APA - Austria Presse Agentur

Großbritannien: Jeder zweite Corona-Patient erst im Spital positiv getestet

27. Juli 2021 · Lesedauer 4 min

In Großbritannien soll jeder zweite Patient erst nach seiner Aufnahme ins Krankenhaus positiv auf das Coronavirus getestet worden sein. Das sollen Daten aus staatlichen Gesundheitssystems NHS ergeben haben. Experten fürchten dadurch verzerrte Zahlen. Generell scheinen die Neuinfektionen zu sinken.

Mehr als jeder zweite Corona-Spitalspatient in Großbritannien wird nicht mit einem positiven Corona-Bescheid eingeliefert, sondern erst nach der Aufnahme positiv auf das Virus getestet. Das sollen Daten aus dem staatlichen Gesundheitssystems NHS ergeben, die der "Telegraph" ausgewertet hat. Demnach würden viele Patienten als Corona-Hospitalisierungen kategorisiert werden, die aber eigentlich wegen anderer Erkrankungen im Spital landen, meinen manche Experten.

Großteil erst nach Aufnahme positiv

Laut den Daten seien 44 Prozent der Corona-Patienten, schon vor ihrer Aufnahme im Krankenhaus positive auf das Virus getestet worden. Der Großteil der Infizierten würde jedoch erst nach der Aufnahme bei einem Routinetest festgestellt werden.

Carl Heneghan, Professor an der Universität Oxford, fordert die britische Regierung laut "Telegraph" auf, klare Daten zur den Corona-Fällen zu veröffentlichen. Er fordere vor allem genaue Angaben zu den Patienten in den Krankenhäusern. Es solle Klarheit darüber geschaffen werden, ob eine Erkrankung mit Corona der Hauptgrund für die Aufnahme der Patienten sei.

PULS 24 Großbritannien-Korrespondentin Alina Nahler berichtet über die Corona-Situation in Großbritannien.

Ministerium soll Klarheit schaffen

"Wenn Krankenhauseinweisungen aufgrund von Covid ein wichtiger Faktor dafür sind, wie besorgt wir sein sollten und wie schnell die Corona-Beschränkungen aufgehoben werden sollten, ist es wichtig, dass die Daten nicht so präsentiert werden, dass sie zu falschen Schlussfolgerungen führen könnten", wird der Vorsitzende des Wissenschafts- und Technologieausschusses des britischen Unterhauses, Greg Clark, vom "Telegraph" zitiert. Er soll ein Schreiben an den Gesundheitsminister Sajid Javid angekündigt haben, in dem er um Klarstellung bitten will.

Das britische Gesundheitsministerium sagt dazut: "Viele Patienten werden wegen ihrer Covid-Symptome und -Komplikationen ins Krankenhaus eingeliefert, die dann mit einem Covid-Test nach der Aufnahme bestätigt werden, bei anderen können sie zunächst präsymptomatisch oder asymptomatisch sein."

UK-Korrespondentin Alina Nahler spricht über das Ende der Schutzmaßnahmen am "Freedom-Day".

Vorsicht trotz rückläufige Neuinfektionen

In Großbritannien hat sich die Delta-Variante stark ausgebreitet. Trotz steigender Infektionszahlen wurden im Königreich alle Schutzmaßnahmen aufgehoben. Nun scheinen sich die Neuinfektionen wieder zu verringern. Seit sechs Tagen in Folge sind diese rückläufig und das ohne Lockdown. Am 25. Juli wurden in Großbritannien 29.173 positive Fälle registriert, einen Tag später waren es noch 24.950.

Doch Experten mahnen weiterhin zur Vorsicht und auch ein Sprecher von Premierminister Boris Johnson betonte, dass man in Großbritannien "noch nicht über den Berg" sei, wie es im "Kurier" heißt. Das Ausmaß der Zeit nach dem "Freedom-Day", also der Tag, ab dem alles Maßnahmen aufgehoben wurden, sei noch nicht statistisch voll erfasst.

Ein möglicher Grund für die sinkenden Neuinfektionen sei laut Experten das heiße Wetter, die Schulferien und das Ende der EM, die vor allem bei Männern einen Anstieg der Infektionen brachte. Diese würden zu weniger Testungen führen.

Zahl der Toten auf Tageshoch seit März

Trotz sinkender Neuinfektionen, ist die Zahl der Corona-Toten jedoch auf den höchsten Tageswert seit mehr als vier Monaten gestiegen. Am Dienstag meldeten die Behörden den Tod von 131 Menschen, das waren so viele wie seit dem 17. März nicht. Damals starben 141 Menschen innerhalb von vier Wochen nach einer Corona-Infektion. In den vergangenen sieben Tagen gab es landesweit 480 Corona-Tote, 40 Prozent mehr als in der Vorwoche.

"Dies liegt unter anderem an der hohen Fallzahl, die in den vergangenen Wochen registriert wurde", sagte die medizinische Direktorin der Gesundheitsbehörde Public Health England, Yvonne Doyle. "Wir wissen, dass Todesfälle folgen, wenn es eine hohe Anzahl von Neuinfektionen gibt, und die Daten von heute zeigen, dass wir uns immer noch in der dritten Welle befinden."

Angela PerkonigQuelle: Agenturen / Redaktion / pea