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Gesundheitsverbund übt nach "Gefährdungsanzeigen" Aufklärung

29. Aug. 2022 · Lesedauer 3 min

Nach mehreren "Gefährdungsanzeigen" durch Wiener Klinken hat der Wiener Gesundheitsverbund am Montag zu einem Hintergrundgespräch geladen. Nicht zuletzt auch, um festzustellen, dass die "Gesundheitsversorgung nicht leidet", wie dessen Generaldirektorin Evelyn Kölldorfer-Leitgeb unterstrich. Rund 50-mal jährlich gibt es solche "Anzeigen". "Es geht hier um die rechtliche Absicherung des Personals", ergänzte younion-Gewerkschafter Edgar Martin.

Oft - und so auch in Favoriten und zuletzt in Ottakring - ist es der Personalmangel, der hinter einer solchen Anzeige steht. "Dieses Instrument wurde im Jahr 2000 eingeführt, seither kam es immer wieder zu derartigen Meldung", sagte der stellvertretende Vorsitzende der Hauptgruppe II, die rund 30.000 Mitglieder im Wiener Gesundheitsverbund vertritt. Eine Gefährdungsanzeige soll keine Sammlung bereits eingetretener Schäden sein, so Martin, denn "was wir nicht wollen ist, das Patienten zu Schaden kommen" - es handle sich hier um eine präventive Maßnahme.

Was den aktuellen Fall in Ottakring betrifft, der am vergangenen Freitag durch die "Kronen Zeitung" publik gemacht wurde - Mitarbeiter der Unfallchirurgie hatten die Gefährdungsanzeige verfasst - so sagte Kölldorfer-Leitgeb dazu, es sei richtig, dass "wir in der Klinik Ottakring eine Station, jedoch nicht eine Abteilung, gesperrt haben". Wiederholt sei berichtet worden, dass die Unfallchirurgie aufgrund des Personalmangels gesperrt sie, jedoch besteht diese aus drei Stationen, nachdem eine gesperrt ist, sind beiden anderen sowie die Ambulanzen sind weiterhin wie gewohnt in Betrieb, hieß es vom Gesundheitsverbund.

Dies sei geschehen, "um die Pflege auf andere Bereiche zu konzentrieren". Und nicht zuletzt bedeute eine Anzahl an gesperrten Betten in einer Klinik nicht, dass insgesamt keine Betten mehr zu belegen sind, erklärte die Generaldirektorin. "Es gibt Momente, bei denen es aufgrund sinkender Personalressourcen sofortige Maßnahmen braucht", ergänzte Gewerkschafter Martin - es mache keinen Sinn bei fehlendem Personal die Bettenzahl aufrecht zu erhalten.

Ursächlich habe man sich an die Presse gewandt, da es aus Sicht des Gesundheitsverbands aufgrund der Berichterstattung der vergangenen Tage Aufklärungsbedarf gebe. Kölldorfer-Leitgeb unterstrich hier, dass Gefährdungsanzeigen deswegen geschrieben würden, um Gefährdungen vorzubeugen: "Es gibt einen klaren Prozess", dieser sei klar definiert und funktioniere auch. "Und wenn ein Haus sagt, es kommt nicht alleine zu recht, dann greift der Gesundheitsverbund als übergeordnete Stelle ein".

Übergeordneter Auslöser hinter allem ist der Fachkräftemangel, den gebe es nicht nur in Wien, sondern in ganz Österreich, in ganz Europa. Beim Wiener Gesundheitsverbund äußert sich dieser folgendermaßen: Von 28.150 Stellen sind aktuell 1.830 nicht besetzt. Das sind rund sieben Prozent, was nicht wirklich schlecht sei, sagte die Generaldirektorin. "In der Praxis ist es so, dass sich das Fehlen auf einzelne Abteilungen und Stationen konzentriert. Also checken wir, wo Fluktuation vorkommt und warum", sagte Kölldorfer-Leitgeb, dies geschehe etwa im Bereich der Unfallchirurgie, wo man versuche, die Arbeitsbedingungen und Betriebsklima zu analysieren. Die Coronapandemie hat ihren negativen Beitrag in den vergangenen zwei Jahren geleistet und die Fluktuation noch erhöht - am größten Sektor, der Pflege, waren auch die Auswirkungen am deutlichsten.

"Wir haben uns als Unternehmensspitze geeinigt, dass wir die interne Mobilität fördern wollen", so wurde eine interne Jobbörse gebildet, "wo man konkret auf Leute zugeht, die bereits gekündigt haben", um sie so eventuell an anderer Stelle wieder zu gewinnen. Und als eine Antwort auf die demografische Entwicklung habe man bei der größte Berufsgruppe "Pflege" bereits vor einigen Jahren die Ausbildungsplätze massiv aufgestockt, dies werde sich bis 2024 massiv auswirken, nachdem bis dahin gemeinsam mit dem FSW und dem FH Campus die Anzahl der Ausbildungsplätze im Bereich Bachelor, Pflegeassistenz und Pflegefachassistenz) bis dahin auf über 4.100 erhöht wird, aktuell sind es noch 2.390.

Quelle: Agenturen