Indische ChristinArun SANKAR / AFP

Christen akut in Gefahr: Angriffswelle in Indien reißt nicht ab

03. Jan. 2023 · Lesedauer 3 min

Im zentralindischen Bundesstaat Chhattisgarh reißen die Angriffe auf Christen und kirchliche Einrichtungen nicht ab. Christen seien laut eines Berichts akut in Gefahr.

Wie das Portal "Matters India" berichtet, wurde am Montag eine katholische Pfarre im Bezirk Narayanpur von einem Mob verwüstet. Erst vor wenigen Wochen wurden in derselben Region und im Nachbarbezirk Kondagaon bei einer konzertierten Aktion radikaler Hindu-Nationalisten 33 Dörfer angegriffen.

Dabei wurden die dort lebenden christlichen Adivasi - so werden die Ureinwohner der Region genannt - aus ihren Häusern vertrieben. Ein aktueller Bericht nennt als Ursache Bestrebungen einer gewaltsamen Bekehrung zum Hinduismus und sieht die Christen vor Ort in akuter Gefahr.

Mit Stöcken und Steinen bewaffnet

Augenzeugen zufolge waren am Montag hunderte mit Stöcken und Steinen bewaffnete Menschen in das Areal der Kirche der zur Diözese Jagdalpur gehörenden Bezirkshauptstadt Narayanpur eingedrungen, warfen Steine auf die Herz-Jesu-Kirche und brachen das Haupttor auf, um die gesamte Inneneinrichtung einschließlich des Altarkreuzes zu zerstören. Auch eine Mariengrotte auf dem Gelände der Kirche wurde zerstört. Von der vor 50 Jahren errichteten Kirche, die vor fünf Jahren renoviert wurde, sei nichts mehr übrig, wird der Gemeindepfarrer P. Jomon TD von "Matters India" zitiert.

Laut dem zuständigen Diözesanbischof von Jagdalpur, Joseph Kollamparambil, sind derzeit weitere Angriffe auf kirchliche Einrichtungen in der Region absehbar. Auch der Erzbischof von Chhattisgarhs Hauptstadt Raipur, Victor Henry Thakur, äußerte sich. Er verurteilte den Vandalenakt, forderte eine Verfolgung der Täter und appellierte dazu an den zuständigen Chief Minister des Bundesstaats Chhattisgarh, Bhupesh Baghel. Die Situation der öffentlichen Ordnung in Narayanpur habe sich dramatisch verschlechtert, da Christen laufend angegriffen und attackiert würden, so der Erzbischof.

Mob mit 2.000 Teilnehmern

Angaben der "Hindustan Times" und der "Times of India" zufolge waren an dem Mob mehr als 2.000 Menschen beteiligt, und es habe unter den einschreitenden Polizisten zehn Verletzte gegeben, darunter auch der Chef der Polizei, der infolge einer Kopfverletzung im Spital versorgt werden musste. Seinen Ausgang genommen habe der Vandalenakt beim Treffen einer radikal-hinduistischen Bewegung, die gegen den Übertritt von Stammesangehörigen zu anderen Glaubensrichtungen wie insbesondere zum Christentum und zum Islam auftritt. Behauptet wird, diese Übertritte fänden unter Zwang statt, was von den betroffenen Glaubensgemeinschaften jedoch vehement zurückgewiesen wird.

Denselben Hintergrund hatten bereits im Dezember gezielte Angriffe gegen 18 Dörfer im Bezirk Narayanpur sowie gegen 15 Dörfer im Nachbarbezirk Kondagaon, bei denen etwa 1.000 christliche Adivasi aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Auf schon Monate zuvor ausgesprochene Drohungen, dass es zu diesen Gräueltaten kommen werde, hätten die Verwaltungsbehörden nicht reagiert, kritisieren die Autoren des Untersuchungsberichts. Gefordert wird eine Verfolgung der Täter, Hilfen zur Ermöglichung der Rückkehr der Vertriebenen sowie eine Untersuchung der Vorfälle durch den Obersten Gerichtshof Indiens.

Quelle: Redaktion / koa