APA - Austria Presse Agentur

Befinden wir uns in der zweiten Welle?

27. Juli 2020 · Lesedauer 2 min

In Österreich gibt es derzeit so viele Neuerkrankungen wie zuletzt Mitte April. Von einer zweiten Welle spricht dennoch niemand. Warum nicht?

"Die zweite Welle ist schon da", sagt der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer zur Lage in Deutschland. Auch in Österreich sind die Corona-Neuinfektionen so hoch wie zuletzt Mitte April.

Vergangene Woche gab es an fünf Tagen über 100 Neuinfektionen. Aktuell sind in Österreich 1.599 Personen mit dem Coronavirus infiziert. Der Reproduktionswert liegt mit 1,11 über dem kritischen Wert von 1. Befinden wir uns bereits mitten in einer zweiten Welle?

Gemeinhin wird von einer zweiten Welle gesprochen, wenn es zu einem länger andauernden Wiederanstieg von Neuinfektionen kommt, sagt Eva Schernhammer, Leiterin der Abteilung Epidemiologie, gegenüber PULS 24. Ob der aktuelle Anstieg bereits ein Vorbote für eine zweite Welle ist, wird man laut Schernhammer in den nächsten ein bis zwei Wochen sehen. Derzeit würde die Epidemiologin eher von einer "mini zweiten Welle sprechen", weil sich die Infizierten gut zurückverfolgen ließen und die Situation mit ca. 100 Fällen pro Tag stabil sei.

Situation derzeit stabil

Das Gesundheitsministerium sieht das ähnlich: "In den meisten Bundesländern hält sich die Zahl der täglich gemeldeten Fälle konstant und es ist kein exponentieller Anstieg der Fälle zu sehen", heißt es gegenüber PULS 24. Außerdem könnte der Großteil der aktuellen Fälle gut nachvollzogen und rückverfolgt werden.

Schernhammer selbst würde erst von einer zweiten Welle sprechen, wenn die Zahlen unkontrolliert und exponentiell ansteigen. Dieses Szenario müsse auf jeden Fall verhindert werden, um einen weiteren Lockdown zu vermeiden.

Erneuter Anstieg im Herbst?

Die Weltgesundheitsorganisation glaubt, dass die Infektionen wieder steigen könnten, wenn es es kühler wird. Das liegt laut einer Sprecherin daran, dass sich dann wieder mehr Menschen in geschlossenen Räumen statt draußen aufhalten. Auch Schernhammer geht davon aus, dass ein weiterer Anstieg im Herbst kommen wird. Sie hofft, dass "wir den mit bewährten Strategien gut managen werden".

Der Begriff der zweiten Welle stammt aus der Zeit der Spanischen Grippe. Die Krankheit ist in drei Wellen wiedergekommen, wobei die zweite am tödlichsten war. Vorbei ist eine Welle laut der Epidemiologin, wenn es so gut wie keine Neuinfektionen mehr gibt oder die Neuinfektionen konstant niedrig sind.

WHO fürchtet Corona-Anstieg im Herbst

Soraya PechtlQuelle: Redaktion / spe