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Gentestung bei familiärem Brustkrebsrisiko anzuraten

06. Okt. 2022 · Lesedauer 3 min

Bei gehäuftem Auftreten von Brust- oder Eierstockkrebs in der Familie ist eine Testung auf ein genetisches Risiko für Krebserkrankungen überlegenswert. Bis zu 80 Prozent der Frauen mit Veränderungen in den Genen BRCA1 oder BRCA2 erkranken nämlich im Lauf ihres Lebens an Brustkrebs. Neben der Teilnahme am Mammografie-Screening sind außerdem Gesundenuntersuchungen und Selbstabtastungen der Brust zur Früherkennung wichtig, hieß es am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Eine von 300 Frauen und ebenso viele Männer tragen die BRCA-Genveränderung in sich, berichtete der Mediziner Christian Singer bei dem Medientermin von AstraZeneca anlässlich des Brustgesundheitsmonats Oktober. Neben dem Risiko für Brust- und Eierstockkrebs bei der Frau kann auch jenes für Brust- und Prostatakrebs bei Männern erhöht sein. Es gibt rund 100 Beratungszentren in Österreich (Liste unter www.brustgenberatung.at). "Da können Sie sich beraten lassen bezüglich ihres Brustkrebsrisikos", erläuterte Singer, selbst Leiter des Zentrums für Familiären Brust- und Eierstockkrebs am AKH Wien.

Bei familiären Häufungen wird die kostenintensive Blutuntersuchung von der Sozialversicherung übernommen. Ein positiver Befund auf die Genmutation wird zur Sicherheit noch einmal nachgetestet. Das Ergebnis liegt in zwei bis drei Wochen vor, sagte Singer. Bei einer bestätigten Genveränderung könnte beispielsweise eine Kernspintomografie für eine noch bessere Früherkennung als mit der Mammografie durchgeführt werden.

Betroffene Frauen müssen nicht bis zur Entfernung von Brustdrüsengewebe gehen, wie die US-Schauspielerin Angelina Jolie vor einigen Jahren. Nach einer bereits aufgetreten Brustkrebserkrankung ist die Diagnose des Genrisikos laut Singer aber entscheidend für die medikamentöse Therapie und personalisierte Behandlung. Bei einer BRCA-Mutation kann das zusätzlich zur ersten Operation auch die Entfernung des Brustdrüsengewebes der nicht befallenen Brust bedeuten.

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung der Frau mit 5.000 bis 5.500 neuen Fällen pro Jahr in Österreich, betonte Marija Balic von der Klinischen Abteilung für Onkologie am LKH Graz. Die Krankheit wird "hauptsächlich durch das Mammografie-Screening diagnostiziert", erläuterte die Ärztin. Spät entdeckte Fälle sind schwerer zu behandeln, diese Frauen müssten durch die Mammografie-Einladung alle zwei Jahre im Alter zwischen 45 und 69 Jahren besser erreicht werden. "Das Screening - aber auch die Behandlungsmöglichkeiten - haben zu einer deutlichen Verbesserung der Überlebensprognose geführt", sagte Balic.

"Wir wünschen uns, dass wir die Frauen finden, die Brustkrebs haben, es aber noch nicht wissen", ergänzte die Medizinerin Tanja Schneider, Mitbegründerin der geschlossenen Facebook Gruppe "Brustkrebs", bezüglich einer angestrebten Erhöhung der Teilnahmerate an dem Screening. Dennoch sind das zumindest einmal monatlich empfohlene Selbstabtasten der Brust und die jährliche Vorsorgeuntersuchung bei der Frauenärztin oder dem Frauenarzt wesentliche Bestandteile der Früherkennung.

Um verstärkt Aufmerksamkeit auf das Früherkennungsprogramm zu lenken, sind während des Brustkrebsmonats Oktober in Innsbruck, Wien, Linz und Graz Straßenbahnen sowie in Salzburg und St. Pölten Busse mit Botschaften unterwegs. Die Kampagne wurde am Donnerstag in Wien im Beisein von Sozialversicherung und Ärztekammer präsentiert, berichtete die Gesundheitskasse ÖGK in einer Aussendung. Frauen von 40 bis 44 Jahren und ab 70 Jahren können sich per "Opt-in" ebenfalls für das Mammografie-Programm anmelden und erhalten dann alle zwei Jahre eine Einladung zu der Untersuchung (www.sozialversicherung.at/bkfoptin).

( S E R V I C E - Früherkennungsprogramm: www.frueh-erkennen.at/ - Genberatungszentren: www.brustgenberatung.at/ - Früherkennungskampagne von AstraZeneca: www.mamableibgesund.at/ )

Quelle: Agenturen