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Assange-Hochzeit in Hochsicherheitshaft: "Qual lässt unsere Liebe nur stärker werden"

22. März 2022 · Lesedauer 3 min

Der Wikileaks-Gründer Julian Assange und seine Verlobte Stella Moris geben sich am Mittwochnachmittag im Londoner Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh das Ja-Wort.

Das Paar hatte während Assanges jahrelangem Botschaftsasyl in der Vertretung Ecuadors in London zwischen 2012 und 2019 zusammengefunden und hat zwei Kinder.

Zeremonie im engsten Kreis

Nach Angaben von Unterstützern sind bei der Zeremonie, die für 13.45 Uhr mitteleuropäischer Zeit angesetzt ist, hinter den Gefängnismauern nur eine Handvoll Freunde und Familienangehörige zugelassen.

Stella Moris schrieb vorab im britischen "Guardian" über ihre Hochzeit: "Heute ist mein Hochzeitstag. Ich werde die Liebe meines Lebens heiraten. Mein zukünftiger Ehemann ist der Vater unserer zwei Söhne, ein wundervoller Mann, intelligent und lustig. Er hat einen tiefempfundenen Sinn für Recht und Unrecht und er ist weltweit als couragierter Verleger bekannt. Heute um die Mittagszeit werde ich durch die Tore des bedrückendsten Hochsicherheitsgefängnisses des Landes gehen, um mit einem politischen Gefangenen, WikiLeaks-Gründer Julian Assange, verheiratet zu werden."

"Qual lässt unsere Liebe nur stärker werden"

Ihr Kleid sei von Julians Freunden, dem Designer-Ehepaar Vivienne Westwood und dem Österreicher Andreas Kronthaler entworfen worden, schreibt Moris. Der Bräutigam will das Gelübde im Kilt ablegen.

Es sei keine Gefängnis-Hochzeit, sondern "ein Ausdruck unserer Liebe und unserer Widerstandskraft, trotz der Gefängnismauern, trotz der politischen Verfolgung, trotz der willkürlichen Haft, des Leids und der Schikane gegen Julian und unsere Familie. Diese Qual lässt unsere Liebe nur stärker werden". 

Moris berichtet, dass das Gefängnis ihr sowohl die Trauzeugen als auch den Hochzeitsfotografen verboten hätten, weil es sich dabei um Journalisten handle, die jedoch als Privatpersonen teilnehmen wollen. Belmarsh bezeichnete die Anwesenheit der Journalisten als Sicherheitsrisiko, dabei würden laut Assanges Verlobter das Fotografieren immer wieder erlaubt. Gefangene seien auch schon interviewt worden. Sie warf der Gefängnisleitung vor, dass man verhindern wolle, dass "die Leute Julian als menschliches Wesen sehen". 

Treffen mit Unterstützern vor dem Gefängnis

Moris will sich am Nachmittag mit Unterstützern vor dem Gefängnis treffen und eine Stellungnahme abgeben, bevor sie einen Kuchen anschneidet. Menschen wurden aufgefordert, in anlassgemäßer Kleidung zu erscheinen und Blumen mitzubringen.

Die von Assange und Moris lange geplante Hochzeit wird überschattet von der Ablehnung eines Berufungsantrags beim Supreme Court gegen die Auslieferung des gebürtigen Australiers an die USA. Das oberste britische Gericht hatte eine Berufung in der vergangenen Woche als unzulässig abgewiesen. Nun liegt die Entscheidung bei Innenministerin Priti Patel.

Veröffentlichung von mutmaßlichen Kriegsverbrechen

Die US-Justiz will Assange wegen Spionagevorwürfen den Prozess machen. Dem 50-Jährigen drohen dort bei einer Verurteilung bis zu 175 Jahre Haft. Vorgeworfen wird ihm, gemeinsam mit der Whistleblowerin Chelsea Manning geheimes Material von US-Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan gestohlen und veröffentlicht und damit das Leben von US-Informanten in Gefahr gebracht zu haben. Seine Unterstützer sehen in ihm dagegen einen investigativen Journalisten, der Kriegsverbrechen ans Licht gebracht hat und an dem nun ein Exempel statuiert werden soll. Assange sitzt seit rund drei Jahren im Londoner Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh in Haft.

Quelle: Agenturen / Redaktion / foj/lam