Bildungslandesrätin warnt Eltern vor Corona-Schulabmeldungen

09. Aug 2021 · Lesedauer 3 min

Es wird erwartet, dass bis zu 6.000 Schüler und Schülerinnen bis Herbst vom Unterricht abgemeldet werden. Sie sollen zuhause unterrichtet werden. Salzburgs Bildungslandesrätin Daniela Gutschi rät den Eltern eindringlich davon ab.

Vielen Eltern sei nicht bewusst, was auf sie zukomme, ist sich Bildungslandesrätin Gutschi im PULS-24-Interview sicher. Es sie nicht möglich, sich einfach einen Privatlehrer zu nehmen. Man könne auch nicht einfach eine private Schule eröffnen. Es gehe darum, dass die Erziehungsberechtigten selbst die Kinder unterrichten. Dazu müssten auch die richtigen Voraussetzungen bestehen. Das sei vielen Eltern nicht bewusst, so Gutschi. 

"Dominoeffekt"

Auch in Salzburg haben sich die Schulabmeldungen stark gesteigert. Momentan verzeichne man dort 240 Kinder, die im Herbst in den Klassenzimmern fehlen werden. Diese Zahl wird sich bis zum Schulbeginn im Herbst wahrscheinlich noch steigern. Die Politikerin berichtet von "einem gewissen Dominoeffekt". Wenn eine Familie beginne sich damit zu beschäftigen, würden andere Eltern die Idee aufgreifen. 

Gutschi weist darauf hin, dass die Kinder am Jahresende eine Externistenprüfung ablegen müssen. Dabei wird kontrolliert, ob sie den Schulstoff vermittelt bekommen haben und das Wissen auch angekommen ist. Aber nicht nur die Überprüfung ist eine Hürde. Die Absenz in den Klassenzimmern könne den Kindern auch sozial schaden. Denn Kontakte mit anderen Schülern sind für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen wichtig. 

"Eltern haben Vertrauen verloren"

Christoph Drexler, der Präsident des Elternverbands, sieht einen Vertrauensverlust auf Seiten der Eltern als einen der Gründe für den Anstieg der Schulabmeldungen. 

Gesellschaftskompetenz lernt man von anderen Kindern

Darauf wies auch Christiane Spiel, Bildungspsychologin der Universität Wien, in der Vorwoche in einem ZiB-Interview hin. "Das Zusammensein mit den Freundinnen und Freunden, das Lernen mit ihnen, das Lernen von ihnen und damit das Hineinwachsen in eine Gesellschaft, die sehr heterogen ist", sei sehr wichtig. "Das ist nicht möglich, dass das zuhause geboten wird."

Österreichweit wurden mit Stand von vergangener Woche bereits 3.600 Kinder für den häuslichen Unterricht angemeldet, bis zum Herbst wird mit 6.000 gerechnet. Die Gründe haben größtenteils mit der Corona-Pandemie zu tun. Während ein Teil der Erziehungsberechtigten sich um die Kinder wegen mangelnder Sicherheitsmaßnahmen fürchtet, ist der Großteil der Abmeldungen auf genau diese zurückzuführen. Maßnahmengegner wollen mit Masken und Tests nichts zu tun haben.

Verpflichtende Beratungsgespräche

Bildungsminister Heinz Faßmann will das Gespräch mit den Eltern suchen. Dem stimmt auch Daniela Gutschi zu. Sie setzt sich für verpflichtende Beratungsgespräche mit den Eltern ein, um sie davon zu überzeugen, die Kinder am regulären Unterricht teilnehmen zu lassen. Wichtig sei, etwaige Maßnahmen bundesweit umzusetzen. 

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Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam