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Fall Leonie: Mädchen hatte das Dreifache der tödlichen Dosis im Körper

29. Sept. 2022 · Lesedauer 3 min

Am dritten Prozesstag im Fall Leonie wird die Befragung des dritten Angeklagten fortgesetzt. Er gibt an, dass er vom selben Getränk getrunken hätte wie Leonie. Laut Gutachter hatte das Mädchen allerdings das Dreifache der tödlichen Ecstasy-Dosis im Körper.

Aufhorchen ließ am dritten Prozesstag im Fall Leonie der toxikologische Sachverständige Günter Gmeiner. Seine Untersuchungen ergaben, dass das Mädchen das Dreifache der tödlichen Dosis des synthetischen Suchtgifts MDA in ihrem Körper hatte. Sie soll laut dem Gutachten zwischen sechs und zwölf Ecstasy-Tabletten zu sich genommen haben. 

PULS 24 Reporterin Marie Sievers fasst den bisherigen Prozesstag zusammen.

Im Magen des Mädchens wurde nur noch eine geringe Menge MDA gefunden, was zeigt, dass die 13-Jährige das Suchtgift oral eingenommen hat und die Aufnahme in ihren 1,64 Meter großen und 47 Kilogramm schweren Körper bereits abgeschlossen war. Ohne notärztliche Hilfe wäre der Tod nicht verhinderbar gewesen.

Sorglos von Getränk getrunken

Davor sagte allerdings der dritte Angeklagte – der vermeidliche Freund der 13-Jährigen - aus, dass er von demselben Getränk getrunken hätte wie Leonie. Dabei habe er keine Angst gehabt, wie er selbst vor Gericht sagte. 

Der mittlerweile 20-jährige Afghane bekannte sich zwar teilweise schuldig, wies aber den Vorwurf der Vergewaltigung zurück. Er sprach von einvernehmlichen sexuellen Handlungen mit der 13-Jährigen. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten aber vor, dass alle drei das Mädchen missbraucht haben sollen, sobald das Suchtgift zu wirken begann.

Nach der Befragung des 20-Jährigen wurde kurzfristig die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

Tod durch mehrere Faktoren

Todesursächlich war laut Gerichtsmediziner Nikolaus Klupp eine Kombination aus mehreren Faktoren. Durch die hohe Dosis von MDA kam es zu einer Hyponatriämie, einer verminderte Konzentration von Natriumionen im Blut. Bei der Hyponatriämie nimmt der Natriumgehalt im Körper stark ab. Durch den Salzmangel kann Flüssigkeit aus den Blutgefäßen in Lunge und Hirn übertreten. Die Wassereinlagerungen können schlussendlich zum Tod führen.

Zudem verursachte das Suchtmittel eine Hyperthermie, also gefährlich erhöhte Körpertemperatur mit starkem Schweiß und Krämpfen. Nicht ausgeschlossen werden kann, dass es zu einer möglichen Einflussstauung im Kopfbereich, etwa durch eine Brustkorbkompression oder durch die Schräglage des Körpers gekommen ist. Das Obduktionsgutachten ergab, dass das Mädchen infolge einer Suchtmittelvergiftung und Ersticken eines gewaltsamen Todes starb.

Regelmäßiger Drogenkonsum

Haarproben zeigten, dass das Mädchen regelmäßig Drogen genommen hat. Das MDA, das oft anstatt oder in Ergänzung von MDMA in Ecstasy-Pillen enthalten ist, fand sich besonders nahe am Haaransatz, was bedeutet, dass die 13-Jährige das Ecstasy in letzter Zeit öfter genommen hatte. In früheren Zeiten, die Haarproben wurden bis zum Zeitraum 2020 untersucht, konsumierte das Mädchen auch Kokain. Wenige Stunden vor der Tat dürfte die 13-Jährige Cannabis konsumiert haben. Alkohol fand sich kaum in den Blutproben, dafür Koffein und Nikotin.

Als Todeszeitpunkt wurde zunächst aus gerichtsmedizinischer Sicht zwischen 5.00 und 6.30 Uhr angenommen. Da die Videosequenzen, die die Männer mit ihrem Handy angefertigt haben, eine Uhrzeit von 5.57 Uhr zeigen und die 13-Jährige da noch gelebt habe, muss das Mädchen zwischen 5.57 und 6.30 Uhr gestorben sein.

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Quelle: Agenturen / Redaktion / pea