Ärztliche Leiterin: "Lage an Spitälern wie in den ersten COVID-Tagen"

14. Dez. 2022 · Lesedauer 2 min

Zu wenig Pflegepersonal, zu wenig Ärzte, zu wenig Medikamente und viel zu viele Patienten durch die Influenza-Welle: Die ärztliche Leiterin des Ordensspitals Linz schildert im Newsroom LIVE, wie schlimm die Lage aktuell wirklich ist und was man dagegen tun könnte.

"Momentan ist es sehr, sehr schwierig", die aktuelle Influenza-Welle erinnere sie "an die ersten Tage mit Covid", beschreibt Elisabeth Bräutigam die dramatische Situation in ihrem Spital. Nicht nur Patienten gebe es mehr, auch viele Mitarbeiter seien krank. In Linz gebe es am Krankenhaus "Reduktion an fast allen Bereichen – wir haben einen Fachkräftemangel, eine Ärztemangel, einen Pflegemangel", dadurch gesperrte Betten und immer wieder Medikamentenengpässe.

Herzinfarkt-Versorgung auf Lasten anderer

"Wir müssen Ressourcen aus anderen Bereichen zusammenziehen, um die Akutmedizin am Laufen halten zu können", schildert die Medizinerin. "Wenn jemand einen Herzinfarkt hat, müssen wir das versorgen. Das geht natürlich zu Lasten von anderen, geplanten Dingen, die reduziert werden müssen." Das betreffe nicht nur Spitäler, sondern auch niedergelassene Ärzte. "Die Patienten werden draußen nicht mehr versorgt." Diese Patienten, die gar nicht ins Spital müssten, holen sich dann Hilfe in der Notaufnahme und verschärfen die Situation.

Appell an die Politik

"Eine Notfallambulanz ist nicht zuständig für Knieschmerzen seit drei Wochen." Den Patienten verstehe Bräutigam, der wolle versorgt werden, sie kritisierte jedoch die Strukturen, an denen es krankt. Bräutigam appelliert an die Politik: Man müsste dafür sorgen, dass wieder mehr Ärzte im niedergelassenen Bereich arbeiten wollen, damit man sich in Spitälern "auf die Aufgabe, für die wir eigentlich zuständig sind" konzentrieren kann.

Das betreffe sowohl Bezahlung als auch die Bürokratie, die immer mehr werde. Junge Ärzte würden auch fixe Arbeitszeiten wollen. Mehr Frauen in der Medizin bedeute, dass Ärztinnen Kinder und Job unter einen Hut bekommen müssen. Stattdessen würde nur "sehr sehr viel Arbeit" auf sie zukommen, wenn sie eine Praxis übernehmen, weil man für die Posten, die unbesetzt sind, mitarbeiten müsste. 

Gesundheitszentren und Ärztegemeinschaften seien das Modell der Zukunft, ist sich die ärztliche Leiterin sicher. Dort könne man einander vertreten und Dienstpläne aufeinander abstimmen.

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam