Nach Lawinen: Alpin-Organisationen gegen Landesrätin-Vorstoß
Mair hatte eine "Vollkaskomentalität" geortet. Wer leichtfertig und trotz Warnungen - etwa bei Lawinenwarnstufe vier, also großer Gefahr - ins Gelände fahre und einen Sucheinsatz auslöse, der müsse das finanziell spüren. Denkbar sei für sie, dass Versicherungen in solchen Fällen aussteigen. "Wenn Tourengeher oder Variantenfahrer bei Stufe vier im Gelände einen Einsatz auslösen, sollen sich die Versicherungen ihr Geld zurückholen", meinte die Landesrätin.
Die alpinen Organisationen betonten hingegen "Aufklärung" und "Eigenverantwortung". Eine "Kriminalisierung oder Versicherungsentzug" werde als "nicht zielführend abgelehnt", wie man in einer gemeinsamen Aussendung am Freitag kundtat. Man sprach sich gegen "Anlassgesetzgebung", Betretungsverbote oder versicherungsrechtliche Folgen aus.
"Verwundert" über den Vorstoß Mairs zeigte sich der Verband der Österreichischen Berg- und Skiführer. Eine "Bestrafung" von Wintersportlern ist nicht zielführend. Erfahrungsgemäß führe sie nicht zu einer Verbesserung, sondern vielmehr zum Gegenteil. Die "pauschale Verknüpfung mit einer Lawinenwarnstufe", die lediglich eine regionale Einschätzung darstelle und weder lokale noch zonale Beurteilung ermögliche, greife zudem zu kurz und "entbehrt einer fachlichen fundierten Grundlage."
"Verbote sind in einer aufgeklärten, demokratischen und liberalen Gesellschaft das allerletzte Mittel, um einen großen Schaden für die Bevölkerung zu vermeiden und für den alpinen Raum mit ganz wenigen Ausnahmen nicht zielführend", stieß der Präsident des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit (ÖKAS), Peter Paal, ins selbe Horn. Der alpine Raum außerhalb der geschützten Räume werde nie zu hundert Prozent sicher sein - "und muss es auch nicht." Sinnvoll und nachhaltig sei die Sensibilisierung und Aufklärung der im alpinen Raum agierenden Menschen.
Auch der Österreichische Alpenverein (ÖAV) lehnte "Verbote als Mittel zum Zweck" strikt ab. Vielmehr brauche es Aufklärung, Sensibilisierung für Naturgefahren und die Fähigkeit, sich risikobewusst im alpinen Gelände zu verhalten. Der Österreichische Bergrettungsdienst (ÖBRD) sah sich indes für das rechtliche Umfeld als "nicht zuständig". Als Organisation nehme man davon Abstand, Forderungen für rechtliche Änderungen zu erheben, ließ Präsident Stefan Hochstaffl wissen. Außerdem: Die Warnhinweise der Lawinenwarndienste und Wetterdienste sowie die Möglichkeit, sich dazu auch lokal zu informieren, seien "sehr gut und kompetent aufbereitet".
Zahlreiche tote Variantenfahrer
Seit dem 15. Februar waren in ganz Österreich 14 Wintersportler durch Schneebretter ums Leben gekommen, zehn davon in Tirol. Insbesondere Variantenfahrer waren betroffen. Während im Tourenbereich "nur" ein Todesopfer zu beklagen war, gab es laut dem Kuratorium für Alpine Sicherheit im Nahbereich von Skipisten 13 Tote. Für das generelle Verhalten der Tourengeher gab es jedenfalls Lob. Diese hätten sich vorbildlich an die Warnungen gehalten, hieß es etwa seitens des Tiroler Lawinenwarndienstes.
Zusammenfassung
- Nach 14 Lawinentoten in Österreich seit dem 15. Februar, davon 10 in Tirol und überwiegend Variantenfahrer, fordert Tirols Sicherheitslandesrätin Astrid Mair (ÖVP) Regressforderungen bei grober Fahrlässigkeit.
- Alpinorganisationen wie der Österreichische Alpenverein und das Kuratorium für Alpine Sicherheit lehnen diese Vorschläge ab und setzen stattdessen auf Aufklärung und Eigenverantwortung.
- Tourengeher wurden für ihr verantwortungsbewusstes Verhalten gelobt, während die Warnhinweise der Lawinen- und Wetterdienste als sehr kompetent bewertet werden.
