APA - Austria Presse Agentur

Drogen-Prozess: Was Ibiza-Detektiv Julian H. vorgeworfen wird

06. Sept 2021 · Lesedauer 3 min

Der mutmaßliche Drahtzieher des Ibiza-Videos, Julian H., steht am Mittwoch wegen Drogendelikten in St. Pölten vor Gericht. Der in U-Haft sitzende Privatdetektiv soll laut Anklage mehr als ein Kilogramm Kokain weitergegeben haben.

Julian H., jener Privatdetektiv, der die Videofalle für Ex-FPÖ-Vizekanzler Heinz-Christian Strache auf Ibiza mitorganisierte, steht am Mittwoch in St. Pölten vor Gericht. Dem 40-Jährigen werden Drogenhandel und Urkundenfälschung vorgeworfen.

Der Verteidiger von Julian H., Oliver Scherbaum, sagte der APA, dass H. sich nicht schuldig bekennen werde. Scherbaum sprach von "konstruierten Anschuldigungen".

Vorwurf: Drogenhandel und Urkundenfälschung

Zeugen belasten Julian H. Dieser soll 2017 und 2018 nahe der niederösterreichischen Stadt Haag (Bezirk Amstetten), in Salzburg und Oberösterreich insgesamt 1,25 Kilogramm Kokain verkauft haben. Das Kokain mit einem Reinheitsgehalt von mindestens 70 Prozent soll zu einem Preis von 40 Euro pro Gramm verkauft worden sein.

Laut Anklage der Staatsanwaltschaft Wien soll H. mit dem Drogenverkauf Schulden beglichen bzw. seine finanzielle Situation aufgebessert haben. Ihm drohen im Falle eines Schuldspruchs bis zu 15 Jahre Haft.

Neben Suchtgifthandel wird dem 40-Jährigen auch Fälschung besonders geschützter Urkunden sowie Annahme, Weitergabe oder Besitz falscher oder verfälschter besonders geschützter Urkunden vorgeworfen. Er soll einen gefälschten slowenischen Führerschein und Personalausweis, die auf den Namen einer Bekannten lauteten, besessen und übergeben sowie bei einer Polizeikontrolle am 7. Mai 2019 in Wien eine gefälschte slowenische Lenkberechtigung vorgewiesen haben.

Anwalt: Julian H. soll "aus dem Verkehr" gezogen werden

"Nach diesem Verfahren wissen wir, ob es in Österreich möglich ist, Aufdecker von Korruption in der Politik mit konstruierten Anschuldigungen aus dem Verkehr zu ziehen", sagte Scherbaum. Er rechnet für Mittwoch nicht mit einem Urteil. Der Wiener Verteidiger, der H. gemeinsam mit dem Salzburger Rechtsanwalt Wolfgang Auer vertritt, kündigte zahlreiche Beweisanträge an.

Im April hatte er als Auskunftsperson im U-Ausschuss ausgesagt, dass er sich als Opfer voreingenommener und befangener Ermittlungen sehe und mit dem Video nur ein Sittenbild des österreichischen politischen Systems habe zeichnen wollen.

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Beteiligt war H. bereits im Vorjahr an einer Gerichtsverhandlung in Niederösterreich. Im Kremser Verleumdungsprozess gegen einen Ex-Sicherheitsberater galt er als Geschädigter und sagte am 23. Oktober als Zeuge aus. Im Gerichtssaal anwesend war H. damals allerdings nicht, er wurde per Video befragt.

Julian H. sitzt wegen Tatbegehungs- und Fluchtgefahr seit März 2021 in Untersuchungshaft. Zuvor war er Mitte Dezember 2020 in Berlin mit Europäischem Haftbefehl festgenommen und in der Folge an Österreich ausgeliefert worden.

Ibiza-Video und die Folgen

H. soll eine Schlüsselrolle im Zusammenhang mit dem Video gehabt haben, das den damaligen FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache und den ehemaligen FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus in einer Villa auf Ibiza im Gespräch mit einer vermeintlichen Oligarchennichte zeigt. H. gab sich als Berater der vermeintlichen Oligarchennichte aus und war auch im Video zu sehen.

Nach Veröffentlichung der Aufnahmen im Mai 2019 verloren nicht nur Strache und Gudenus ihre Jobs, sondern es kam auch zum Bruch der türkis-blauen Koalition. Neuwahlen waren die Folge.

Verurteilung und laufende Ermittlungen

Im Zuge der Ibiza-Ermittlungen erhob die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) Anklage gegen Strache wegen Bestechlichkeit und Bestechung. In einem ersten Prozess wurde Strache mittlerweile in erster Instanz teilweise schuldig gesprochen. In zwei Anklagepunkten wurde er aber bereits rechtskräftig freigesprochen.

Weitere Ermittlungen gegen mehrere Personen rund um die Besetzung des FPÖ-Bezirksrat Peter Sidlo als Finanzvorstand der Casinos Austria sowie die Bestellung des ehemaligen Generalsekretärs im Finanzministerium Thomas Schmid als ÖBAG-Vorstand sind noch im Gange. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.

Stephan HoferQuelle: Agenturen / Redaktion / hos