Klimaforscherin Kromp-Kolb: Müssen Autoverkehr zurückdrängen

08. Juli 2021 · Lesedauer 4 min

Im Newsroom LIVE erklärt Klimaforscherin und Meteorologin Helga Kromp-Kolb, warum es zu immer extremeren Wetterbedingung kommt und dass man für den Klimaschutz nicht auf alles verzichten müsste, der Autoverkehr jedoch zurückgedrängt gehört.

"Natürlich hat es immer schon Wetterextreme gegeben", erklärt Helga Kromp-Kolb im Newsroom LIVE bei Fabian Kissler am Donnerstag, "die Frage ist nur wie extrem und wie häufig". 

Alle Modellberechnungen seien sich einig, dass wir mit mehr Hitze, längeren Hitzeperioden und daraus resultierend mit mehr Trockenheit rechnen müssten. Das sei für Menschen und Pflanzen schwerer zu verkraften. Dazu käme, dass es in der Nacht nicht abkühlt und das mache die Hitze für Menschen besonders schwer erträglich.

Eine wärmere Atmosphäre könne mehr Feuchtigkeit halten, was zu hefigeren Regenfällen führt. Wolken würden dadurch auch größere Höhen erreichen. Wenn es dort unter Null Grad habe, käme es zu Hagel. "Wenn die Energie in dem System sehr groß ist, kann das Hagelkorn auch sehr groß werden, weil sich immer mehr Schichten mit mehr Eis anlegen können." 

Mehr Hitze und längere Winter

Alle, überall auf der Welt, seien vom Klimawandel betroffen. "Die Temperatursteigerung ist in der Arktis besonders groß", erklärt die Forscherin. Der Rückgang des Eises in der Arktis bedeute, dass bei uns Perioden von Hitze und Niederschlag länger andauern. Es könnte auch zu längeren Wintern führen. "In verschiedenen Regionen der Welt wirkt sich der Klimawandel unterschiedlich aus. Es gibt aber keine Region in der der Klimawandel keine Rolle spielt."

"Ich muss nicht fliegen"

"Ich hätte mir gewünscht, jetzt nach Corona, dass nicht überall Werbung gemacht wird, dass man wieder in die alten Gewohnheiten zurück verfällt." Die Forscherin hofft, dass die Pandemie bei einigen Leuten ein Umdenken bewirkt hat. "Es gibt auch schöne Orte in Österreich, ich muss nicht wohin fliegen. Es wird aber allen eingeredet, dass sie jetzt schon ganz gierig sind, wegzufliegen. Das halte ich für problematisch." 

Ein größeres Problem als das Fliegen sei jedoch der Autoverkehr. "Insgesamt macht die Mobilität in Österreich ein Viertel der Treibhausgase aus. Das sei keineswegs vernachlässigbar", erklärt sie. Fliegende würden zwar mehr Emissionen verursachen, es würden aber weniger Menschen fliegen. 

Autoverkehr zurückdrängen

Zum Bau des Lobau-Tunnels und der dazugehörigen Autobahn befragt, sagte die Klimaforscherin, dass ihrer Meinung nach alle Großprojekte, deren Planung weit zurückläge neu überprüft gehören. Die Rahmenbedingungen hätten sich verändert. "Wir bauen Infrastrukturen, die zum Beispiel den Autoverkehr auf Jahre hinaus attraktiv machen, zu einer Zeit, in der wir den Autoverkehr eigentlich zurückdrängen müssen."

Ein Ansatz für Autofahrer wäre, einen Pkw zu benützen, wenn man ihn braucht, ihn jedoch nicht mehr zu besitzen. Am besten wären natürlich Elektroautos. Man müsse nicht auf alles verzichten. "Gewohnheitsveränderung ja, aber nicht Verzicht", empfiehlt Kromp-Kolb. Trotzdem rät sie dazu, mehr zu Fuß zu gehen oder Rad zu fahren. 

Wien: "Jetzt kommen die schweren Brocken"

"Die Stadt Wien hat sehr viel geleistet" beim Klimaschutz, stehe aber auch vor großen Hürden. "Was vergleichsweise leicht geht, ist erledigt und jetzt kommen die schweren Brocken." Dazu würde auch gehören, das Verkehrskonzept zu überprüfen und sich zu fragen, wie man beim fossilen Heizen aussteigen könnte. Wien habe den Vorteil einer aufgeschlossenen Bevölkerung, die bei vielen Sachen mitgehen würde. 

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam