APA - Austria Presse Agentur

Tausende Eltern melden Kinder wegen Corona-Tests von Schulen ab

04. Aug 2021 · Lesedauer 3 min

Es wird erwartet, dass bis zu 6.000 Schüler und Schülerinnen im kommenden Schuljahr in den Klassenzimmern fehlen werden. Deren Erziehungsberechtigten - offenbar größtenteils Corona-Skeptiker - wollen die Kinder zuhause unterrichten.

Die Ferien sind zur Hälfte vorbei, es zeichnet sich aber schon jetzt ein bedenklicher Trend fürs kommende Schuljahr ab, wie die "ZiB Nacht" berichtete. Rund 3.600 Kinder wurden bereits laut Angaben der Bildungsdirektion für den häuslichen Unterricht angemeldet, bis zum ersten Schultag wird mit bis zu 6.000 Anmeldungen gerechnet. 

Die Gründe haben laut dem Bericht größtenteils mit der Corona-Pandemie zu tun. Während ein Teil der Erziehungsberechtigten sich um die Kinder wegen mangelnder Sicherheitsmaßnahmen fürchtet, ist der Großteil der Abmeldungen auf genau diese zurückzuführen. Maßnahmengegner wollen mit Masken und Tests nichts zu tun haben.

Laut Bildungsminister Heinz Faßmann würde man das Gespräch mit den Eltern suchen, um sie davon zu überzeugen, dass die Schule auch einen sehr wichtigen sozialen Aspekt hat. 

Kinder lernen auch von Freunden

Schule hätte auch eine Sozialisationsfunktion, gibt auch Christiane Spiel, Bildungspsychologin der Universität Wien, im ZiB-Interview zu bedenken: "Das Zusammensein mit den Freundinnen und Freunden, das Lernen mit ihnen, das Lernen von ihnen und damit das Hineinwachsen in eine Gesellschaft, die sehr heterogen ist", sei sehr wichtig. "Das ist nicht möglich, dass das zuhause geboten wird."

Johann Heuras, der Bildungsdirektor von Niederösterreich, erklärt, dass wenn keine gravierenden Gründe vorlägen "und das ist sehr, sehr  selten der Fall", gebe es rechtlich keine Möglichkeit häuslichen Unterricht zu unterbinden. Gesetzlich vorgeschrieben ist allerdings eine Externistenprüfung, um den Lernerfolg zu überprüfen. 

Expertin: Im Kontakt mit den Familien bleiben

Ulrike Schiesser von der Bundesstelle für Sektenfragen berichtet von Angehörigen, die sich vermehrt an die Institution wenden. Oft würden sich entweder besorgte Großeltern oder im Fall von getrennten Partnern ein Elternteil melden. Eltern der betroffenen Kinder wären schon im vergangenen Jahr zunehmend ängstlich geworden und würden das auch an die Kinder weitergeben. "Lasst euch ja nicht, testen, das ist gefährlich für euch", würde man zu hören bekommen, erzählt die Expertin. 

"Das sind meistens Eltern, die aus diesem Verschwörungstheorie-Umfeld kommen und die sind dann der Meinung, dass auf diesem Wattestäbchen (des Nasenbohrertests, Anm.) irgendwelche Substanzen sind, wie ein Chip, der dann ins Gehirn kommt oder dass irgendwelche Bakterien eindringen würden", erklärt Schiesser. Es gebe die wildesten Geschichten, die dann kursieren. Auch die Angst, dass die Gehirne der Kinder durch das Tragen von Masken mit Sauerstoff unterversorgt würden, sei vorhanden. Das würde an die Kinder weitergegeben, die sich dann vor dem Maskentragen fürchten würden. Das bekäme auch das Umfeld mit, das sich dann an die Sektenberatungsstelle wenden würde. 

"Unser Rat ist immer, dass sie möglichst versuchen, im Kontakt zu bleiben mit den Familien, gerade, damit die Kinder auch ein anderes Weltbild vermittelt bekommen. Damit sie nicht in einer Blase aufwachsen." Es wäre auch wichtig zu beobachten, wann der Punkt erreicht würde, wann es gefährlich würde. "Wenn die Eltern sich zunehmend radikalisieren, dann nehmen sie die Kinder ja auch mit in dieses Weltbild."

In dieser Verschwörungstheorie-Maschinerie sei zunehmend die Stoßrichtung ein Fokus auf Kinder. Das würde besonders viele Emotionen hervorrufen. 

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam