Innerhalb von 14 Tagen zwei Fälle von Femizid
"Zwei Frauen wurden getötet. Von Männern. Zwei Frauenmorde. Femizide. Hinterbliebene und Angehörige stehen unter Schock, trauern, sind wütend", erklärten Justizministerin Anna Sporrer und Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner (beide SPÖ) am Mittwoch in einer gemeinsamen Aussendung. "Ihnen gilt nicht nur unser Mitgefühl, sondern es muss auch ihre Privatsphäre und besonders jene der Opfer gewahrt werden." Die beiden Politikerinnen plädierten für die rasche Umsetzung des Nationalen Aktionsplans gegen Gewalt an Frauen. Er sei "kein geduldiges Stück Papier". Die vereinbarten Maßnahmen der gesamten Bundesregierung würden keinen Aufschub dulden. "Als Bundesregierung sind wir die Verpflichtung eingegangen Frauen zu schützen, ihnen ein Leben frei von Gewalt zu ermöglichen. Durch Schutz und Prävention. Durch Männer- und Burschenarbeit. Durch das Einfordern von Verantwortung."
"Das Jahr beginnt mit einem frauenpolitischen Alarmruf, den die Bundesregierung bei ihrer heutigen Klausur dringend hören muss: Ein unterfinanzierter Nationaler Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen, wie ihn die Bundesregierung im Vorjahr vorgelegt hat, reicht nicht aus", kritisierte Meri Disoski, Frauensprecherin der Grünen. "Ich erwarte mir hier deutliche Nachbesserungen, damit wichtige Gewaltschutz- und Gewaltpräventionsmaßnahmen langfristig ausreichend finanziert sind. Wer hier kürzt, handelt fahrlässig und gefährdet Frauenleben."
Auch Klaudia Frieben, Vorsitzende des Österreichischen Frauenringes, zeigte sich entsetzt: "Zwei Femizide innerhalb von wenigen Tagen. Das neue Jahr beginnt mit einer schwarzen Woche für Frauen." Es wären junge Frauen gewesen, die sicher noch gerne gelebt hätten. Es waren Frauen, deren Angehörige nun mit dieser traurigen Tatsache leben müssen, wie so viele vor ihnen, so Frieben. "Gewalt gegen Frauen in jeder Form ist die größte Krise dieses Landes, hervorgerufen durch Männergewalt. Das sollte uns bewusst sein."
Rückgang der Zahlen laut BK
Laut Zahlen des Bundeskriminalamtes (BK) gab es im Zeitraum vom 1. Jänner bis 31. Dezember 2025 25 getötete Frauen. Im Vergleichszeitraum 2024 waren es 29 weibliche Opfer, was einen leichten Rückgang bedeutet. Die Polizei in Österreich setze auf Prävention, wurde betont. So wurden 2024 14.583 Betretungsverbote ausgesprochen, 12.534 Gefährder wurden zur Gewaltprävention vorgeladen und es wurden 193 sicherheitspolizeiliche Fallkonferenzen abgehalten.
16 Frauenmorde im Jahr 2025 waren mit Bezug zu Gewalt in der Privatsphäre. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 24 Fälle. Das entspreche einem Rückgang von über 30 Prozent, so das BK. Die Zahl der männlichen und weiblichen Tötungsopfer sei laut einer Analyse der FH Joanneum im Auftrag des Bundesverbandes der Gewaltschutzzentren seit den 1990er-Jahren annähernd gleich hoch. Frauen sind zu rund 66 Prozent Opfer von Tötungsdelikten im Haushalt oder im Kontext von Partnerschaft. Rund 66 Prozent der männlichen Opfer sterben durch Gewalt im öffentlichen Raum.
Zusammenfassung
- Innerhalb von nur 14 Tagen wurden in Österreich zwei Frauen Opfer eines Femizids, was landesweit für Bestürzung sorgt.
- Im Jahr 2025 wurden laut Bundeskriminalamt bisher 25 Frauen getötet, davon 16 im Zusammenhang mit Gewalt in der Privatsphäre, was einen Rückgang von über 30 Prozent gegenüber 2024 bedeutet.
- Politikerinnen und Expertinnen fordern angesichts der aktuellen Fälle die rasche und ausreichende Finanzierung sowie Umsetzung des Nationalen Aktionsplans gegen Gewalt an Frauen.
