APA - Austria Presse Agentur

Impfplan stockt: Impfwillige müssen warten

01. Juni 2021 · Lesedauer 8 min

Die Impfkampagne läuft nicht wie geplant. Der Erststich für alle Impfwillige verzögert sich. Im April versprach Bundeskanzler Sebastian Kurz, dass alle Impfwilligen bis Ende Juni geimpft sein werden. Dies geht sich nun nicht in allen Bundesländern aus.

Anfang April hat Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) versichert, dass alle impfwilligen Österreicher bis Ende Juni die Erstimpfung erhalten sollen. Das wird sich in den meisten Bundesländern nicht ausgehen, ergab ein Rundruf der APA. In Ober- und Niederösterreich sowie Vorarlberg sind die Impfungen bereits für alle Altersgruppen offen. Einzig Niederösterreich und Salzburg versichern, dass alle bereits angemeldeten Personen bis Ende Juni die erste Immunisierung erhalten sollen.

Dazu kommt, dass nun auch wieder mehr Zweitimpfungen fällig werden, womit weniger Impfstoff für Erstimpfungen bleibt. Dies war schon vorige Woche deutlich spürbar. Denn während seit Mitte Februar stets deutlich mehr Erstimpfungen durchgeführt wurden, hielten sich die Erst- und die Zweitimpfungen nun fast wieder die Waage. Von insgesamt fast 470.000 Impfungen waren vorige Woche gut 223.000 Zweitstiche.

Kurz und Mückstein erfreut über Impfbereitschaft

Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) und Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) freuten sich in einer gemeinsamen Aussendung am Dienstag über die steigende Impfbereitschaft und sahen darin den Grund, warum sich nicht alle Erstimpfungen bis Ende Juni ausgehen. "Bis Ende Juni werden wie geplant fünf Millionen Erstimpfungen durchgeführt", betonten sie. Infolge der Möglichkeit, auch Zwölf- bis 15-Jährige und Schwangere zu impfen, sowie der steigenden Impfbereitschaft rechnet die Bundesregierung nun mit über 500.000 Menschen mehr, die sich impfen lassen wollen. Für das zweite Quartal sei man noch von einer Impfbereitschaft von fünf Millionen Menschen ausgegangen. "Für die im Juli zusätzlich zu Impfenden ist ausreichend Impfstoff vorhanden. Jeder der will, wird also eine Impfung erhalten", bekräftigten Mückstein und Kurz nunmehr mit Blick auf Juli.

Opposition kritisiert "Wortbruch"

Die Opposition kritisierte unterdessen den "Wortbruch des Bundeskanzlers" und das "gebrochene Versprechen". Kurz selbst werde bis Ende Juni geimpft sein, "aber zahlreiche Menschen in ganz Österreich wurden wieder einmal enttäuscht", sagte SPÖ-Gesundheitssprecher Philip Kucher. "Von der Impfung aller über 65-Jährigen bis Ende April über die Impfung aller über 50-Jährigen bis Ende Mai bis hin zur Beschaffung zusätzlicher Impfdosen in Millionenhöhe - nichts davon gab es jemals. Wenn Sebastian Kurz etwas verspricht, gleicht das eher einer Drohung", meinte Kucher.

Auch NEOS zeigten sich "wenig überrascht", dass nicht jeder Impfwillige bis Ende Juni den Erststich erhalten wird. "Seit Beginn der Pandemie hat diese Bundesregierung ein Versprechen nach dem anderen gebrochen", konstatierte NEOS-Gesundheitssprecher Gerald Loacker und stellte die Frage, welches Versprechen als nächstes platzen wird. "Kanzler Kurz und Gesundheitsminister Mückstein müssen ihrer Verantwortung endlich nachkommen und wirklich halten, was sie versprechen", forderte Loacker.

Im Mai präsentierten Bundeskanzler Sebastian Kurz und Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein noch den weiteren Impfplan.

Deutlich weniger geimpft im Mai

Durchschnittlich haben die Bundesländer vorige Woche gut 35.000 Erstimpfungen pro Tag verabreicht (inklusive Johnson & Johnson). Das ist deutlich weniger als die im Mai bisher gezählten 40.000 bis 50.000 Erstimpfungen pro Tag. Sollte es in diesem, vergleichsweise langsamen, Tempo weitergehen, wäre bis Ende Juni nur etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung geimpft.

Ein Sprecher des Wiener Gesundheitsstadtrats Peter Hacker (SPÖ) betonte auf APA-Anfrage, dass nicht davon auszugehen sei, dass alle Personen, die dies möchten, mit Ende Juni den ersten Stich erhalten. Das liege auch daran, dass deren Zahl schwer abschätzbar sei, hieß es. Es gebe keine Kennzahl dazu, wie viele Menschen sich impfen lassen wollen. Ziehe man etwa die Anzahl der Vormerkungen in der Anmeldeplattform heran, verändere sich diese ständig. "Jeden Tag kommen 10.000 neue Vormerkungen dazu."

Das Ziel sei jedenfalls, mit Ende Juni bis zu 60 Prozent der Bevölkerung geimpft zu haben. Mitte Juli wird - je nach Verfügbarkeit der Vakzine - mit 70 Prozent gerechnet, 80 Prozent sollen es dann im Lauf des August sein. Da würde dann auch von den Kindern ab zwölf Jahren schon ein sehr großer Teil mit dabei sein, hieß es. Vorerst wird in Wien jedenfalls weiterhin priorisiert - also nach Alter bzw. nach Risiko- und Berufsgruppe. Eine sofortige Freigabe der Termine für alle sei derzeit nicht geplant. Wann es so weit sein werde, können man noch nicht sagen, betonte der Sprecher.

Rettungskommandant Gerry Foitik rechnet mit der Durchimpfung der Kinder und Jugendlichen ab 12 Jahren und sogar alle ab 6 Jahren bis zum Herbst. 

NÖ und Salzburg: Impfwillige bis Ende Juni geimpft

In Niederösterreich sollen nach Angaben von LHStv. Stephan Pernkopf (ÖVP) und Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) bis Ende Juni alle Personen, die sich für die Corona-Schutzimpfung angemeldet haben, den ersten Stich erhalten. Die Termine waren im Bundesland vom 10. Mai an für alle Menschen ab 16 Jahren verfügbar.

In Salzburg sollen bis Ende Juni all jene Impfwilligen den ersten Stich erhalten haben, die sich bis 26. Mai dazu angemeldet haben. Wer sich erst danach für die Impfung entschieden hat bzw. entscheiden wird, kommt dann ab Juli an die Reihe, sagte Gesundheitsreferent LHStv. Christian Stöckl. Da sich wohl auch danach immer wieder noch Menschen zur Immunisierung entschließen werden, sei ein abschließendes Datum nicht zu nennen. Ab morgen, 1. Juni, können sich alle Salzburgerinnen und Salzburger ab zwölf Jahren zur Impfung anmelden. Für den Sommer sind Schwerpunktaktionen für die Zwölf- bis 20-Jährigen geplant, um einen sicheren Start in den Herbst an den Schulen und Universitäten zu ermöglichen.

In Oberösterreich sind die Impfungen seit 29. Mai für alle offen, es gibt keine Priorisierungen mehr. Zurzeit gibt es Impfangebote bis zur Woche vom 19. bis 25. Juli. Mit diesem Angebot sollte der Bedarf an Impfterminen derzeit - für die Anmeldungen ab 29. Mai - abgedeckt sein, hieß es aus dem Krisenstab. Durch zusätzliche Impfstoff-Kontingente des Bundes könnte man das beschleunigen und ein möglichst hohes Tempo bei der Durchimpfung gewährleisten. "Die Säulen der oberösterreichischen Impfstruktur sind gut eingespielt und auf rund 180.000 Schutzimpfungen pro Woche ausgelegt. Sobald wir vom Bund ausreichend Impfstoff erhalten, können wir dieses Ziel auch erreichen", so LHStv Gesundheitslandesrätin Christine Haberlander (ÖVP).

Vorarlberg verschickte 40.000 Termine

In Vorarlberg wurde die Impfpriorisierung nach Alter, Risiko oder Berufsgruppen schon vor drei Wochen aufgehoben. An einem Wochenende wurden 40.000 Impftermine verschickt. Auch aktuell wird seitens des Landes betont: "Vorarlberg wird all jenen, die sich auf der Plattform registriert haben, bis Ende Juni eine Einladung für einen Impftermin geschickt haben." Von knapp 349.000 Impfberechtigten sind in Vorarlberg bisher knapp 173.000 Personen geimpft worden, über 71.000 davon sind vollimmunisiert. Am Montag lagen rund 233.000 Vormerkungen (inklusive der Geimpften) vor.

In der Steiermark sind in der vergangenen Woche rund 140.000 Impftermine für die erste Dosis an all jene vergeben worden, die bis vor einer Woche beim Land Steiermark angemeldet waren. Sie haben je nach Alter Termine bis zum 7. Juli erhalten. Diese Impfwilligen können ihre Termine im Notfall verschieben oder stornieren, falls sie schon wo anders eine Immunisierung erhalten haben. Die dadurch frei gewordenen Dosen werden dann je nach Alter an jene vergeben, die sich seit Dienstag vergangener Woche neu angemeldet haben oder sich erst in den kommenden Tagen oder Wochen anmelden. Eine völlig frei wählbare Buchung von Terminen wird erst dann möglich sein, wenn Vakzine nicht mehr in begrenzten Tranchen ankommen, sondern in ausreichender Menge lagernd seien, hieß es seitens des Landes Steiermark.

Burgenland geht es sich "eher nicht aus"

Im Burgenland werde es sich "eher nicht" ausgehen, dass bis Ende Juni alle Impfwilligen die erste Impfung erhalten haben, hieß es vonseiten des Koordinationsstabs Coronavirus. Dafür würden die vorhandenen Impfstoffmengen nicht ausreichen. Derzeit gehe man davon aus, dass bis Mitte Juli jeder, der vorgemerkt ist, auch geimpft werden kann. Die Termine werden laut Koordinationsstab kurz davor freigeschaltet. Eine Freischaltung für alle werde es bis dahin nicht geben.

In Kärnten kommen regelmäßig neue Anmeldungen auf der Impfplattform hinzu, sodass stets in etwa 50.000 Personen auf eine Impfung warten. "Es gibt nach wie vor mehr Impfwillige als Impfstoff", sagte Gerd Kurath vom Landespressedienst am Montag in einer Videokonferenz mit Journalisten. Eingeladen und geplant werde weiter von Woche zu Woche, da sich die Rahmenbedingungen ja immer wieder ändern. Dabei nimmt die Impfwilligkeit in der Bevölkerung stetig zu. Ging man zunächst von 40 bis 50 Prozent aus, liege man inzwischen bereits bei 60 Prozent, so Kurath.

Bei der Vergabe von Impfterminen wird in Kärnten nur mehr nach Alter gereiht. Wann jüngere Altersgruppen Termine bekommen oder wann alle Impfwilligen ihren ersten Stich erhalten haben werden, lasse sich nicht seriös beantworten, viele Parameter seien unklar. Außerdem: "Es sind jetzt sehr viele Zweitimpfungen zu machen, da müssen die Erstimpfungen leider warten."

Auch das Land Tirol wollte sich gegenüber der APA nicht genau festlegen, bis wann alle Impfwilligen ihre erste Dosis erhalten werden. Nachdem man bei den gelieferten Impfstoffmengen vom Bund abhängig sei, werde "von Woche zu Woche" geplant. "Ziel ist es, allen impfwilligen Personen ehestmöglich ein Impfangebot zu machen", hieß es. Seit Freitag sind im Bundesland außerdem die Impfungen für alle unter 50 Jahren freigeschaltet. Die Priorisierungen werden allerdings nicht zur Gänze aufgegeben. "Das Credo lautet weiterhin: Alt vor Jung, Personen mit hohem Risiko vor Personen mit geringem Risiko", sagte Gesundheitslandesrätin Annette Leja (ÖVP).

Quelle: Agenturen