APA - Austria Presse Agentur

Gesundheitsökonom: "Corona-Skeptiker verwirken ihr Recht auf einen Intensivplatz"

19. Nov 2020 · Lesedauer 2 min

Der Schweizer Gesundheitsökonom Willy Oggier sorgt mit einer radikalen Sicht für Aufsehen.

"Ich schlage vor, dass Corona-Skeptiker ihr Recht auf ein Akutbett oder einen Intensivplatz verwirken, falls es zu Engpässen kommt." Mit diesem Satz in der "Basler Zeitung" spaltet derzeit der Schweizer Gesundheitsökonom Willy Oggier die Meinungen in der Schweiz – und darüber hinaus. Oggier ist der Meinung, dass Menschen, die "die Abstands- und Hygieneregeln mutwillig" missachten auch die Verantwortung für ihr Handeln tragen. "Ich schlage vor, dass diese Personen namentlich erfasst werden und im Zweifelsfall kein Intensivbett erhalten. Ganz nach dem Verursacherprinzip", wird er von der Zeitung zitiert. Auf den Hinweis, dass das eher nach China als der Schweiz klingt, antwortet er: "Ich spreche lediglich von den Engpass-Situationen. Stossen die Spitäler an ihre Grenzen, kommen die Mediziner nicht darum herum, zu entscheiden, wem sie das letzte Bett geben. Ich finde es fairer, wenn der selbsternannte Corona-Rebell das Nachsehen hat, als wenn es einfach den ältesten Patienten im Raum trifft."

Lob für Österreich und den Kanzler

Während in Österreich ein harter Lockdown gilt, sind die Maßnahmen in der Schweiz, trotz Empfehlung der dortigen Science-Taskforce, noch kraftlos. Das führt derzeit zum Problem, dass die Intensivbetten knapp werden und die Bestatter überlastet sind – es wird sogar überlegt, Eishallen zu temporären Leichenhallen umzufunktionieren.

Das österreichische Modell hält Oggier für sinnvoller. "Diese Krisensituation erfordert eine rasche und entschiedene Reaktion. Lockern kann man danach immer noch. Eine Überbelegung der Spitäler hingegen lässt sich nachträglich nicht mehr korrigieren. Die Toten bleiben tot", sagt er dem Blatt. Dem Bundesrat in der Schweiz empfiehlt er, sich eine Scheibe von Kanzler Kurz abzuschneiden. "Er ist ein begnadeter Kommunikator, und er vertritt die Corona-Regeln gemeinsam mit dem Innen- und dem Gesundheitsminister, obwohl Letzterer einer anderen Partei angehört. Auf sachpolitischer Ebene finde ich beispielsweise die geplanten Massentests sinnvoll – insbesondere wenn sie als Grundlage dienen, die Schulen schnell wieder zu öffnen."

Hinweis: Alle geltenden Maßnahmen in Österreich und die die aktuellen Entwicklungen finden Sie hier.

Quelle: Redaktion / moe