schweren Erdbeben erschüttert worden. Bei diesem fünftschweren Erdbeben Italiens wurde die Innenstadt fast vollständig zerstört. Der Wiederaufbau verläuft schleppend und zieht sich bis heute hin. Auch 13 Jahre nach der Katastrophe sind noch nicht alle Schäden beseitigt. Ende April 2009 besuchte der damalige Papst Benedikt XVI. das Erdbebengebiet von L'Aquila, um den Überlebenden Mut zuzusprechen. Auch Franziskus richtete in den vergangenen Jahren mehrmals aufmunternde Worte an die Bewohner der Region.

Quelle: Agenturen / Redaktion / msp