Kachelmann zum Hochwasser in Deutschland: "Solche Dinge sind immer zu verhindern"

16. Juli 2021 · Lesedauer 3 min

Über hundert Menschen sind bei der Flutkatastrophe in Deutschland gestorben. Meteorologe Jörg Kachelmann sagt im PULS 24 Interview, dass vieles zu verhindern gewesen wäre. Er erklärt, was der Klimawandel mit Unwettern zu tun hat und warnt auch Österreich.

In Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen wurde am Freitag der militärische Katastrophenalarm ausgelöst, mehr als 100 Menschen kamen ums Leben, über 1.000 Menschen werden vermisst. Es sei furchtbar, was da passiert sei, sagt der Meteorologe Kachelmann, man hätte aber vieles davon verhindern können. "Es dauert Stunden, bis sich so eine Flut aufbaut". In dieser Zeit hätte man die Menschen aus seiner Sicht warnen können.

Solche Unwetter hätte es schon gegeben und sie wird es auch wieder geben, sagt Kachelmann. Es sei aber "nicht Gott gegeben", dass die Menschen zu diesem Zeitpunkt noch dort waren und "letztendlich zu Opfern werden". Die Regenfälle könne man nicht verhindern, aber die Behörden und die Medien hätten die Bevölkerung warnen können. Es hätte Warnungen des deutschen Wetterdienstes gegeben, es müsste nur "irgendjemand irgendetwas tun". Der Meteorologe und Autor wundert sich über die Überraschung der Behörden und sagt, dass man die Menschen evakuieren oder zumindest Gegenstände in höhere Stockwerke bringen hätte können. 

Wärmere Luft nimmt mehr Wasser auf

Ob die Flutkatastrophe nun durch den Klimawandel verursacht wurde, könne man so nicht genau sagen. Solche Wetterlagen hätte es immer gegeben. Aber: "Es gibt keinen Zweifel, dass es den Klimawandel gibt", sagt Kachelmann und wärmere Luft könne mehr Wasser aufnehmen. "In einer wärmeren Welt gibt es viel mehr Wasser, das ist die Problematik, die wir dem Klimawandel und uns selber zuschreiben müssen". 

Unwetter-Warnung für Österreich

Das Unwetter in Deutschland sei nun Richtung Österreich gezogen. Tirol, Salzburg und Oberösterreich werde es treffen. In der Nacht auf Sonntag dürfte es am schlimmsten sein, 200 Liter pro Quadratmeter seien möglich. "Alle sollten wach sein", warnt Kachelmann. Ob es in Österreich so schlimm werde wie in Deutschland, könne man nicht sagen. Das hänge auch von der Topografie oder der Bodenversiegelung ab. 

Bis zu 45 Grad in Wien

Generell müssten sich die Behörden auch angesichts neuer Temperaturrekorde überlegen, wie man Menschen schützen könne. Auch in Wien und in Österreich seien in Zukunft Temperaturen von 45 Grad und mehr möglich. Die Behörden sollten etwa überlegen, wo es Hallen gibt, die man kühlen kann. Vor allem ältere Menschen würden unter den Temperaturen leiden, weil es dann auch in der Nacht keine Erholung mehr gebe, so Kachelmann. 

Quelle: Redaktion / koa