APA - Austria Presse Agentur

Warum Ammoniumnitrat im Hafen von Beirut gelagert wurde

05. Aug 2020 · Lesedauer 2 min

2.750 Tonnen Ammoniumnitrat wurden sechs Jahre lang im Hafen von Beirut gelagert. Am Dienstag kam es dann zu einer verheerenden Explosion. Die Zollbehörden hatten bereits 2014 auf die gefährliche Lage hingewiesen und eine Lösung gefordert. Ohne Erfolg.

Hundert Menschen sind bei den schweren Explosionen in Libanons Hauptstadt ums Leben gekommen, über 4.000 wurden verletzt. Laut dem libanesischen Ministerpräsidenten Hassan Diab könnte Ammoniumnitrat die Explosion ausgelöst haben. 

Warum lagern über 2.000 Tonnen eines gefährlichen Stoffes im Hafen von Beirut, der nur wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt liegt?

Diese Frage wird noch einiges an Aufarbeitung bedürfen. Klar ist, die 2.750 Tonnen Ammoniumnitrat lagen bereits seit sechs Jahren in einem Hanger am Hafen der libanesischen Hauptstadt. Die Zollbehörden haben mehrmals auf die gefährliche Situation aufmerksam gemacht. Niemand hat reagiert. 

Die Ladung ist im September 2013 im Hafen von Beirut angekommen. Ein Schiff unter moldauischer Flagge wollte die 2.750 Tonnen Ammoniumnitrat von Georgien nach Mosambik bringen. Der Frachter hatte technische Probleme, weshalb der Kapitän den Hafen von Beirut ansteuern musste. Nach einer Inspektion verboten die libanesischen Behörden dem Schiff die Weiterfahrt. Die Eigentümer hätten daraufhin das Schiff verlassen, wie die Anwälte der Schiffscrew schilderten. Die Ladung wurde daraufhin in einem Depot im Beiruter Hafen gebracht, wo sie bis zuletzt gelagert wurde.

Der libanesische Zoll hat laut dem arabischen Nachrichtensender Al-Jazeera mehrere Briefe mit der dringenden Bitte um eine Lösung an die zuständigen Richter geschickt. Das Ammoniumnitrat hätte demnach exportiert, verkauft oder an die libanesische Armee übergeben werden können. Das erste Schreiben wurde bereits im Juni 2014 verfasst. Weitere Briefe folgten im Dezember 2014, im May 2015, im Mai 2016, im Oktober 2016 und im Oktober 2017.

Darin stand etwa: "In Hinblick auf die ernste Gefahr, diese Ladung unter unpassenden klimatischen Bedingungen im Hangar zu halten, bekräftigen wir unsere Bitte, die Waren unverzüglich wieder auszuführen, um die Sicherheit des Hafens und der darin arbeitenden Personen zu gewährleisten." Die Briefe blieben unbeantwortet.

Quelle: Redaktion / spe