APA - Austria Presse Agentur

Der Druck auf die libanesische Regierung steigt

07. Aug 2020 · Lesedauer 3 min

Die libanesische Bevölkerung fordert nach den gewaltigen Explosionen in der Hauptstadt den Sturz der Regierung.

"Helfen Sie uns!", ruft die Bevölkerung in Beirut dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron zu, der am Donnerstag zu Besuch in der libanesischen Hauptstadt war. Die aufgebrachte Menschenmenge fordert von Macron den Sturz der libanesischen Regierung.

Hintergrund sind die gewaltigen Explosion mit 130 Toten und Tausenden Verletzten. Die Suche nach den Opfern dauert ebenso an, wie die Suche nach der Ursache. Eine Untersuchungskommission der Regierung soll binnen fünf Tagen einen ersten Bericht vorlegen. Mit dabei im zwölfköpfigen Koordinierungsstab der UNO ist auch Bundesheer-Offizier Gernot Hirschmugl. 

Die Bevölkerung sieht die Regierung in der Verantwortung. Ähnlich sieht das Macron, der von einer "historischen Verantwortung" der Führung des Landes spricht. Macron fordert die libanesische Regierung zu Reformen, zum Kampf gegen Korruption und insgesamt zu einem "Systemwechsel" auf. Die frühere Mandatsmacht Frankreich ist dem Land weiterhin eng verbunden.

Am Donnerstag haben die libanesischen Behörden 16 Hafen-Mitarbeiter festgenommen. Wie Militärstaatsanwalt Fadi Akiki am Donnerstagabend mitteilte, wurden im Zuge der Ermittlungen mehr als 18 Angestellte befragt, 16 von ihnen wurden in Gewahrsam genommen. Es handle sich vor allem um Mitarbeiter der Hafenverwaltung und der Zollbehörde.

Mehrere Krisen treffen das Land

In Beirut hatte eine heftige Detonation am Dienstag große Teile des Hafens zerstört und ganze Straßen im Zentrum in Scherben und Trümmer gelegt. Spekuliert wird, dass große Mengen an Ammoniumnitrat, die jahrelang im Hafen ohne Sicherheitsvorkehrungen gelagert wurden, explodierten. Der Verdacht richtet sich dabei auf das unter moldauischer Flagge fahrende Frachtschiff "Rhosus", das 2013 große Mengen der gefährlichen Substanz in den Hafen gebracht haben soll. Das Material wurde sechs Jahre dort gelagert, obwohl es mehrere Warnungen gegeben haben soll. 

Rettungshelfer suchen weiter nach Überlebenden. Im Einsatz sind Armeesoldaten, Mitarbeiter des Roten Kreuzes und Freiwillige. Noch immer werden dem Roten Kreuz zufolge rund 100 Menschen vermisst. "Ich warte hier, ich bewege mich nicht weg", rief eine Frau in Nähe des abgesperrten Hafens. "Mein Bruder arbeitete im Hafen und ich habe von ihm nichts gehört, seitdem es die Explosion gab."

Internationale Hilfe

Indes lief die Hilfe vieler Länder und internationaler Organisationen weiter an. Die Weltgesundheitsorganisation brachte 20 Tonnen Hilfsgüter ins Land, um Hunderte Menschen mit Brand- und anderen Verletzungen zu versorgen. Die EU sagte Nothilfe in Höhe von mehr als 33 Millionen Euro zu, um etwa medizinische Ausrüstung zu finanzieren. Auch Israel, mit dem der Libanon keine diplomatischen Beziehungen pflegt, will bei der Versorgung von Opfern helfen.

Das US-Militär schickte drei Flugzeugladungen mit Essen, Wasser und medizinischem Material. Genauere Angaben zu Menge und Produkten gab es zunächst nicht.

Quelle: Agenturen / Redaktion / spe