Ibiza - Piraten, Promis und Party-Skandale

10. Mai 2022 · Lesedauer 7 min

Ibiza blickte bereits vor dem verhängnisvollen Strache-Treffen im Mai 2017 auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück. Heutzutage zieht die Baleareninsel nicht mehr Eroberer, Piraten und Händler an, sondern vor allem die Schönen, Reichen und Partywütigen.

Bevor Ibiza in Österreich zum Ausdruck für das größte politische Erdbeben der letzten Jahrzehnte wurde, galt die Insel vor allem als Ferien- und Partyparadies, auch wenn ihr Skandale (vor allem ausländischer Prominenter) nicht fremd waren. Bevor jedoch der Tourismus im 20. Jahrhundert Einzug hielt, war sie eine berüchtigte Pirateninsel, davor ein Handelshafen. Mehrmals in ihrer wechselvollen Geschichte mussten sich die Ibizenker - wie man die Bewohner Ibizas nennt - neu erfinden. Die einzigen Konstanten sind die fremden Besucher, die mal als Händler, mal als Eroberer und Piraten, heutzutage aber als Touristen kommen sowie das Salz, das seit der Antike abgebaut wird.

Ibiza - auf Katalanisch "Eivissa" - ist die drittgrößte Insel der Balearen (nach Mallorca und Menorca). Besiedelt ist sie mindestens seit der Bronzezeit zwischen 2.000 und 1.600 v. Chr. Davon zeugen frühe Megalit-Bauten auf Ibizas südlich gelegener Schwesterinsel Formentera. Wenig ist über diese Ureinwohner bekannt.

Den Duft oder einen Gott im Namen

Als gesichert gilt jedoch, dass es die Phönizier aus Karthago waren, die im 7. Jahrhundert v. Chr. als erste einen Hafen auf der Insel errichteten. Die Kolonie in der Hafenbucht der heutigen Inselhauptstadt nannten die Phönizier "Ebusim". Die Bedeutung des Namens - die erste Version des heutigen "Ibiza" bzw. "Eivissa" - ist nicht restlos geklärt. Er bedeutet entweder "Insel des Duftes" oder "dem Bes gewidmet". Bes war eine Gottheit, die ursprünglich aus dem Sudan stammt und sich über Ägypten und das Mittelmeer verbreitete. Er war ein nächtlicher Schutzgott, der auch als Gott der Launen und Lustbarkeiten verehrt wurde. Tanz und Musik waren wesentliche Bestandteile seines Kultes.

Nach der Niederlage der Karthager im Zweiten Punischen Krieg gerieten die Balearen unter römische Herrschaft. "Ebusus", wie Ibiza bei den Römern hieß, blieb ein wichtiger Handelshafen. Von den Römern stammt der Name der südlichen Schwesterinsel Formentera. Sie nannten sie "Frumentera", "die Weizenreiche". Auf der Insel wurde Blei abgebaut, der wichtigste Wirtschaftszweig war aber die Salzgewinnung. Die Salzbecken prägen noch heute das Stadtbild der gleichnamigen Inselhauptstadt Ibizas. In die flachen Becken neben dem heutigen Flughafen wird Meerwasser geleitet. Durch die Hitze verdunstet das Wasser, das Salz bleibt zurück. Die Salzbecken waren bis ins 19. Jahrhundert Gemeineigentum und jeder Inselbewohner war verpflichtet, zu deren Bewirtschaftung beizutragen.

Neue Eroberer

Nach dem Zerfall des Römischen Reiches wurden die Balearen von den Vandalen heimgesucht, die in Nordafrika ein Reich errichteten, bevor die Inselgruppe im 9. Jahrhundert n. Chr. von den muslimischen Mauren erobert wurde. Sie nannten die Insel nun "Yabisa", was soviel wie "die Trockene" bedeutet. Von den strategisch gelegenen Balearen aus unternahmen nun immer häufiger muslimische Korsaren Piratenzüge im östlichen Mittelmeer. Ab dem Jahr 1229 wurden die Baleareninseln deshalb nacheinander vom katalanischen Königreich Aragon erobert, das bald zur Seemacht im östlichen Mittelmeer aufstieg. Ibiza erlebte eine neue Blüte und wurde schließlich Teil Spaniens.

Ein Blick auf den Hafen der Inselhauptstadt die den selben Namen wie die Insel trägt.

Die Blüte der Piraterie

Mit der Entdeckung Amerikas verlor der Mittelmeerhandel an Bedeutung. Die großteils ungeschützten Inseln wurden Opfer von nordafrikanischen Korsaren, die Menschen entführten, um sie als Sklaven zu verkaufen. Die Inseln wurden regelrecht entvölkert, Formentera wurde zwischenzeitlich komplett aufgegeben. Aus dieser Zeit stammt dem Vernehmen nach der Stil der typischen ibizekischen Finca mit ihren dicken Mauern und würfelartigen Bauweise. Diese soll später viele Architekten des 20. Jahrhunderts wie Walter Gropius und Le Corbusier inspiriert haben.

Die Ibizenker gingen schließlich in die Offensive und wandten sich selbst der Piraterie zu. Bis ins 19. Jahrhundert machten die Insel-Bewohner ihrerseits die nordafrikanischen Piratenküsten unsicher. Auch zahlreiche französische und britische Schiffe überfielen sie. Erst 1830 endete die Piraterie im Mittelmeer mit der Eroberung der algerischen Küste durch Frankreich.

Die Geburt des Tourismus

Erneut mussten sich die Ibizenker neu erfinden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kamen britische Besucher als erste Urlauber auf die Insel. Der aufkommende Tourismus wurde durch den Spanischen Bürgerkrieg und den Zweiten Weltkrieg zunächst wieder abgewürgt. In den 1960er Jahren erweckten ihn dann die ersten Hippies und Aussteiger wieder zum Leben. Sie begründeten die alternative Kultur auf Ibiza. In den 1970er Jahren folgten vor allem auch viele Reiche und Prominente, die auf der Insel nacheinander ihre Villen bauten.

Während die größeren Baleareninseln zunehmend auf Massentourismus setzten, war Ibiza vor allem Anzugspunkt für immer exklusivere Urlaubsgäste. Vor der Küste ankern heute die Superjachten beinahe Bug an Bug. Der Flughafen der Insel war zwischenzeitlich so überlastet von den unzähligen Privatjets, dass jeder Maschine nur noch drei Stunden Aufenthalt zugestanden wurde.

Touristen beobachten den Sonnennutergang in San Antonio de Portmany auf Ibiza.

Die Superreichen und ihre Skandälchen

Auch Hollywood- und Musik-Superstars zieht es aufs Eiland. Die spanische Ausgabe des "Harper's Bazaar" soll einmal errechnet haben, dass Ibiza auf die höchste Dichte an Prominenten pro Quadratkilometer kommt. Das zieht jedes Jahr auch Millionen anderer Besucher an, die versuchen, einen Blick auf die Promis und wohl auch auf deren Skandälchen zu erhaschen. Die Insel ist reich an Anekdoten über Skandale, Drogen und darin verwickelte Promis.

So sollen etwa Schauspieler Orlando Bloom und Popstar Justin Bieber in einem Club auf der Insel aneinander geraten sein und sich fast geprügelt haben. Auslöser war offenbar Miranda Kerr, von der Bloom sich kurz zuvor getrennt hatte und die daraufhin mit Bieber gesehen wurde.

Andere flüchten eher vor ihren Skandalen auf dem Festland in ihre abgeschirmten Inselvillen. So etwa "Pocholo" Martinez-Bordiu, der 18. Baron von Gotor, ein katalanischer Adeliger, exzentrischer Promi und in Spanien wohlbekannter Reality-TV-Star der Nuller- und Zehnerjahre. Er tauschte einen angesehenen Finanzjob gegen das Partyleben und schmiss auf Ibiza exklusive Partys. Nur knapp zwei Monate vor Straches folgenreichem Treffen sorgte Pocholo für seinen letzten Skandal: Eine seiner Luxuswohnungen in Barcelona war für Prostitution genutzt worden.

In Großbritannien wiederum sorgte eine Ibiza-Villa für einen adeligen Skandal: Der Onkel von Herzogin Kate, Gary Goldsmith, soll in seiner Villa auf Ibiza, die er "Villa de Bang Bang" nennt, Journalisten Drogen angeboten haben.

Die Schattenseiten und die Party

Der Luxustourismus hat auch eine Schattenseite. Die Immobilienpreise klettern durch die zahlungskräftigen Besucher in immer schwindelerregende Höhen. Viele Arbeitskräfte von außerhalb können sich die horrenden Mieten nicht leisten und nicht jeden Tag zur Insel pendeln. Daher schlafen sie oft in ihren Autos oder im Sommer auf Balkonen.

Im Gegensatz zu den Arbeitskräften stammen die Besitzer der Luxushotels und -Immobilien alle von Ibiza. Die Mitglieder der Matutes-Dynastie sind die heimlichen Herrscher über das Nachtleben der Insel. Ihnen gehören die meisten Clubs und Luxushotels, rund ein Zehntel der Insel ist in Familienbesitz. Der Begründer der Dynastie, Abel Matutes, ist seit 1997, anlässlich eines Staatsbesuchs von Thomas Klestil in Spanien, auch Träger des Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich. Die zweite große Club- und Hoteldynastie der Insel sind die Urgells.

Die heutigen Bes-Kulte

Trotz all dem Luxus hat sich Ibiza immer den Hauch des Alternativen bewahrt. Die Althippies und nächtlichen Goa-Partys bei Vollmond gibt es immer noch, auch wenn das Leben auf Ibiza immer teurer wird. Diese Kombination aus alternativen Subkulturen und finanzstarken Luxusgästen führte in den 1990ern zur Geburt der nach wie vor legendären Clubbing- und Partyszene auf der Insel. "We're Going to Ibiza" von den Vengaboys, das im Sommer 2019 erneut zum Sommerhit wurde, besingt die Partyszene. Aber es ist nicht der einzige Sommerhit mit Ibiza-Bezug: Das Musikvideo zum Sommerhit "Lambada" von 1989 wurde ebenfalls auf Ibiza gedreht.

Auf Ibiza ist nicht umsonst mit dem "Privilege" die größte Diskothek der Welt beheimatet. Sie gehört wie auch der berühmteste Club der Insel, das "Ushaia", der Matutes-Dynastie. Zu den Ibiza-Clans hielt Österreichs berühmtester Ibiza-Partytourist Strache übrigens Äquidistanz. Glaubt man der heimischen Boulevardpresse, feierte Strache sowohl im "Ushaia" - etwa am Tag nach dem Treffen im Mai 2017 - als auch im nicht minder exklusiven "Pacha", das den Urgell gehört. Die Clubs beider Dynastien sind Pflichtstation für zahlreiche Star-DJs wie David Guetta oder Steve Aoki.

Wie beim Kult des Gottes Bes, der der Insel einst den Namen gab, geht es dort auch heute wieder um Tanz und Musik, inzwischen fast rund um die Uhr.

#ZurückZumEnde am 17. Mai, 20.15 Uhr auf PULS 24

Stephan HoferQuelle: Redaktion / hos