Gletschereis wird in der Antarktis archiviert
Die insgesamt 1,7 Tonnen Eis wurden an Bord des italienischen Forschungsschiffs "Laura Bassi" transportiert. Die über 50-tägige Reise begann in Triest und führte durch das Mittelmeer, den Atlantik, den Pazifik und den Südlichen Ozean zur italienischen Antarktis-Station Mario Zucchelli. Während des gesamten Transports wurde eine konstante Temperatur von minus 20 Grad sichergestellt. Von dort wurden die Proben mit einem speziellen Flugzeug ohne Heizung im Frachtraum zur 3.200 Meter hoch gelegenen französisch-italienischen Station Concordia geflogen.
Hintergrund des Projekts ist der weltweite Gletscherschwund. Durch das Schmelzen gehen laut der Stiftung unwiederbringliche wissenschaftliche Informationen über Jahrhunderte und Jahrtausende verloren. In den Eisschichten sind Gase, Aerosole, Schadstoffe und Staub der Vergangenheit eingeschlossen. Die Analyse von Eisbohrkernen liefert wichtige Daten für die Klimaforschung, die unter anderem in die Berichte des Weltklimarats (IPCC) einfliessen. Die Stiftung will die Proben für künftige Forschende aufbewahren, die dereinst über fortschrittlichere Analysetechnologien verfügen könnten.
Das Archiv ist eine Eishöhle, die rund neun Meter unter der Oberfläche in den Schnee gegraben wurde. Sie ist 35 Meter lang und je fünf Meter hoch und breit. Die Stabilität wird durch die natürlich konstante Temperatur von rund minus 52 Grad Celsius gewährleistet. Für den Bau waren laut der Stiftung weder Baumaterialien noch eine mechanische Kühlung notwendig. Finanziert wurde der Bau von der Stiftung des monegassischen Fürsten Albert II.
Dutzende weitere Bohrkerne
In den kommenden Jahren sollen Dutzende weitere Eisbohrkerne aus anderen Weltregionen wie den Anden, dem Pamir-Gebirge oder dem Kaukasus in der Antarktis eingelagert werden. Geplant ist zudem der Aufbau einer internationalen Verwaltung für das Archiv. Diese soll sicherstellen, dass die Proben als gemeinsames Erbe der Menschheit erhalten bleiben. Der Zugang soll transparent und ausschließlich nach wissenschaftlichen Kriterien geregelt werden.
"Damit diese Eisbohrkerne auch in hundert Jahren noch der Wissenschaft dienen können, müssen sie als globales Gemeingut verwaltet werden", liess sich der emeritierte Klimaforscher der Universität Bern Thomas Stocker in der Mitteilung zitieren. Stocker ist Vorsitzender der Stiftung.
Die Initiative wurde 2015 von Forschungsinstituten aus Frankreich, Italien und der Schweiz lanciert. Beteiligt sind das Schweizer Paul Scherrer Institut (PSI) in Villigen, die französische Forschungsorganisation CNRS und das französische Forschungsinstitut für nachhaltige Entwicklung IRD, die Universität Grenoble-Alpes, der italienischen Nationale Forschungsrat (CNR) und die Universität Ca' Foscari in Venedig.
Zusammenfassung
- In der Antarktis wurde ein neues Eisarchiv eröffnet, in dem erstmals 1,7 Tonnen Eisbohrkerne vom Grand Combin in der Schweiz und vom Mont Blanc in Frankreich eingelagert wurden.
- Die Proben wurden über eine mehr als 50-tägige Reise mit Schiff und Flugzeug zur 3.200 Meter hoch gelegenen Station Concordia gebracht und lagern dort bei konstanten minus 52 Grad Celsius in einer neun Meter tiefen Eishöhle.
- Das von der Stiftung Fürst Albert II. finanzierte Archiv soll künftig Dutzende weitere Bohrkerne aus aller Welt aufnehmen und als globales wissenschaftliches Gemeingut verwaltet werden.
