Lichtermeer: Stilles Gedenken für oberösterreichische Ärztin

01. Aug. 2022 · Lesedauer 4 min

Tausende Menschen versammeln sich am Montagabend bei einer Mahnwache am Wiener Stephansplatz, um ihre Anteilnahme am Tod der Ärztin Lisa-Maria Kellermayr zu zeigen. Auch in der Linzer Innenstadt haben laut Polizei knapp 300 Personen an einer Mahnwache teilgenommen, in Wels waren es 150.

Der Tod der Ärztin Lisa-Maria Kellermayr nach Morddrohungen von Impfgegnern hat tiefe Betroffenheit und Bestürzung ausgelöst. Bereits nach Bekanntwerden ihres Suizids am Freitag kamen Menschen zu spontanen Mahnwachen zusammen. Am Montagabend fand am Wiener Stephansplatz eine Mahnwache mit Lichtermeer statt. Tausende Menschen nahmen am berührenden Gedenken, das der Initiator von #YesWeCare, Daniel Landau, organisiert hatte, teil. Auch die Glocken des Doms läuteten.

Tausende Kerzen wurden entzündet

Ab 20 Uhr sammelten sich die Menschen am Stephansdom, um 20.45 Uhr läuteten die Glocken und tausende Kerzen wurden entzündet, dazu erstrahlten unzählige Handy-Lichter. Der gesamten Platz vor dem Dom war voll mit Menschen. Die Teilnehmer der Gedenkveranstaltung stimmten mehrere Lieder an, darunter das Protestlied "We Shall Overcome".

"Ich glaube, dass gemeinsam Trauern einer Gesellschaft gut tut", sagte Initiator Landau der APA. Er kannte Kellermayr persönlich, hatte sie erst Mitte Juli in ihrer Ordination getroffen. Dabei hätten sie auch über den Glauben gesprochen, das sei der Medizinerin wichtig gewesen, schilderte Landau. In Gedenken an die Verstorbene fand das Glockenläuten statt.

"Eindrucksvolles Zeichen für Solidarität und gegen Gewalt und Hass"

Dompfarrer Toni Faber unterstützt die Initiative, ebenso die Österreichische Ärztekammer. Am Wochenende ging laut Präsident Johannes Steinhart eine Verständigung an alle Wiener Ärztinnen und Ärzte mit der Bitte, an der Gedenkveranstaltung teilzunehmen und so als Ärzteschaft "ein eindrucksvolles Zeichen für Solidarität und gegen Gewalt und Hass" zu setzen. Auch Wissenschafter nahmen an der Mahnwache teil, darunter beispielsweise der Molekularbiologe Ulrich Elling. Am Stephansplatz fanden sich unter anderem auch der frühere SPÖ-Gesundheitsminister Alois Stöger sowie Seniorenbund-Obfrau Ingrid Korosec (ÖVP) ein. Auch der ehemalige Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) gedachte der toten Ärztin.

300 Menschen in Linzer Innenstadt

Auch in der Linzer Innenstadt haben am Montagabend laut Polizei knapp 300 Personen an einer Mahnwache für die oberösterreichische Ärztin teilgenommen. In Wels gedachten nach APA-Zählung rund 150 Leute vor dem Gericht.

In Linz wurden am Taubenmarkt rund um den Brunnen Kerzen aufgestellt und Blumen vor einem Bild Kellermayrs niedergelegt. Nach einer kurzen Ansprache der Veranstalterin blieb die Menge lange in stiller Andacht stehen.

Wels: Stilles Gedenken vor dem Landesgericht

In Wels wurde vor dem Landesgericht - und damit auch dem Quartier der Staatsanwaltschaft gedacht. Polizei und Staatsanwaltschaft stehen seit dem Suizid in der Kritik, sie hätten zu wenig getan, um die Täter auszuforschen bzw. die Ärztin zu schützen. Er habe den Suizid nicht politisch instrumentalisieren wollen, sagte Veranstalter Maximilian Friedl im Gespräch mit der APA, daher habe er die Veranstaltung als Privatperson angemeldet. Friedl ist in der Jungen Linken Wels aktiv. Vor dem Gebäude wurden Kerzen angezündet und Blumen niedergelegt, die Teilnehmer versammelten sich zu einem stillen Gedenken an die Medizinerin.

APA/VERENA LEISS

Seewalchen: Bundespräsident Van der Bellen legt Blumen nieder

Bundespräsident Alexander Van der Bellen und seine Ehefrau Doris Schmiedauer legten vor der Praxis von Kellermayr in Seewalchen Blumen nieder, zeigt ein Foto auf Twitter. "An vielen Orten im ganzen Land kommen Menschen zusammen, um an Dr. Lisa-Maria Kellermayr zu erinnern. Um gemeinsam ein Zeichen für Zusammenhalt und gegen Hass zu setzen. Ein stiller Moment des Gedenkens heute in Seewalchen. #YesWeCare", twitterte Van der Bellen am Montagabend.

Die Ärztin war monatelang - offensichtlich aus der Impfgegner-Szene - bedroht worden. Auf ihrer Homepage machte sie auch erhaltene Schreiben mit drastischen Morddrohungen öffentlich. Nach eigenen Angaben investierte sie zuletzt insgesamt rund 100.000 Euro aus eigener Tasche in die Sicherheit ihrer Praxis. Im Juni schloss sie die Ordination zunächst vorübergehend, schließlich verkündete sie die endgültige Schließung. Man könne Arbeitsbedingungen "wie wir sie die letzten Monate erlebt haben" niemandem zumuten, begründete sie den Schritt. Am Freitag verübte sie in ihrer Ordination Suizid.

Quelle: Agenturen / ddj