APA - Austria Presse Agentur

Neuer Corona-(Welt-)Rekord in den USA - Trump beschwichtigt

03. Juli 2020 · Lesedauer 5 min

Die USA kämpfen weiter mit einem dramatischen Anstieg der Coronafälle. Mit rund 52.300 Neuinfektionen binnen 24 Stunden wurde laut Zahlen der Johns-Hopkins-Universität am Donnerstag (Ortszeit) ein neuer Höchststand erreicht. Präsident Donald Trump versuchte zu beschwichtigen.

Er begründete den rasanten Anstieg damit, dass weitaus mehr auf das Virus getestet werde. Kritiker teilen Trumps Erklärung nicht und verweisen unter anderem auf eine steigende Zahl von Krankenhauseinweisungen. Sie werfen dem Präsidenten vor, das Infektionsgeschehen herunter zu spielen.

"Es gibt eine Zunahme der Coronavirus-Fälle, weil unser Testverhalten so massiv und so gut ist, viel größer und besser als in jedem anderen Land", schrieb er am späten Donnerstagabend auf Twitter. Dies seien "großartige Neuigkeiten". Ungeachtet der Lage will Trump am Freitag in South Dakota an den Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag teilnehmen, der am 4. Juli begangen wird.

Bereits tags zuvor hatten die USA erstmals die Grenze von täglich 50.000 Neuansteckungen überschritten. Angesichts des Rekords versuchten auch Mitglieder der Corona-Arbeitsgruppe im Weißen Haus am Donnerstag bei einem Vor-Ort-Besuch im stark betroffenen US-Staat Florida zu beschwichtigen. "Wir sind buchstäblich in einer viel besseren Situation als noch vor zwei Monaten", sagte Vizepräsident Mike Pence und verwies auf die Vielzahl an Tests und Ansätzen zur Behandlung von Covid-19-Patienten.

Pence, der die Corona-Arbeitsgruppe des Weißen Hauses leitet, setzte am Donnerstag in Florida seine Reisen in derzeit besonders betroffene US-Staaten im Süden des Landes fort. Zuvor war er schon in Texas und Arizona. Am Tag seines Besuchs überschritt die Zahl der nachgewiesenen Neuinfektionen innerhalb eines Tages in Florida die Marke von 10.000 - ein Allzeithoch. Pence war bemüht, Optimismus zu verbreiten: Er wolle, dass die Menschen wachsam seien, aber er wolle sie auch bestärken. Florida habe alles, was es brauche, um diesem Moment zu begegnen. US-Medien berichteten, seinen Besuch zuvor in Arizona habe Pence um einen Tag verschieben müssen, weil einige der ihn begleitenden Beamten des Secret Service positiv auf das Virus getestet worden seien.

In Texas vollzog Gouverneur Greg Abbott angesichts des dramatischen Anstiegs der Neuinfektionen eine Kehrtwende. Der Republikaner ordnete am Donnerstag eine Maskenpflicht für alle Bezirke mit 20 oder mehr Corona-Fällen an. Damit könne die Ausbreitung des Virus nicht nur verlangsamt, sondern auch die Wirtschaft am Laufen gehalten werden, erklärte Abbott. Er folgte damit der Linie von mehr als einem Dutzend US-Staaten. Der Schritt war dennoch bemerkenswert. Abbott hatte im Juni noch gesagt: "Die Regierung kann nicht vorschreiben, dass Einzelpersonen Gesichtsmasken tragen müssen."

Trumps Widerstand gegen die Schutzmaske scheint dagegen ungebrochen. Anders als viele andere Politiker zeigt er sich nicht mit Maske in der Öffentlichkeit und begründet dies immer wieder damit, dass er und die Leute um ihn herum stets auf das Virus getestet würden. Erst am Mittwoch äußerte sich der Republikaner skeptisch über eine landesweite Maskenpflicht.

Trump will sich am Freitag auf den Weg nach South Dakota machen, wo er am Abend (Ortszeit/Samstag MESZ) am berühmten Präsidenten-Denkmal von Mount Rushmore an den Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag inklusive umstrittenen Feuerwerks teilnimmt. Gouverneurin Kristi Noem hatte die Menschen zum Kommen aufgerufen und gesagt, dass Masken verteilt würden, aber nicht Pflicht seien. In anderen US-Staaten wie Kalifornien wurden vor dem langen Feiertagswochenende Restriktionen verhängt, um Menschenansammlungen zu verhindern.

Führende Wirtschaftsvertreter appellierten an das Weiße Haus, es müsse in Zusammenarbeit mit den Gouverneuren Regelungen für das verpflichtende Tragen von Masken in der Öffentlichkeit ausarbeiten. Die vergangenen Wochen hätten bewiesen, dass auf Freiwilligkeit basierende Richtlinien nicht ausreichten, um die Gesundheit der Menschen zu schützen, hieß es in einem offenen Brief, der unter anderem vom Vorstandsvorsitzenden der US-Handelskammer unterzeichnet wurde. Ohne stärkere Maßnahmen zur Eindämmung der Virusausbreitung drohe Amerika eine "weitere Runde an Shutdowns, weitreichenden Beschränkungen für nicht essenzielle Betriebe und irreparablen wirtschaftlichen Schäden".

Die Wirtschaft des Landes, die empfindlich von der Pandemie getroffen wurde, ist Trump wenige Monate vor der Wahl im November ein wichtiges Anliegen. Am Donnerstag bejubelte er im Weißen Haus die rasche Verbesserung der Lage am Arbeitsmarkt, die "alle Erwartungen übertroffen" habe. Die am Donnerstag veröffentlichte Arbeitslosenquote fiel stärker als erwartet von 13,3 Prozent im Mai auf 11,1 Prozent im Juni. Fast fünf Millionen Amerikaner haben im Juni wieder Arbeit gefunden. Doch die positiven Nachrichten sind mit Vorsicht zu genießen - denn wegen der Zuspitzung der Lage im Süden des Landes droht neues Unheil. Die Arbeitslosenquote für Juni beruhte auf Daten, die nur die Situation bis zur Mitte des Monats abbildeten. Mögliche Auswirkungen der jüngsten Zuspitzung spiegelten sich darin deshalb noch nicht wider.

Nach Berechnung von US-Medien haben mindestens 20 Staaten infolge der rapide steigenden Infektionszahlen die phasenweise Wiedereröffnung der Wirtschaft gebremst, pausiert oder Lockerungen gar zurückgenommen. Insgesamt wurden in den USA seit Beginn der Pandemie mehr als 2,7 Millionen Infektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2 nachgewiesen, wie aus Daten der Universität Johns Hopkins hervorgeht. Fast 130.000 Menschen starben an oder mit dem Virus.

Quelle: Agenturen