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Deutschland holt IS-Frauen und ihre Kinder zurück

05. Okt. 2022 · Lesedauer 3 min

In Frankfurt wird eine Gruppe deutscher IS-Anhängerinnen aus kurdischer Haft erwartet. Eine von ihnen soll an einem Terrorplan beteiligt gewesen sein.

Die deutsche Regierung plant die Rückholung von deutschen IS-Anhängerinnen und deren Kinder aus Syrien. Die vier Frauen und vier Kinder befanden sich seit Jahren in kurdischen Gefangenenlagern, wie der "SPIEGEL" berichtet.

Ermittlungen wegen Terrorverdachts

Die Überstellung nach Deutschland soll mit einer Transportmaschine der U.S. Air Force über einen Luftstützpunkt in Kuwait erfolgen - für Mittwochabend wird die Ankunft erwartet. Nach "SPIEGEL"-Informationen wird gegen die Frauen wegen Terrorverdachts ermittelt. Die Familien sollen teilweise bei sehr schlechter Gesundheit sein.

Unter den Ausgeflogenen ist auch die 33 Jahre alte Dschihadisten Marcia M. Sie ist für die deutschen Behörden nicht nur Beschuldigte, sondern auch eine wichtige potentielle Zeugin, soll sie doch auch über das Innenleben der Terrormiliz IS berichten können.

Auch ihr Ehemann Oguz G. steht in Verbindung zu einem mutmaßlich großangelegten Terrorplan des IS. Dessen Sektion für "externe Operationen" soll im Jahr 2016 nach den Anschlägen in Paris und Brüssel  versucht haben, auch Terrorkommandos nach Deutschland zu schleusen. Als mögliches Anschlagsziel galt ein großes Musikfestival.

Verkuppelung von Islamistinnen und Attentätern

Laut den Ermittlern soll es die Aufgabe von Marcia M. gewesen sein, Islamistinnen in Deutschland mit möglichen Attentätern zu verkuppeln. Zur Tarnung sollten sie die IS-Kämpfer heiraten und bei sich zu Hause unterbringen. Der Verfassungsschutz erfuhr von solchen Chats, im November 2016 sollen zwei Männer daran gescheitert sein, von Syrien nach Deutschland zu reisen. Marcia M. und ihr Ehemann gerieten in kurdische Gefangenschaft, wo Geheimdienstarbeiter aus Deutschland und Amerika sie bereits befragen konnten.

Ebenfalls an Bord der Maschine ist die Deutschtürkin Kevser T. Sie soll bereits Ende November 2013 mit dem Islamisten Florian L. zum IS nach Syrien ausgereist sein. Laut Staatsschützern soll T. im Jahr 2014 an der Einschleusung von Dschihadisten zum IS beteiligt gewesen sein.

Kevser T.s Partner kam bereits vor sechs Jahren ums Leben, sie kam Anfang 2019 in das kurdischen Gefangenenlager Roj in Nordostsyrien. Die Düsseldorfer Generalstaatsanwaltschaft ermittelt gegen die zweifache Mutter wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung und Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht.

Jugendlicher von Mutter zum IS verschleppt

Auch ein 20-jähriger Mann aus Hamburg wird wieder nach Deutschland geflogen. Er war von seiner Mutter als Jugendlicher zum IS verschleppt worden. Um zu verhindern, dass er mit islamistischen Kämpfern heranwächst und sich weiter radikalisiert, wird nun auch er zurückgeholt. Auch gegen ihn läuft ein Terrorverfahren.

Noch 40 deutsche IS-Anhänger befinden sich in Haftlagern oder Gefängnissen in Nordsyrien. Mehr als zwei Drittel von ihnen sind Männer.

Quelle: Redaktion / msp