Schwierige Opfer-Identifizierung nach Schweizer Katastrophe
Der Walliser Regierungspräsident Mathias Reynard erklärte, Experten nutzten dafür Zahn- und DNA-Proben. Man müsse sich "100-prozentig sicher" sein, bevor man die Familien informiere. Bei dem Brand in einer Bar mit Hunderten größtenteils jungen Feiernden in der Silvesternacht wurden zudem 115 Menschen verletzt, viele von ihnen schwer. Einige schwebten in der Nacht noch in Lebensgefahr.
In der Universitätsklinik Lausanne wurden allein etwa 13 erwachsene und acht minderjährige Brandverletzte aufgenommen, "deren Körperoberfläche zu mehr als 60 Prozent verbrannt ist", wie der Chefarzt des Spitals Morges, Wassim Raffoul, dem Sender RTS sagte. Raffoul erklärte weiter, es handle sich um sehr schwere Verletzungen, deren Behandlung sehr lange dauern werde. Hinzu könne kommen, dass die Verletzten auch Rauchgasvergiftungen, Quetschungen sowie Knochenbrüche durch das Gedränge erlitten hätten. Durch das Verbrennen von Kunststoff könnten sehr giftige Dämpfe entstanden sein.
Je nach Schweregrad der Verbrennung - also ihrer Tiefe und ihrer Ausdehnung - ist eine Hauttransplantation erforderlich. Wenn 60 Prozent oder mehr der Hautoberfläche verbrannt sind, besteht unter anderem das Risiko eines Multiorganversagens und damit Lebensgefahr.
Gedenken der Opfer
Am Donnerstagabend versammelten sich Hunderte Menschen in der Nähe des Unglücksortes, um den Opfern die letzte Ehre zu erweisen. Vor der Bar wurden zahlreiche Kerzen aufgestellt und Blumen niedergelegt. "Man denkt, man ist hier sicher, aber das kann überall passieren", sagte der 18-jährige Piermarco Pani, der die Bar gut kannte.
Am Neujahrsabend beteten außerdem 400 Gläubige in der Kirche von Crans-Montana in einer Messe mit dem Bischof von Sitten, Jean-Marie Lovey, für die Opfer. Der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin sprach von einer der schlimmsten Tragödien, die es in der Geschichte der Schweiz je gegeben habe. Die Flaggen am Parlament würden für fünf Tage auf halbmast gehängt.
"Flashover" als mögliche Ursache der Katastrophe
Das Feuer war in der Silvesternacht in der Bar "Le Constellation" in Crans-Montana ausgebrochen. Die Brandursache ist zurzeit noch unklar. Die Schweizer Behörden gehen jedoch von einem Unfall und nicht von einem Anschlag aus. Medienberichte und in sozialen Medien verbreitete Aufnahmen deuteten darauf hin, dass Lärmschutzmaterial an der Decke im Keller der Bar Feuer gefangen haben könnte, als feiernde Menschen mit auf Champagnerflaschen gesteckten Wunderkerzen hantierten.
Die Kantonsregierung des Wallis schrieb in einer Mitteilung von einem "Flashover" in der Bar - ein Brandphänomen, das eine Brandschutzexpertin mit einer Art Feuerwalze verglich. Das passiert durch riesige Hitze, die brennbares Material so zersetzt, dass es bestimmte Gase bildet und dann auch ohne Flammenkontakt sekundenschnell in Brand gerät. Ohne Schutzkleidung sei das kaum zu überleben, sagte die Brandschutzsachverständige Sandra Barz in der ARD.
"Unsere Hauptthese ist, dass der gesamte Raum Feuer gefangen hat, und das zu einer Explosion geführt hat", sagte die Generalstaatsanwältin des Kantons Wallis, Beatrice Pilloud. Wie viele Menschen in der Bar waren, für wie viele Besucher sie zugelassen war, ob die Notausgänge funktionierten oder die Treppe, die nach Angaben von Besuchern zu eng war, um sich schnell vor den Flammen zu retten, regelkonform war - Pilloud machte dazu auch knapp 18 Stunden nach der Tragödie noch keine Angaben. Ob Kerzen oder ein Feuerwerkskörper den Brand auslösten, wie etwa Gäste mutmaßten - man wisse es noch nicht. Sie wolle Handys auswerten, die am Unglücksort sichergestellt wurden.
Junge und ausländische Opfer
Eltern vermisster Jugendlicher baten in den sozialen Medien verzweifelt um Informationen über ihre Familienangehörigen. Laut Medienberichten sind viele Verletzte junge Menschen. "Es handelt sich um junge Patienten. Im Durchschnitt sind sie zwischen 16 und 26 Jahre alt", sagte die Direktorin des Universitätsspitals Lausanne dem Nachrichtenportal "24 Heures".
Ausländische Botschaften versuchen zu klären, ob ihre Staatsangehörigen von einer der schwersten Tragödien in der jüngeren Geschichte der Schweiz betroffen sind. Nach Angaben italienischer Behörden wurden am Donnerstag 16 Italiener vermisst. Rund ein Dutzend italienische Staatsangehörige befänden sich in Krankenhäusern. Laut einer Mitteilung des französischen Außenministeriums werden acht französische Staatsbürger vermisst. Australische Behörden teilten mit, es befinde sich ein Australier unter den Verletzten. Österreicherinnen oder Österreicher waren nach derzeitigem Stand nicht unter den Opfern, hieß es am Donnerstag auf APA-Anfrage aus dem Außenministerium in Wien.
Österreich bot Hilfe an
Österreich bot der Schweiz im Rahmen der Katastrophenhilfe über das Innenministerium die medizinische Betreuung von vorerst fünf schwer verletzten Personen an. Weitere medizinische Kapazitäten würden derzeit überprüft und im Fall umgehend den zuständigen Schweizer Behörden übermittelt, teilte das Innenministerium der APA mit.
Der französische Präsident Emmanuel Macron teilte auf der Plattform X mit, Frankreich nehme Verletzte in seinen Krankenhäusern auf und stehe für jede Hilfe zur Verfügung. Verletzte wurden Berichten zufolge bereits nach Paris und Lyon gebracht. Angesichts des Ausmaßes der Tragödie eilte etwa auch die Bergwacht aus dem Aostatal in Italien zu Hilfe. Daneben haben auch Schweden und Nordmazedonien ihre Hilfe angeboten.
Auch die Europäische Union bot Unterstützung an. "Wir stehen mit den Schweizer Behörden in Kontakt, um über den EU-Katastrophenschutzmechanismus medizinische Hilfe für die Opfer bereitzustellen", teilte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf X mit.
Zusammenfassung
- Nach dem verheerenden Brand in einer Bar in Crans-Montana mit mindestens 40 Toten und 115 Verletzten hat die schwierige Identifizierung der Opfer begonnen.
- Viele der Opfer sind junge Menschen zwischen 16 und 26 Jahren, darunter zahlreiche ausländische Staatsbürger, unter anderem aus Italien, Frankreich und Australien.
- Die Behörden nutzen Zahn- und DNA-Proben zur Identifizierung und informieren die Familien erst nach hundertprozentiger Sicherheit.
- Als mögliche Ursache gilt ein "Flashover", vermutlich ausgelöst durch Wunderkerzen an Champagnerflaschen, wobei die genauen Umstände noch untersucht werden.
- Österreich, Frankreich, Schweden, Nordmazedonien und die EU haben medizinische Hilfe angeboten, Verletzte wurden unter anderem nach Paris und Lyon gebracht.
