Warum die Afghanistan-Krise die Schwäche Europas offenbart

25. Aug 2021 · Lesedauer 2 min

Die prekäre Lage am Flughafen in Kabul zeigt das Versagen nicht nur der USA sondern auch Europas, so Außenpolitik-Experte Schöllhammer. Auch Militärexperte Karner meint: "Tun könnte man sehr viel, wenn man es wollte."

Seitdem die Taliban vor Wochen ihren Siegeszug in Afghanistan angetreten sind, spitzt sich die Lage vor allem in der Hauptstadt Kabul zu. Am dortigen Flughafen spielt sich eine humanitäre Katastrophe ab, während westliche Nationen versuchen, ihre Hilfskräfte sowie Schutzbedürftige unter Zeitdruck zu evakuieren.

Dass der Abzug der westlichen Truppen und die Evakuierung so überstürzt und unorganisiert laufen, offenbare ein politisches Versagen, meint Außenpolitikexperte Ralph Schöllhammer von der Webster-Privatuni im Gespräch mit PULS 24 Anchor Werner Sejka. Die USA sei vom Vormarsch der Taliban nicht überrascht worden, Experten hätten diesen genau so vorhergesagt.

"Globale Stabilität gibt es nicht zum Nulltarif"

Das Versagen sei ein politisches, denn es mangle offenbar an politischem Willen, geordnete Verhältnisse in Afghanistan zu hinterlassen, so Schöllhammer - nicht nur bei den USA sondern auch in Europa. Die EU wolle sich nicht militärisch im Ausland engagieren und verlasse sich einzig auf die USA. Aus dieser militärischen Schwäche ergebe sich aber eine außenpolitische Bedeutungslosigkeit: "Eine globale Stabilität gibt es nicht zum Nulltarif."

Das sieht auch Militärexperte Gerald Karner so. Die EU wäre mit ihren militärischen Battlegroups durchaus in der Lage stabilisierend etwa in Afghanistan einzugreifen. Auch er ortet mangelnden politischen Willen: "Tun könnte man sehr viel, wenn man wollte", so Karner.

Militärexperte Gerald Karner spricht über Europas mangelnde außenpolitische und militärische Schlagkraft.

Die EU habe zwar erste Ansätze für eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik, aber es fehle einerseits am Willen, etwa die besprochenen EU-Battlegroups einzusetzen, und andererseits auch notwendige Investitionen in die Verteidigung. Ohne diese bleibe die EU von den USA als "Weltpolizisten" abhängig und zur außenpolitischen Bedeutungslosigkeit verdammt.

Stephan HoferQuelle: Redaktion / hos