APA - Austria Presse Agentur

Lockdown-Ende für Sexarbeiterinnen "nicht vor Weihnachten"

23. Nov 2021 · Lesedauer 3 min

Vom Lockdown betroffen sind auch Bordelle und Sexdienstleisterinnen. Ein Lockdown-Ende für die Branche werde nicht vor Weihnachten erwartet. Doch bereits vor der Maßnahmen-Verschärfung sei es zu einem Geschäftseinbruch und einem Bordellesterben gekommen, erklären Christine Nagl und Christian Knappik von "sexworker.at".

Durch den vierten Lockdown sind nicht nur der Handel, Restaurants oder Friseursalons geschlossen, sondern auch Bordelle. Konkret heißt es dazu aus dem Gesundheitsministerium gegenüber PULS 24, dass " Prostitution zurzeit nicht stattfinden darf". Das schließe nicht nur Bordelle und Laufhäuser ein, sondern auch Escortservice sowie Hausbesuche. Diese definiert das Gesundheitsministerium als "das Betreten auswärtiger Arbeitsstellen zum Zwecke der Erbringung körpernaher Dienstleistungen". Und das ist laut aktueller Verordnung derzeit ebenfalls untersagt.

Nagl: Man soll nicht über, sondern mit Sexarbeiterinnen reden

Christine Nagl sprach im Mai 2020 schon einmal mit PULS 24  über die Sorgen der Sexarbeiterinnen.

"Massiver Geschäftseinbruch" durch Corona-Maßnahmen

Mit einem Ende des Lockdowns für Sexarbeiterinnen rechnet Christine Nagl "nicht vor Weihnachten", wie die Vorstandsfrau des Vereins "sexworker.at" und Projektleiterin der Beratungsstelle PiA im PULS 24 Interview sagt. Bereits in den letzten Wochen habe es in diesem Bereich einen "massiven Geschäftseinbruch" gegeben. Einige Kunden hätten sehr verhalten reagiert und "wollten der Registrierungspflicht nicht nachkommen", schildert Nagl die Lage in Salzburg. Es zeichne sich bereits ein "Bordellsterben" ab. Von vormals 48 Bordellen in Salzburg habe sich die Zahl der Etablissements laut Nagl während der Pandemie auf etwa 16 reduziert.

"Das große Sterben ist nicht vorbei", bestätigt auch Christian Knappik, Sprecher von "sexworker.at" gegenüber PULS 24 für Wien. Grund dafür sei u.a., dass einige Betreiber mehrere Bordelle leiten, so würden gleich mehrere Einrichtungen auf einmal schließen. Manche würden laut Knappik die notwendige Bettenzahl nicht erfüllen, um als Beherbergungsbetrieb zu gelten und hätten daher "auch keine Förderung bekommen". Sexarbeiterinnen selbst könnten nur Umsatzersatz erhalten. Dieser sei jedoch "nicht so hoch", da viele Frauen die Mindestgrenze nicht überschreiten, meint der Sprecher von "sexworker.at".

Sexarbeiterinnen zur Krise: Man schwebt in der Luft

PULS 24-Chefreporterin Magdalena Punz besuchte bereits im Mai 2020 das Laufhaus Wien Mitte und redete mit betroffenen Sex-Dienstleisterinnen.

Einige Prostituierte seien "vier Mal geimpft"

Vor dem Lockdown galt auch in der Prostitution die 3G-Regel am Arbeitsplatz und eine Maskenpflicht für Dienstleistungen, wo der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. Kunden hätten zuletzt einen 2G-Nachweis vorweisen müssen. Dies sei allerdings "schwer zu überprüfen" gewesen, meint Knappik. Vor allem für die Sexarbeiterinnen herrsche hier die Gefahr vor Stalking, wenn der echte Name durch den Impfpass für den Kunden sichtbar ist, erklärt er im PULS 24 Interview.

Wehsely: Sexarbeiterinnen sind am unteren Ende der Kette

Tanja Wehsely, Geschäftsführerin Volkshilfe Wien, sprach bereits im Mai 2020 mit PULS 24 über die neue Armut unter Sexarbeiterinnen.

Eine genaue Zahl der Sex Worker, die gegen das Coronavirus geimpft sind, gäbe es nicht, meinen Knappik und Nagl. Beide sprechen allerdings von einem relativ hohen Anteil. Die Sexarbeiterinnen hätten ein "hohes Gesundheitsbewusstsein" und "wollen sich auch nicht anstecken", sagt Knappik im Interview.  Manche Sexarbeiterinnen seien zudem "vier Mal geimpft", ergänzt Nagl. Viele hätten sich zuvor in ihren Heimatländern impfen lassen. Dort hätte man Vakzine, wie etwa Sputnik verimpft, die nicht von der EMA zugelassen sind. Um als geimpft zu gelten, hätten manche daher sich erneut mit einem zugelassenen Impfstoff impfen lassen, erklärt die Projektleiterin der Beratungsstelle PiA.

Sowohl Nagl, wie auch Knappik, heben im Gespräch das Impfangebot der Stadt Wien hervor. In der Bundeshauptstadt konnten sich Prostituierte bei der verpflichtenden Gesundheitsuntersuchungen das Jaukerl geben lassen.

Angela PerkonigQuelle: Redaktion / pea