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Offene Corona-Fragen: Wie komme ich an Medikamente?

24. Juli 2022 · Lesedauer 6 min

Wegen der Sommer-Welle müssen sich nun viele Infizierte wieder in Isolation begeben. Dabei tauchen auch zweieinhalb Jahre nach Pandemie-Beginn noch neue Fragen auf: Warum bekomme ich keine Medikamente oder warum stehen beim Freitesten zwei Ct-Werte am Befund und welcher zählt denn jetzt? PULS 24 hat nachgefragt.

Über 4,6 Millionen Infektionen mit dem Coronavirus und knapp 4,5 Millionen Genesungen gab es seit Beginn der Pandemie in Österreich. Aktuell sind über 120.000 Österreicherinnen und Österreicher infiziert und befinden sich in Isolation. Und während die die Regierung scheinbar darüber nachdenkt, die Quarantäne ganz abzuschaffen, tauchen selbst nach zweieinhalb Jahren Pandemie bei den bestehenden Regelungen noch offene Fragen auf.

Unklar, wie man an Medikamente kommt

Eine infizierte Person aus Wien etwa schildert PULS 24, dass sie hohes Fieber hatte. Die Person ist übergewichtig und starker Raucher, machte sich Sorgen und fragte daher bei der Hotline 1450 nach Corona-Medikamenten. Übergewicht reiche nicht aus, teilte man der Person dort mit. Eine andere Person, ebenfalls aus Wien, berichtet, beim Hausarzt nachgefragt zu haben. Der Arzt traue sich nicht, Corona-Medikamente zu verschreiben, wisse zu wenig über die Nebenwirkungen, war dort die Antwort.

Aber wer bekommt die Medikamente dann eigentlich? Geben würde es jedenfalls genug. Von den vorhandenen 487.465 Behandlungsreihen wurden bisher erst 4,1 Prozent verwendet. Die meisten davon in Wien: Bis Anfang Juli sind in Österreich 24.090 Behandlungen mit den fünf gegen Covid-19 zugelassenen Medikamenten durchgeführt worden. 17.179, also 71,6 Prozent, wurden in der Hauptstadt durchgeführt. 

Und wie geht die Stadt dabei vor? Über Hausärzte rennt das in Wien derzeit eher nicht, auch 1450 sei nicht zuständig, sagt ein Sprecher von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) auf PULS 24 Anfrage. In Wien rufe die Gesundheitsbehörde (MA 15) Risikopatienten von sich aus an. Das Angebot richtet sich vor allem an ältere Personen: Positive Fälle ab dem Alter von 50 Jahren werden durchgerufen, so der Sprecher. Die Medikamente werden dann mit Fahrradboten zugestellt. Wer jünger ist und sich Sorgen macht, könne bei 1450 nach einem Arztgespräch fragen. 

Und am Land? Dort scheint es noch nicht wirklich einen Plan zu geben, Vorgaben des Bundes fehlen, jedes Bundesland hat eigene Wege. Selbst die Beratungskommission GECKO empfahl jüngst, die Verfügbarkeit von Medikamenten gegen das Coronavirus zu erleichtern. GECKO spricht sich für ein E-Rezept und die Vergabe über den Hausarzt aus. Die Ärztekammer schloss sich der Forderung an. Ein weiteres Problem ist, dass die Medikamente nur mit positivem PCR-Ergebnis verschrieben werden, bis ein solches vorliegt, ist es aber oft schon zu spät für die Medikamente.

Im Gesundheitsministerium betont man auf PULS 24 Nachfrage, dass man "in engem Austausch" mit der Ärztekammer und den Ländern sei. Der Bund würde genügend Medikamente zur Verfügung stellen, Ärzte würden "Informationen über potenzielle Nebenwirkungen und bekannte Kontraindikationen von den Herstellern, als auch von nationalen und internationalen Fachgesellschaften" nachlesen können. Man wolle den Zugang zu Medikamenten aber dennoch "laufend optimieren". "Unterschiedliche lokale Gegebenheiten sowie bereits etablierte Strukturen" würden zu den Unterschieden zwischen den Bundesländern bei der Medikamenten-Vergabe führen.

Wann darf man sich freitesten? 

Für Verwirrung sorgt bei vielen auch noch der Zeitpunkt, ab dem man sich freitesten kann. In Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Steiermark, Oberösterreich und Niederösterreich kann man nach fünf Tagen das Haus verlassen. Wenn man sich nicht freitestet, muss man allerdings Maske tragen, darf nicht in Altenheime oder Krankenhäuser und darf nicht auf Großveranstaltungen. In Wien, Kärnten und dem Burgenland kann man sich ab dem fünften Tag freitesten und darf sonst gar nicht aus dem Haus.

Ab welchem Zeitpunkt werden die fünf Tage nun aber gerechnet? Laut Gesundheitsministerium wird ab Symptombeginn gerechnet oder, wenn das nicht klar ist, ab dem Tag, an dem die Probe für den Test entnommen wurde. Gebe ich also am Montag einen Test ab, der positiv ist, darf ich am Freitag einen ersten Freitestversuch starten. 

Was heißt symptomfrei?

Voraussetzung, um sich freizutesten, ist es, 48 Stunden ohne Symptome zu sein. Das gilt im übrigen auch für das reguläre Ende der Isolation nach zehn Tagen - auch dafür muss man ab dem achten Tag symptomfrei sein.

Nun wird sich aber eine infizierte Person, die hohes Fieber hatte, mit etwas Schnupfen schon symptomfrei fühlen - für eine Person, die von vornherein nur Schnupfen hatte, wird das aber gefühlt nicht reichen.

Was gilt? Laut eines Sprechers des Wiener Gesundheitsstadtrat müsse man sich da auf die Angaben der Infizierten verlassen. Man gehe aber davon aus, dass das Freitesten bei Personen mit Symptomen ohnehin nicht funktioniere. Generell können sich nur 10 Prozent am fünften und 20 Prozent in den Tagen sechs bis neun freitesten. Das Gesundheitsminis hingegen definiert symptomfrei auf PULS 24 Anfrage als "kein Fieber ohne Einnahme von Antipyretika" - also fiebersenkenden Mitteln. Bei den restlichen Symptomen müsse "Besserung" erkennbar sein. 

Welcher Ct-Wert gilt?

Um sich vor dem zehnten Tag freizutesten, muss man nicht nur 48 Stunden symptomfrei sei, sondern braucht auch einen Ct-Wert über 30, so steht es auch im Befund, der von den Gesundheitsbehörden zugestellt wird. Was darin nicht steht, ist, dass manche Labore mehrere Ct-Werte angeben. 

Der Ct-Wert gibt grundsätzlich an, wie viele Messzyklen das PCR-Verfahren im Labor durchlaufen muss, bevor das Coronavirus nachgewiesen wird. Ein hoher Ct-Wert bedeutet, dass eine Person eine niedrige Viruslast hat und wenig ansteckend ist. Nun kommt es aber etwa in Wien bei den Tests von "Alles Gurgelt" vor, dass mehrere Zielgene untersucht werden - es kann sein, dass ein Wert über 30 und der andere darunter liegt. Laut Gesundheitsministerium müssen dann die lokalen Gesundheitsbehörden entscheiden. In Wien zählt der niedrigere Wert, teilt ein Sprecher mit. 

Was, wenn der Ct-Wert wieder sinkt?

Ist man 48 Stunden symptomfrei und hat sich mit einem Ct-Wert über 30 freigetestet, ist man oft noch lange nicht negativ. Der Ct-Wert kann bei weiteren Tests wieder sinken - auch wieder unter den Wert 30. Grundsätzlich gilt beim Ct-Wert sowieso, dass der Wert in keiner standardisierten Einheit gemessen wird. Ein Ct-Wert von 30 kann eigentlich auch einem Wert von 28 oder 32 entsprechen.

Es kann aber auch sein, dass der Wert tatsächlich wieder sinkt, weil der Körper Rest-Virenmaterial ausscheidet. War der Wert aber einmal über 30, gilt man als nicht mehr ansteckend. Viel entscheidender sei, dass die Symptome auch wirklich nachlassen, erklärt ein Sprecher von Wiens Gesundheitsstadtrat. Nur, wenn der Wert rapide abfällt - etwa unter 20, könnte das auf eine Autoimmunkrankheit hindeuten - man sollte einen Arzt konsultieren.

Konstantin AuerQuelle: Redaktion / koa