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COP 27: Weitere Forderung nach "Loss and Damage"-Fonds

16. Nov. 2022 · Lesedauer 4 min

Auf der UN-Klimakonferenz in Sharm el-Sheikh hat es zwei Tage vor dem offiziellen Ende zahlreiche Warnungen, Forderungen und Ankündigungen gegeben - was weiterhin fehlt war ein Textentwurf für eine gemeinsame Abschlusserklärung am Freitag.

EU-Klimakommissar Frans Timmermans kündigte am Mittwoch etwa an, dass die EU und vier Mitgliedsstaaten über eine Milliarde Euro für Klimaanpassung in Afrika und 60 Millionen Euro für Schäden und Verluste bereitstellen wird.

Vanuatu: Klimaverhandlungen "Misserfolg"

Zudem werde er noch am heutigen Tag Vorschläge präsentieren, mit denen die Verhandlungen zur "Loss and Damage"-Thematik vorangebracht werden könnten. Der Klimaminister des pazifischen Inselstaats Vanuatu, Ralph Regenvanu, ließ bereits zuvor wissen, dass sein Land die COP27-Klimaverhandlungen als "Misserfolg" betrachten werde, wenn sie ohne einen "Loss and Damage"-Fonds zu Ende gingen. Vanuatu war die erste Nation, die 1991 bei den UNO-Klimaverhandlungen diesen Begriff überhaupt erst eingeführt hatte, mehr als 30 Jahre hat es gebraucht, dass er bei der COP in Ägypten auch erstmals auf der Agenda landen konnte.

Pakistan am stärksten betroffen

Österreichs Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) traf sich am Mittwoch mit ihrer pakistanischen Amtskollegin Sherry Rehman. "Die verheerenden Überschwemmungen in Pakistan sind die Folgen der Klimakrise in ihrer schlimmsten Form. Das Land fordert zu recht mehr Unterstützung durch die Industrieländer", sagte Gewessler nach dem Treffen.

Kaum ein Land ist so von der Klimakrise betroffen wie der Staat in Südasien mit über 225 Millionen Einwohnern. Bei den verheerenden Überschwemmungen in diesem Jahr starben laut offiziellen Angaben mindestens 1.600 Menschen, beinahe ein Drittel des Landes ist von Wasser überflutet. Millionen von Menschen mussten ihre Häuser verlassen, wie das Umweltministerium mitteilte.

Düstere Prophezeiung

Die Schreckensszenarien von den verheerenden Folgen des Klimawandels sind in Pakistan nach den Worten von Planungsminister Ahsan Iqbal bereits bittere Realität - und diese Entwicklung werde sich nur noch verstärken: "Es wird regnen, wenn wir keinen Regen brauchen, und nicht regnen, wenn wir Regen brauchen", prophezeite Iqbal. Auch Pakistan zählt zu den Ländern, die neue Zusagen reicher Staaten fordern, um klimabedingte Schäden in ärmeren Ländern auszugleichen. Ob bei der Konferenz, die offiziell bis Freitag läuft, ein neuer Geldtopf unter dem Dach der Vereinten Nationen geschaffen wird, bleibt weiterhin unklar.

Der designierte brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva erinnerte hingegen erneut daran, dass nicht einmal die bestehenden Geldtöpfe gefüllt sind: Er fordere daher, dass die reichen Nationen ihre Zusage einhalten, 100 Milliarden Dollar pro Jahr für die Klimafinanzierung bereitzustellen. Brasilien will sich zudem als Gastgeber der Weltklimakonferenz 2025 anbieten. Darüber werde er mit UN-Generalsekretär António Guterres sprechen, schrieb der gewählte Präsident auf Twitter. Die COP30 solle im Amazonasgebiet abgehalten werden.

Österreichs Delegationsleiter freut sich auf Pension

Nicht bei dieser zukünftigen COP wird Helmut Hojesky anzutreffen sein. Der 64-jährige Leiter der österreichischen Beamtendelegation war aber dafür bisher bei jeder Klimakonferenz, inzwischen sieht er aber bereits freudig seiner Pension entgegen. Auf die Frage, wie sich die Veranstaltung im Laufe der Zeit verändert hat, sagte er gegenüber der APA: "Es ist ein riesiger "Zirkus" geworden, wenn man das mit der ersten COP vergleicht" - die war 1995 in Berlin unter dem Vorsitz von Angela Merkel, der damaligen deutschen Umweltministerin.

Auf den Beitrag der Natur zum Klimaschutz erinnerte hingegen der WWF: Innerhalb von zehn Jahren konnte sie laut der NGO 54 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen aufnehmen und damit verhindern, dass sie zur Erderhitzung beitragen. Das geht aus einem neuen Bericht hervor, der heute bei der Weltklimakonferenz in Ägypten vom WWF präsentiert wurde.

Konferenz soll am Freitag enden

Die zweiwöchige Konferenz in Ägypten, zu der etwa 34.000 Menschen angereist sind, soll jedenfalls planmäßig am Freitag enden, könnte aber wie so manche COP hin zum Wochenende verlängert werden. Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) rechnet auch heuer damit: Sie habe ihre Koffer nicht gepackt für ein Ende am Freitagnachmittag, sagte sie nach ihrer Ankunft in Ägypten. Zurückhaltend äußerte sich Baerbock zu der Forderungen nach einer Finanzierungsfazilität - zum Beispiel des "Loss and Damage"-Fonds: "Ich weiß nicht, ob sie kommen wird, ich weiß auch gar nicht, ob das jetzt der richtige Moment ist".

Quelle: Agenturen / Redaktion / msp