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Ambulante Fingerabdruckscans für die Polizei

Heute, 11:26 · Lesedauer 3 min

Polizistinnen und Polizisten, die Menschen auf der Straße anhielten, mussten bisher zur Abnahme von Fingerabdrücken mit ihnen in die Inspektion fahren. Das soll demnächst der Vergangenheit angehören: In Zukunft werden Fingerabdruckscans ambulant über die Diensthandys der Beamtinnen und Beamten erfolgen können. Die 2019 gestartete Entwicklung in Zusammenarbeit mit dem Austrian Institute of Technology (AIT) ist nun im Probebetrieb auf rund 600 Handys österreichweit im Einsatz.

Die Innovation soll den Beamten im Feld die Arbeit erleichtern und so ihre Kapazität erhöhen: "Es ist nicht mehr notwendig, mit Verdächtigen zu einer Dienststelle zu fahren", umriss Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) am Montag bei der Präsentation der neuen Technologie den Vorteil für die Polizei. Das habe sich auch bei einem fremdenpolizeilichen Schwerpunkt am vergangenen Freitag in Wien gezeigt, bei dem zwei sich illegal aufhaltende Menschen sowie ein mutmaßlicher Suchtgiftdealer erwischt worden seien.

Karner verwies darauf, dass alle Polizisten in Österreich ihre eigenen Diensthandys besitzen. Die Sensorentechnologie und die IT wurden dementsprechend für das US-Produkt designt, das die Exekutive verwendet. Die lange Vorlaufzeit lag nicht nur an der Entwicklung der Sensortechnik und der dazugehörigen Software, erläuterte Helmut Leopold, Chef des Center for Digital Safety and Security des AIT. Es galt auch, die Anwendung gesetzeskonform zu machen und zum Schutz der Privatsphäre sicher. Die rechtlichen Vorgaben sind im Sicherheitspolizeigesetz geregelt, sagte der Direktor des Bundeskriminalamtes (BK), Andreas Holzer.

"Die neue Technologie bringt mehr Sicherheit", betonte Karner. Es handle sich um eine weltweit "einmalige Innovation", Österreich habe "unseres Wissens nach die bisher einzige Polizeibehörde weltweit", die die neue BioCapture-Technologie anwende. Das Tool stoße in zahlreichen Ländern auf großes Interesse. Die Entwicklung sei im Übrigen im Rahmen des Kiras-Sicherheitsforschungsprogramms und mit EU-Unterstützung erfolgt, die Kosten damit sehr günstig gewesen. Zahlen wollten die Verantwortlichen aber nicht nennen.

Berührungsloser Scan

Berührungen zwischen Handy und Fingern sind für den Scan nicht notwendig. Die zu Kontrollierenden halten einfach ihre Hand mit den Flächen der vier Finger - von Zeigefinger bis zum kleinen Finger - unter das Mobiltelefon, der oder die Beamte justiert das Handy entsprechend, scannt und schickt nach einer Qualitätsprüfung die Daten über eine verschlüsselte Leitung an die Zentrale. Im Normalfall erhalten die Polizistinnen und Polizisten innerhalb von eineinhalb Minuten Antwort, ob etwas vorliegt. Bis Ende des Jahres soll das Tool in ganz Österreich für alle Beamtinnen und Beamten ausgerollt sein.

Zusammenfassung
  • Die österreichische Polizei testet derzeit auf rund 600 Diensthandys eine neue Technologie, mit der Fingerabdruckscans direkt und berührungslos auf der Straße durchgeführt werden können.
  • Die Entwicklung begann 2019 gemeinsam mit dem Austrian Institute of Technology (AIT) und bis Ende des Jahres sollen alle Beamtinnen und Beamten österreichweit damit ausgestattet werden.
  • Die Datenübertragung erfolgt verschlüsselt, die Antwort aus der Zentrale kommt im Durchschnitt nach eineinhalb Minuten, und die Technologie gilt als weltweit einzigartig.