Debatte um Abschiebungen von Schülerinnen - Anschober dagegen

27. Jan 2021 · Lesedauer 3 min

Unter den Betroffenen sind drei in Wien bzw. Niederösterreich lebenden Schülerinnen, die demnächst nach Georgien bzw. Armenien überstellt werden. Schulkollegen machen dagegen mobil

Ein bevorstehender Abschiebeflug hat in Österreich für mediale und teils politische Aufregung gesorgt. Unter den Betroffenen sind drei in Wien bzw. Niederösterreich lebenden Schülerinnen, die demnächst nach Georgien bzw. Armenien überstellt werden. Schulkollegen machen dagegen mobil und finden Unterstützung bei den NEOS und Verständnis bei Sozialminister Rudolf Anschober (Grüne).

Besonders viel debattiert wurde der Fall einer zwölf-jährigen Schülerin, die Montagbend mit ihren Eltern von der Fremdenpolizei in ein Abschiebezentrum gebracht wurde. Die Gymnasiastin, die im ersten Wiener Gemeindebezirk die Schule besuchte, fand die Unterstützung von Lehrern und Mitschülern, die mit ihrer guten Integration und der Hochphase der Pandemie gegen die Abschiebung argumentierten und (wie im Fall einer weiteren - armenisch-stämmigen - Schülerin im zehnten Wiener Gemeindebezirk) eine Petition starteten.
 

Schülersprecher Theo Haas im Interview

Innenministerium verweist auf höchstgerichtliche Entscheide

Im Innenministerium verweist man darauf, dass mehrere höchstgerichtliche Entscheide vorliegen, die eine Außerlandesbringung vorsehen. Wann der Abschiebeflug, der mehrere Destinationen ansteuert, stattfindet, wird wie üblich nicht bekannt gegeben.

Bei der georgischen Schülerin scheint der Fall nach Informationen der APA zumindest rechtlich eindeutig. Denn die Familie befindet sich bereits seit vier Jahren unrechtmäßig im Land. Das Bundesverwaltungsgericht hat festgehalten, dass die lange Aufenthaltsdauer nicht zuletzt wegen beharrlicher Nichteinhaltung der behördlichen Vorgaben gegeben sei. Die Mutter war erstmals 2006 ins Land gereist und hatte hier auch ihre erste Tochter bekommen. Zwischenzeitlich hatte sie Österreich schon verlassen müssen und war zwei Jahre später wieder eingereist. Alle Instanzen beurteilten die diversen Asylanträge negativ.

Mitschülerin startet Petition

Dennoch gibt es politische Empörung. Besonders hervor taten sich der Traiskirchener Bürgermeister Andreas Babler (SPÖ) sowie der Wiener Vize-Bürgermeister Christoph Wiederkehr (NEOS). Ersterer bot den Kindern Schutz in seiner Gemeinde an, zweiterer wandte sich an Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) mit der Bitte, eine humanitäre Lösung zu finden.

Babler: "Man muss Grenzen ziehen!"

Im Gespräch mit dem Ressortchef ist auch Sozialminister Rudolf Anschober (Grüne). Das Innenministerium habe zumindest zugesichert, die Fälle zu prüfen, berichtete er nach dem Ministerrat. Es wäre gut nach menschlichen Lösungen zu suchen. Denn es könne ja nicht sein, dass bestens integrierte Schüler in einer Situation, wo sie nicht einmal das Herkunftsland kennen, aus den Klassen geholt werden.

Mahrer verteidigt Abschiebung

ÖVP-Sicherheitssprecher Karl Mahrer verteidigte in einer Pressekonferenz die Abschiebungen mit Verweis auf die geltende Rechtslage. In Österreich geborenen Kindern den Zugang zur Staatsbürgerschaft zu erleichtern, wie das am Dienstag auch SOS-Mitmensch gefordert hatte, lehnt der ÖVP-Politiker ab. Veränderungen im Staatsbürgerschaftsrecht seien "aktuell nicht am Tisch". Jetzt müsse man einmal die bestehenden Asylverfahren abarbeiten und abgelehnte Asylwerber "in einer geordneten Form zurückführen".

"Falter"-Chef Florian Klenk ist persönlich Betroffen

Abschiebeflüge sind in der Corona-Pandemie übrigens nie ausgesetzt, aber reduziert worden. So waren etwa im Dezember mehrere im Verfahren gescheiterte Flüchtlinge nach Afghanistan gebracht werden.

Über 900 Menschen wurden 2020 abgeschoben

Quelle: Agenturen / Redaktion / moe