Schweiz
Erste Todesopfer von Crans-Montana identifiziert
Es handelt sich nach diesen Angaben um zwei Schweizerinnen im Alter von 21 und 16 Jahren sowie zwei Schweizer im Alter von 18 und 16 Jahren.
Die Leichname seien den Familien übergeben worden. Die Identifizierung laufe auf Hochtouren, versicherten die Behörden am Samstag.
Spezialeinheit im Einsatz
Im Einsatz ist eine 30-köpfige Spezialeinheit zur Identifizierung von Katastrophenopfern. Sie war nach der Tsunami-Katastrophe 2004 in Südostasien aufgebaut worden.
Unter den Toten dürften auch Ausländer sein. Von den 119 Verletzten waren bis Freitag 113 identifiziert worden. Darunter waren 71 Schweizer sowie 14 Franzosen, elf Italiener, vier Serben sowie einzelne Personen aus anderen Ländern. Österreichische oder deutsche Opfer wurden bisher nicht gemeldet.
Hälfte der Schwerverletzten ins Ausland verlegt
Die Behandlung der Opfer wird unterdessen zu einer europäischen Mammutaufgabe. Nach der Akutversorgung muss fast die Hälfte der 119 Schwerverletzten mangels Kapazitäten in der Schweiz ins Ausland verlegt werden.
Bis Sonntag sollen 50 Menschen überstellt werden, teilte das schweizerische Bundesamt für Bevölkerungsschutz mit. Angeflogen werden unter anderem Kliniken in Deutschland, Frankreich, Italien und Belgien.
Auch Österreich hat Hilfe angeboten. Die ursprünglich für Samstag geplante Überstellung von sechs Patientinnen und Patienten nach Wien und Graz wurde vorerst indes abgesagt, teilte das Innenministerium der APA mit.
Das Angebot aus Österreich, medizinische Betreuung zu übernehmen, ist aber aufrecht. Ob andere Opfer nach Österreich überstellt werden, sei unklar, die Entscheidung obliegt den Schweizer Behörden, hieß es aus dem Wiener Ministerium. Kurzfristige Änderungen seien laufend möglich.
Keine Notwendigkeit bzw. Wunsch nach Verlegung in andere Länder
Zur nach derzeitigem Informationsstand abgesagten Übernahme hielt das Innenressort fest: "Die verantwortlichen Behörden in der Schweiz haben uns dies heute Morgen in einer Videokonferenz mitgeteilt. Grund dafür ist, dass bei zwei Personen keine medizinische Notwendigkeit einer Intensivbetreuung mehr bestünde und diese aus diesem Grund vorerst in Schweizer Betreuung verbleiben werden. Die vier anderen avisierten Patienten werden auf eigenen Wunsch hin nach Frankreich und Belgien verbracht."
Bei dem Brand in einer Bar waren in der Silvesternacht 40 junge Menschen gestorben. Nach ersten Erkenntnissen geriet wohl Schaumstoff an der Decke durch das Abbrennen von funkensprühenden Partyfontänen in Brand. Das Feuer breitete sich rasend schnell aus. In der Bar waren überwiegend Teenager und junge Erwachsene.
Ärztin: Patienten stehen viele Operationen bevor
Im Kinderspital Zürich werden fünf minderjährige Brandopfer behandelt, wie Kathrin Neuhaus, Chefärztin des dortigen Brandverletzungszentrums, dem Sender SRF sagte. Teilweise sei mehr als 70 Prozent der Körperoberfläche verbrannt.
"Das heißt, sie sind Infektionen ausgesetzt, sie verlieren Wärme und es kommt durch die schwere Brandverletzung zu einer Verbrennungskrankheit, die den ganzen Körper systematisch betrifft, also auch das Herz-Kreislauf-System", erklärte sie. Zudem hätten viele durch das Einatmen von Rauch schwere Schädigungen etwa der Lunge.
Vielen der jungen Patienten stehe eine zweistellige Zahl von Eingriffen bevor. Sie müssen dann mehrmals die Woche in den Operationssaal (OP). "Im Moment planen wir, mit jedem Patienten jeden zweiten Tag in den OP zu gehen", sagte sie.
Sieben Italiener werden derzeit im Mailänder Krankenhaus Niguarda behandelt, zwei weitere sollen - sofern transportfähig - in Kürze folgen. Die bisher dorthin verlegten Opfer befänden sich alle in einem sehr kritischen Zustand und würden auf der Intensivstation behandelt, sagte der Gesundheitsbeauftragte der Region Lombardei, Guido Bertolaso.
Eltern von Kočani-Brandopfern kondolierten
Die Eltern von Opfern des Nachtklubbrandes von März 2025 in Kočani in Nord-Mazedonien kondolierten unterdessen den Eltern der Brandopfer von Crans-Montana.
Wie die italienische Nachrichtenagentur ANSA berichtete, schrieben die Eltern der Kočani-Opfer auf der Facebook-Seite ihres Vereins "16. März": "Mit gebrochenem Herzen haben wir von der Tragödie in der Schweiz erfahren."
Am 16. März des vergangenen Jahres waren bei einem Brand im Nachtklub "Pulse" in der Kleinstadt Kočani, 100 Kilometer östlich der nordmazedonischen Hauptstadt Skopje, 63 Menschen gestorben.
Rund 200 Personen wurden verletzt. Zum Brand kam es, nachdem eine für die Bühnenshow eingesetzte Funkenmaschine die aus leicht entflammbarem Material bestehende Deckenkonstruktion entzündet hatte. 59 Menschen starben sofort, weitere vier erlagen später ihren schweren Brandverletzungen.
Zusammenfassung
- Nach dem verheerenden Brand in einer Bar im Schweizer Skiort Crans-Montana wurden die ersten vier Todesopfer identifiziert: zwei Schweizerinnen (21 und 16 Jahre) und zwei Schweizer (18 und 16 Jahre).
- Von den mindestens 40 Todesopfern und 119 Verletzten müssen rund 50 schwerverletzte Patienten mangels Kapazitäten in der Schweiz in Kliniken nach Deutschland, Frankreich, Italien und Belgien verlegt werden.
- Viele der überwiegend jugendlichen Verletzten erlitten schwere Brandverletzungen, bei einigen sind mehr als 70 Prozent der Körperoberfläche betroffen und zahlreiche Operationen erforderlich.
