Rösslhumer über 43 Mordversuche an Frauen: "Brutalität nimmt zu"

27. Okt 2021 · Lesedauer 3 min

Brutalität gegen Frauen in Österreich nimmt weiter zu, wie die Geschäftsführerin des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser bestätigt. Von den versprochenen Millionen der Regierung sei bei der Frauenhilfe bisher nichts angekommen. Die Situation sei inzwischen eine "ernsthafte Sicherheitskrise".

Erneut kam es in den vergangenen Tagen wieder zu schrecklichen Gewalttaten gegen Frauen. In Wien-Favoriten solle ein Mann seine 40-Jährige Ex-Freundin derart zusammengeschlagen haben, dass sie im Stiegenhaus zusammenbrach und mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Spital eingeliefert werden musste. 

Dutzende Messerstiche und Haus in Brand gesteckt

In Mittertreffling im Bezirk Urfahr-Umgebung soll nach Aussage des 21-Jährigen Opfers ihr 23-jähriger Freund versucht haben, sie umzubringen. Er schlug sie nieder, würgte sie, stach dreißig- bis vierzigmal mit einem Messer auf sie ein und setzte dann das Haus in Brand. Sie konnte sich durch einen Sprung aus dem Fenster, bei dem sie sich das Bein brach, retten. Anschließend lief der Mann davon, warf sich vor ein Feuerwehrauto und verstarb daran. Beim Brand wurde auch eine 53-Jährige verletzt. 

Schon im Mai sicherte die Regierung zusätzliche 24,6 Millionen Euro zur Ausweitung von Maßnahmen zum Schutz vor Gewalt zu. Dabei waren auch sechs Millionen Euro für Frauen- und Mädchenberatung vorgesehen. Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser, sagt im PULS 24 Interview, dass davon noch nichts angekommen sei.  "Wir brauchen einen grundlegenden Klimawandel. Es wurden Millionen versprochen, wir selber haben davon nichts gesehen", beklagt die Expertin. Sie wisse jedoch, dass Männerberatungsstellen mit vier Millionen Euro unterstützt würden. Man müsse jedoch aufpassen, dass es zu keiner "Schieflage" komme.

Eine Veränderung hätte man nicht gespürt, ganz im Gegenteil, Gewalt nehme zu. Panische Frauen werden von der Polizei nicht ernstgenommen, sie würden viel zu selten unterstützt werden.   

"Ernsthafte Sicherheitskrise" für Österreich

"Es ist tatsächlich so", bestätigt sie, dass Gewalt an Frauen schon wieder zunimmt. "Wir haben bereits den 43. Mordversuch an einer Frau in diesem Jahr". Das sei enorm hoch. Man dürfe auch nicht vergessen, dass es sich dabei nur um die Fälle handelt, die es in die Medien schaffen. "Vor allem die Brutalität nimmt zu", attestiert die Expertin. Es sei eine "ernstzunehmende, ernsthafte Sicherheitskrise für unser Land".  Die Männergewalt an Frauen sei "untragbar".

Kaum versprochene Fallkonferenzen 

"Leider haben wir noch viel zu wenig Informationen", beklagt die Frauenhaus-Geschäftsführerin. Weder wäre ihr bekannt, ob der Mann bereits Vorstrafen habe oder in der Vergangenheit auffällig geworden sei, noch, ob sich die betroffenen Frauen an Hilfseinrichtungen gewendet haben. Man gehe aber davon aus, dass die Nachbarschaft "etwas mitbekommen" hat. Die sicherheitspolizeilichen Fallkonferenzen würden kaum eingesetzt, vor allem in Hochsicherheitssituationen. Die Regierung versprach im Mai auch, die Konferenzen zwischen Sicherheitsbehörden und Opferschutzorganisationen, die seit 2020 wieder gesetzlich verankert sind, wieder verstärkt abzuhalten.

Rösslhumer fordert auch den Ausbau der Gemeinwesenarbeit. Die Nachbarschaft sollte für diese Problematik sensibilisiert werden. Wenn ihnen etwas auffällt, dass frühzeitig präventiv die Polizei gerufen wird.

Anlaufstellen bei häuslicher Gewalt

  • Frauen-Helpline: 0800/222 555
  • 24-Stunden-Frauennotruf der Stadt Wien: 01/71719
  • Frauenhaus-Notruf: 05 77 22
  • Männerberatung Wien: 01/603 28 28
  • Rat auf Draht - Hilfe für Kinder & Jugendliche: 147
  • Im Fall von akuter Gewalt: Polizei-Notruf: 133
Marianne LamplQuelle: Agenturen / Redaktion / lam