Anschlag in Wien: "Alpha-Tier" von St. Pölten vor Gericht

05. Okt. 2022 · Lesedauer 3 min

Im Oktober beginnen am Wiener Straflandesgericht größere Prozesse gegen mögliche Kontaktmänner des Attentäters, der am 2. November 2020 in der Wiener Innenstadt vier Passanten getötet und 23 Menschen zum Teil schwer verletzt hat. Unter den Angeklagten befindet sich der mutmaßliche Ideologe hinter dem Attentäter.

Kurz nach dem Anschlag in Wien klickten auch in St. Pölten die Handschellen – unter anderem für das "Alpha-Tier" der St. Pöltner Szene. Es handelt sich um einen 23-jährigen Mazedonier, der - wie PULS 24 berichtete - dem Verfassungsschutz schon zu Schulzeiten bekannt war. Seine HTL meldete damals schon radikalislamische Tendenzen. 

Es folgten Jahre der Radikalisierung und Vernetzung- national und internal - sowie ein einschlägiger Prozess um die mögliche Rekrutierung von IS-Kämpfern an der Uniklinik St. Pölten im Jahr 2017. Dabei wurde er allerdings freigesprochen. Im gleichen Jahr soll er den späteren Attentäter in einer Moschee in der Wiener Murlingengasse kennengelernt haben. Sie halten Kontakt, der Attentäter kommt regelmäßig nach St. Pölten. 

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Der vom Deradikalisierungsverein DERAD 2020 als hochintelligent beschriebene Informatiker, der sich selbst Arabisch beibrachte, nahm im Juli 2020 an einem internationalen Dschihadisten-Treffen in Wien teil. Auch der spätere Attentäter war dabei. Einen Tag nach dem Treffen versuchte er, in der Slowakei Munition zu kaufen.

DERAD bescheinigt dem mittlerweile 23-Jährigen eine "starke Ideologisierung und menschenverachtende Haltung". Außerdem scheine er das "Alpha-Tier" in der St. Pöltner Gruppe zu sein. In der niederösterreichischen Landeshauptstadt mietete er schließlich ab Spätsommer 2020 jene Wohnung, die nach dem Anschlag in Wien durchsucht wurde. Vorgefunden wurden unter anderem salafistische Schriften, eine Tafel an der Wand und drei Matratzen auf dem Boden.

Salafistische Vorträge

Der Verdächtige soll dort religiöse Vorträge mit salafistischen Inhalten gehalten haben und Arabisch-Unterricht gegeben haben - auch der spätere Attentäter war oft bei den Treffen in der St. Pöltner Wohnung dabei. Zuletzt war er Ende Oktober 2020 und damit wenige Tage vor dem Anschlag in der Wohnung gesehen worden. 

Sowohl das internationale Treffen in Wien, der versuchte Munitionskauf in der Slowakei als auch das Treiben in der Wohnung in St. Pölten war den österreichischen Behörden bekannt. Die richtigen Schlüsse wurden aus all dem nicht gezogen, das Gefährdungspotenzial des Attentäters nicht zeitgerecht erkannt, wie die vom Innen- und Justizministerium eingesetzte Zerbes-Kommission später aufzeigte.

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Ideologisierung des Attentäters?

Dem 23-Jährigen wird in seinem bevorstehenden Terror-Prozess, der am Mittwoch beginnt, nun vor allem das Betreiben von radikalislamistischen Chat-Kanälen, das Übersetzen von Texten und das Verbreiten von IS-Propagandamaterial angekreidet. Dass er damit auch den Attentäter in seinem radikalen Denken bestärkt haben dürfte, liegt nahe. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Eine direkte Beteiligung an den Anschlagsplänen oder eine konkrete Hilfestellung im Vorfeld war dem 23-jährigen Bekannten des Attentäters aber nicht nachzuweisen. Der Prozess gegen den 23-Jährigen, der unter strengen Sicherheitsvorkehrungen über die Bühne gehen wird, ist vorerst auf drei Tage anberaumt. 

Am 18. Oktober folgt dann ebenfalls am Wiener Landesgericht ein bis Februar 2023 angesetzter Prozess gegen sechs weitere Männer, die im Vorfeld des Terror-Anschlags den Attentäter unterstützt und bestärkt haben sollen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

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Konstantin AuerQuelle: Agenturen / Redaktion / koa