APA - Austria Presse Agentur

Nach Impfstopp: EMA legt Gutachten zu Johnson & Johnson vor

20. Apr 2021 · Lesedauer 3 min

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) will am späten Dienstagnachmittag ihren Bericht über mögliche Hirnvenen-Thrombosen durch den Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson vorlegen.

Die Experten des Sicherheitsausschusses der EMA prüften die Thrombosefälle in einem beschleunigten Verfahren. Die Behörde hatte aber betont, dass die Vakzine des US-Herstellers uneingeschränkt eingesetzt werden können. Wegen möglicher schwerer Nebenwirkungen hat Johnson & Johnson die Auslieferung seines Corona-Impfstoffs in Europa verschoben.

"Die Sicherheit und das Wohlbefinden der Menschen, die unsere Produkte verwenden, haben für Janssen oberste Priorität", so das Unternehmen in einer Stellungnahme zu PULS 24. Man unterstütze "nachdrücklich das Bewusstsein für die Anzeichen und Symptome dieses äußerst seltenen Ereignisses, um die korrekte Diagnose, angemessene Behandlung und beschleunigte Berichterstattung durch Angehörige der Gesundheitsberufe sicherzustellen", heißt es weiter.

"Wir glauben weiterhin an das positive Nutzen-Risiko-Profil unseres Impfstoffs", so der Pharma-Konzern. Man versichert, dass man "weiterhin mit medizinischen Experten und globalen Gesundheitsbehörden" kooperieren werde.

Für Österreich "untergeordnete Rolle"

Das Nationale Impfgremium wird sich in Österreich Ende der Woche mit den EMA-Empfehlungen befassen, hieß es auf APA-Anfrage Dienstagmittag aus dem Gesundheitsministerium. Die Auswirkungen auf den heimischen Impfplan würden laut Gesundheitsministerium "aktuell eine untergeordnete Rolle" spielen. "Der Schwerpunkt liegt derzeit vor allem bei den mRNA-Impfstoffen." Johnson & Johnson würde sich aufgrund der einfacheren Handhabung - es genügt ein Stich für die Vollimmunisierung, die Logistik ist unkompliziert - "vor allem für schwerer erreichbare Zielgruppen eignen", hielt das Ministerium in einer Stellungnahme fest.

In den USA waren nach rund sieben Millionen Impfungen sechs Fälle von Blutgerinnseln bekannt geworden. Daraufhin wurden Impfungen in mehreren Ländern, auch Österreich, vorläufig ausgesetzt.

EMA: Gutachten zu Johnson & Johnson

Ö: Impfstopp vor Auslieferung

Österreich stoppte die Verimpfung von Johnson & Johnson einen Tag, nachdem die erste Lieferung eingetroffen war. Die Impfdosen wurden daraufhin nicht verteilt. Insgesamt wurden 16.800 Dosen geliefert, teilte das Gesundheitsministerium mit. Bestellt wurden 2,5 Millionen Dosen. "So lange bis Klarheit über allfällige Nebenwirkungen herrscht, werden diese Dosen nicht an die Impfstellen ausgeliefert und auch nicht verimpft", hieß es seitens des Gesundheitsministeriums.

Auch beim Impfstoff des schwedisch-britischen Herstellers Astrazeneca kommt es in sehr seltenen Fällen zu Hirnvenenthrombosen. Impfwillige sind deshalb verunsichert, in Österreich führte das dazu, dass Impf-Taktiker ihre Termine absagen oder platzen lassen, weil sie einen anderen Impfstoff bevorzugen würden. Die Bundesländer reagieren unterschiedlich darauf, in einigen werden Taktiker bestraft, indem sie nach zweimaligen Absagen bei den Impfterminen hinan gereiht werden. 

Dieser Artikel wurde am 20.4. um 13:00 Uhr mit den Angaben aus dem Gesundheitsministerium und dem Termin des Nationalen Impfgremiums ergänzt. 

Johnson und Johnson stoppt Lieferung

Die US-Gesundheitsbehörden sprechen sich für einen sofortigen Stopp der Verabreichungen des Impfstoffs von Johnson & Johnson aus. Wenige Stunden danach verkündete der Vakzin-Hersteller, die Auslieferung nach Europa zu verschieben. 

Quelle: Agenturen