APA - Austria Presse Agentur

Hagel, Überschwemmungen, Muren: Verletzte nach Unwettern

16. Aug 2021 · Lesedauer 6 min

Muren gingen in Tirol und Salzburg ab, Krimml in Salzburg wurde von der Außenwelt abgeschnitten, eine weitere Mure erfasste einen Reisebus, Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Heftige Unwetter mit 86.000 Blitzen sorgten in Österreich für hunderte Einsätze.

Heftige Gewitter haben beginnend mit Montagabend erneut in vielen Regionen Österreichs Schäden angerichtet. Stark betroffen war neben Teilen von Ober- und Niederösterreich sowie Tirol und der Steiermark das Bundesland Salzburg. Vor allem im Pinzgau und Pongau gab es Murenabgänge und Überflutungen, mehr als 100 Personen wurden in Sicherheit gebracht.

Am Dienstag waren einige Straßen in der Früh noch gesperrt. Der Zivilschutzalarm für den St. Johanner Ortsteil Reinbachsiedlung war indes aufgehoben. Das Ausmaß der schweren Schäden wird nun bei Erkundungsflügen begutachtet. Rund 500 Einsätze von 52 Feuerwehren mit rund 1.400 Feuerwehrleuten wurden absolviert.

Zahlreiche Murenabgänge in Salzburg

Alleine in St. Johann gab es rund 140 Schadensstellen. Bürgermeister Günther Mitterer ersuchte die Bewohner der Reinbachsiedlung, in den oberen Stockwerken zu bleiben und Keller nicht zu betreten, nachdem der Reinbach über die Ufer getreten war und auch mehrere Muren abgegangen waren. Einsatzleiter Marcel Pfisterer erklärte gegenüber dem ORF, dass die Einsatzkräfte insgesamt 90 Personen vor den Wassermassen retten konnten. "In unserer Leichenhalle sind bei einer Trauerveranstaltung etwa 30 Personen von den Wassermassen eingeschlossen worden. So ein Einsatz ist niemals ohne - aber das geht nicht ohne Risiko für die Feuerwehr."

In St. Johann-Alpendorf ging eine Mure auf die Großarler Landesstraße (L109) ab, und zwischen Schwarzach und Lend verlegte eine Mure die Pinzgauer Straße (B311). In Wagrain und Altenmarkt kam es ebenfalls zu Überflutungen. In Flachau wurde die Abfahrt von der Tauernautobahn (A10) wegen einer Mure gesperrt.

Mure riss Bus in Bach

In Dienten im Pinzgau riss eine Mure einen Linienbus in den Dientenbach, die zwei Insassen konnten gerettet werden. Während der Rettungsaktion bemerkten die Helfer, dass noch ein Pkw im Bach lag.

Laut Polizei konnte sich die 21-jährige Autofahrerin selbst befreien und ans Ufer retten. Alle drei Personen wurden bei den Unfällen in Dienten verletzt, eine davon schwer. Zudem saß eine deutsche Urlauberfamilie zwischen zwei Muren in ihrem Auto fest, sie konnte von den Einsatzkräfte in Sicherheit gebracht werden. Die Dientner Landesstraße war vorerst zwischen Lend und Dienten gesperrt.

Unwetter: 86.000 Blitze in ganz Österreich

Auch im Pongau waren mehr als 80 Personen in ihren Fahrzeugen eingeschlossen. Auf der B163 zwischen St. Johann und Wagrain gingen zwei Muren ab. Die 83 Autoinsassen, darunter auch Kleinkinder, wurden von Einsatzkräften in Sicherheit gebracht und im Kongresszentrum St. Johann versorgt. Ein Fahrzeug war von der Mure mitgerissen worden. Die drei Insassen konnten sich unverletzt retten, informierte die Landespolizeidirektion Salzburg. Ein Großaufgebot an Feuerwehrleuten, Wasserrettern, Helfern des Roten Kreuzes, Bergrettern und Polizisten beteiligte sich an den Personenbergungen. Die rund 80 Ersthelfer konnten bis 22.00 Uhr die Evakuierungen abschließen, niemand wurde dabei verletzt. Die B163 blieb vorerst gesperrt.

Der Bahnhof Krimml, der sich auf dem Gemeindegebiet von Wald im Pinzgau befindet, wurde vorsorglich evakuiert. Die Gemeinde Krimml war von der Außenwelt abgeschnitten, nachdem Muren auf die Landesstraße (L113) und die Gerlos-Bundesstraße (B165) abgegangen waren. Das Obersulzbachtal in Neukirchen am Großvenediger wurde für den gesamten Fahrzeugverkehr und auch für Fußgänger gesperrt.

In Mittersill musste die Hubbrücke an der Salzach angehoben werden, um Verklausungen zu verhindern. Der Pegelstand lag um 22.00 Uhr bei 5,19 Meter, das bedeutete Alarmstufe zwei laut dem Hydrographischen Dienst des Landes Salzburg. Im Laufe der Nacht wurde mit einem Pegelstand von rund 5,50 gerechnet. Die Lage werde sich am Dienstag mit Abklingen der Regenfälle vermutlich entspannen, hieß es.

"Wir werden am Dienstagmorgen sofort, wenn das Wetter es zulässt, Erkundungsflüge machen, um uns einen Überblick über die Lage in den Tälern zu machen", sagte der Pongauer Bezirkshauptmann Harald Wimmer. Dabei werden die Sperren von Wildbachverbauungen begutachtet, wie sehr sie angefüllt wurden. "Und dann werden wir viele Sofortmaßnahmen brauchen, um für eventuelle weitere Regenfälle wieder bestmöglich gerüstet zu sein."

Stromausfälle im Pongau und Flachgau

Die Feuerwehren hatten auch in anderen Salzburger Gemeinden wegen der Schäden nach dem Unwetter alle Hände voll zu tun. Auch Keller mussten ausgepumpt werden. Straßen wurden überflutet oder waren wegen umgestürzten Bäumen vorübergehend nicht mehr passierbar wie in Mittersill im Pinzgau. Der Bezirkshauptmann des Pinzgaus, Bernhard Gratz, bedankte sich wie sein Kollege aus dem Pongau bei den Einsatzkräften für ihre Hilfe.

Wie der heimische Energieversorger Salzburg AG informierte, kam es wegen des heftigen Gewitters gegen 18.00 Uhr zu Stromausfällen im Pongau und im Flachgau. Betroffen davon waren rund 600 Haushalte in Teilen von Mühlbach, St. Johann und Wagrain im Pongau sowie von Strobl im Flachgau.

Starkregen auch in Oberösterreich und Steiermark

Starkregen zog am Montagabend auch eine Schneise durch Oberösterreich, von Gmunden am Traunsee bis Wolfern im Bezirk Steyr-Land. 1.500 Mitglieder von 100 Feuerwehren wurden zu über 500 Einsätzen gerufen. Überflutete Straßen, vollgelaufene Keller, Wasser im Wohnraum und aufgeschwommene Kanaldeckel waren die Alarmierungsgründe vor allem in den Bezirken Gmunden, Kirchdorf und Steyr-Land.

In der Steiermark zogen Gewitter vom obersteirischen Bezirk Liezen bis in die Oststeiermark und brachten Sturmböen, Starkregen und Hagel, vor allem im Raum Schladming. Keller waren überflutet und Tiefgaragen mussten ausgepumpt werden. Pkw blieben in überschwemmten Straßenunterführungen stecken. In Mandling im Bundesland Salzburg, gleich westlich von Schladming, wurde die Ennstal Bundesstraße (B320) von mehreren Muren und einem über die Ufer getretenen Bach verlegt.

Hunderte geflutete Keller in Niederösterreich

420 Feuerwehreinsätze wurden am Montagabend und in der Nacht auf Dienstag in Niederösterreich gezählt. Mehr als 200 überflutete Keller mussten ebenso ausgepumpt werden wie mehrere Straßenunterführungen. 150 Bäume waren in Strom- und Telefonleitungen gestürzt. Knapp 2.000 Helfer von 180 Feuerwehren rückten aus. Am stärksten betroffen waren die Bezirke Amstetten, St. Pölten, Melk, Tulln, Baden und Mödling. Bei Aufräumarbeiten in Guntramsdorf stürzte eine Person und verletzte sich so schwer, dass sie ins Krankenhaus gebracht werden musste.

Allein im Bezirk Tulln waren 680 Feuerwehrleute aufgeboten. Das Bezirkskommando meldete 152 Einsätze, nachdem es am Montagabend bis zu 70 Liter pro Quadratmeter geregnet hatte.

140 Einsätze in Tirol

Auch Teile Tirols waren von schweren Gewittern und vereinzelt Hagel betroffen, die Feuerwehr verzeichnete von Montagnachmittag bis -abend rund 200 Einsätze. Kleinere bis mittlere Muren gingen auf Straßen ab, lokal standen Garagen und Keller unter Wasser. Der Schwerpunkt lag im östlichen Mittelgebirge bzw. Bezirk Innsbruck-Land sowie im Raum Landeck und Paznauntal. Im Zillertaler Stummerberg setzte ein Blitzeinschlag zwei Wochenendhäuser in Vollbrand.

Quelle: Redaktion / koa