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Drei Jahre Haft für religiös motivierte Messerattacke

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Ein Iraker (19) ist am Montag am Landesgericht Klagenfurt wegen einer religiös motivierten Messerattacke auf einem Landsmann zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Im Juni 2022 war der Mann mit dem Zug von Wien nach Kärnten gefahren und soll sein Opfer auf offener Straße angegriffen haben. Die Polizei ging zunächst von einem Mordversuch aus, angeklagt und verurteilt wurde der Mann wegen versuchter, absichtlich schwerer Körperverletzung. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Die Überwachungskamera am Eingang des Mehrparteienhauses zeichnete auf, wie der schwarz gekleidete Angreifer mit dem Messer in der Hand angelaufen kommt, zwei Mal wuchtig von hinten auf das Opfer, das gerade die Haustür aufsperren will, einsticht und sofort davonrennt. Das Opfer erlitt zwei Stichwunden, medizinisch als leichte Verletzung zu werten. Einige Meter weiter wurde ein Schlagring mit der DNA des Angeklagten gefunden, den dieser auf der Flucht verloren hatte. Festgenommen wurde der Verdächtige vier Monate nach der Tat, die Ermittler hatten auch mit einem Beitrag in der Sendung "Fahndung Österreich" nach ihm gesucht. Die Tatwaffe wurde zwar nicht gefunden, auf einem der anderen Messer, die man beim Angeklagten sicherstellte, war der auch unter Islamisten gängige Code "313" eingraviert.

Der Angeklagte ist seit 2017 in Österreich, lebt in Wien und genießt subsidiären Schutz. Zu den Vorwürfen war er teilweise geständig, spielte die Vorwürfe jedoch herunter, er habe den Mann nur leicht verletzen und ihm einen Denkzettel verpassen wollen. Das Opfer betreibt mehrere TikTok-Kanäle, auf denen es sich sehr kritisch über den Islam insbesondere schiitischer Ausrichtung äußert. Er habe sich davon so beleidigt gefühlt, sagte der Angeklagte, dass er den Mann zur Rede stellen wollte. Zur Untermauerung legte er auch Video-Standbilder vor, auf denen das Opfer mit einem Patschen auf ein Foto schlägt, worauf Geistliche abgebildet sein sollen. Die Polizei hatte während der Ermittlungen eine Auftragstat vermutet. Der Angeklagte wies dies zurück. Der Attackierte gab an, schon mehrfach angegriffen worden, er erfahre immer wieder Hass, weil er römisch-katholischen Glaubens sei.

Für den Schöffensenat war das Geständnis nicht reumütig, erklärte Richterin Michaela Sanin in der Urteilsbegründung. Video und Gutachten zeigten, dass der Täter so vorgegangen sei, dass in der Regel Lebensgefahr besteht. Allerdings sei der Angeklagte noch ein junger Erwachsener, unbescholten und habe 1.000 Euro Schmerzengeld bezahlt. Schwer wiege dennoch die Heimtücke, mit der das Opfer von hinten überfallen wurde, außerdem "der religiös motivierte, extremistische Beweggrund". Es stelle einen "extrem hohen sozialen Störwert" dar, wenn man bewaffnet von Wien nach Klagenfurt fährt und dann jemanden auf öffentlicher Straße niedersteche. "Religiöser Fanatismus hat keinen Raum", mahnte die Richterin. Der Verteidiger meldete Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an, letzteres ebenso der Staatsanwalt.

ribbon Zusammenfassung
  • Ein Iraker (19) ist am Montag am Landesgericht Klagenfurt wegen einer religiös motivierten Messerattacke auf einem Landsmann zu drei Jahren Haft verurteilt worden.
  • Im Juni 2022 war der Mann mit dem Zug von Wien nach Kärnten gefahren und soll sein Opfer auf offener Straße angegriffen haben.
  • Die Polizei ging zunächst von einem Mordversuch aus, angeklagt und verurteilt wurde der Mann wegen versuchter, absichtlich schwerer Körperverletzung.

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