APA/GEORG HOCHMUTH

Corona: Experten rechnen mit Lockdown-Verlängerung und fordern weitere Maßnahmen

Nach dem Gespräch mit der Bundesregierung fordern Experten weitere Maßnahmen und rechnen mit einer Verlängerung des Lockdowns.

Mit Blick auf die neue Corona-Variante fordern Expertinnen und Experten weitere Maßnahmen. Die Inzidenzen gehen laut Oswald Wagner, Vizerektor für Klinische Angelegenheiten der Med Uni Wien, nicht stark genug zurück. Derzeit würden sie zwischen 130 und 150 liegen. Das sei für eine Öffnung "viel zu hoch" – diese müsse unter 50 gesenkt werden. Statistiker Erich Neuwirth merkte an, eine "schöne Zielvorstellung" wäre ein Wert von 25. Es gehe darum, Maßnahmen zu ergreifen, um die Neuinfektionen auf Zahlen zu bringen, "die beherrschbar sind", bei denen etwa das Kontakt-Tracing wieder funktioniere, sagte der Experte.

Bis die vulnerablen Gruppen durchgeimpft seien, müsse man dafür sorgen, dass es nicht zu einem weiteren Lockdown kommt. Aus diesem Grund plädiert er für eine generelle FFP2-Maskenpflicht in geschlossenen Räumen, eine "deutliche Erhöhung der Abstandsregel auf zwei Meter" und regelmäßige Tests der gesamten Bevölkerung.

Lockdown verlängern

Laut Wagner trägt die Bevölkerung die Maßnahmen nicht mehr ausreichend mit, es seien klare Ansagen wichtig. Ein Lockdown ohne Ausnahmen um die Fallzahlen zu senken sei seiner Ansicht notwendig. Die Experten rechnen mit zwei bis drei Wochen längerem Lockdown.

Homeoffice verpflichtend

"Es muss nur das Verständnis bei der Bevölkerung erreicht werden", sagt Wagner. Das Homeoffice müsse verpflichtend werden. "Es bleiben schon noch Bereiche, wo sich Menschen infizieren", sagt Wagner. Dazu zählt er eben auch das berufliche Umfeld.

Virusvariante B.1.1.7.

Eindringlich warnte die Expertenrunde vor der nun auch in Österreich angekommenen neuen britischen Virusvariante B.1.1.7.. "Wir wissen, dass sie wesentlich infektiöser ist als der bisherige Wildtyp", sagte Wagner. "Es ist eine Situation, die man als Game Changer sehen kann", erklärte auch der Mikrobiologe Andreas Bergthaler. "Das Virus ist infektiöser, darauf müssen wir eingehen."

Gleichzeitig betonte Bergthaler, dass die bisherigen Maßnahmen grundsätzlich weiterhin geeignet seien, das Virus einzudämmen, auch die neue Variante. Da aber die Dynamik eine größere sei, müsse man eben überlegen, welche zusätzlichen Maßnahmen man ergreift. Denn die Zahlen seien insgesamt zu hoch, das belaste nicht nur das Gesundheitswesen und erschwere das Kontakt-Tracing, sondern berge auch die Gefahr weiterer Mutationen. "Wenn wir versuchen, die Zahlen runterzubringen, ist das unser Ticket möglichst rasch zu einem Normalzustand zu kommen."

Entscheidung wird am Sonntag verkündet

Eine Entscheidung über die weitere Vorgangsweise soll seitens der Regierung am Sonntag verkündet werden. Bereits am Freitagabend wurde nach einem Gespräch zwischen Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und den Landeshauptleuten klar, dass es wohl zu keiner Aufweichung der Maßnahmen kommen wird. Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) erklärte im Anschluss an die abendliche Unterredung, er rechne mit der Verlängerung des Lockdowns "bis weit in den Februar hinein". Lockerungen wird es seiner Ansicht nach nicht geben, auch die ab dem 25. Jänner angedachten Schulöffnung dürften seiner Einschätzung nach nicht kommen.

Nach dem nun Samstagfrüh erfolgten Expertengespräch, zu dem auch die Landeshauptleute zugeschaltet waren, ist für den Vormittag noch ein Gespräch mit den Sozialpartnern im Kanzleramt angesetzt. Im Laufe des Tages soll es dann eine weitere Videokonferenz mit den Landeshauptleuten geben, hieß es gegenüber der APA aus dem Kanzleramt. Mit der Verkündigung der Entscheidung über das weitere Vorgehen hinsichtlich des Lockdowns ist für Sonntagvormittag zu rechnen, für den späteren Vormittag ist eine Pressekonferenz im Kanzleramt in Aussicht genommen.

ribbon Zusammenfassung
  • Mit Blick auf die neue Corona-Variante fordern Expertinnen und Experten weitere Maßnahmen.
  • Die Experten rechnen mit zwei bis drei Wochen längerem Lockdown.
  • Fordern eine generelle FFP2-Maskenpflicht in geschlossenen Räumen, eine "deutliche Erhöhung der Abstandsregel auf zwei Meter" und regelmäßige Tests der gesamten Bevölkerung.
  • Ebenfalls müsse das Homeoffice verpflichtend werden.