APA - Austria Presse Agentur

800 Supermarkt-Filialen in Schweden nach Cyberangriff geschlossen

03. Juli 2021 · Lesedauer 2 min

Nach einem Cyberangriff hat eine der größten schwedischen Supermarktketten eigenen Angaben zufolge rund 800 Filialen vorübergehend geschlossen.

"Einer unserer Subunternehmer war Ziel eines digitalen Angriffs, und deshalb funktionieren unsere Kassen nicht mehr", erklärte Coop Schweden am Samstag. Der Konzern hoffe, das Problem schnell in den Griff zu bekommen und die Filialen wieder öffnen zu können.

Die Supermarktkette gab keine weiteren Details zu der Cyberattacke bekannt. Coop Schweden nannte weder den Namen des betroffenen Subunternehmens noch die Methode, mit der das Unternehmen gehackt wurde. Die schwedische Tochtergesellschaft des Softwarekonzerns Visma teilte jedoch mit, das Problem stehe im Zusammenhang mit einem größeren Cyberangriff auf das amerikanische IT-Unternehmen Kaseya am Freitag.

Auch Bahn betroffen

Neben anderen Unternehmen war auch das staatliche Bahnunternehmen SJ betroffen. Fahrgäste konnten dadurch im Bistro nicht mit Karte zahlen. Am Freitagabend habe es einen Angriff auf einen Dienstleister von Coop gegeben, der sowohl die normalen Kassensysteme als auch Selbstbedienungskassen der Supermärkte betraf, berichtete SVT. Man habe die ganze Nacht an den Problemen gearbeitet, sie jedoch noch nicht lösen können, sagte eine Sprecherin dem Sender. In einzelnen Regionen konnten einige Filialen im Land wieder aufmachen, wobei manche andere Bezahlsysteme nutzten.

Kaseya hatte seine Kunden nach dem Angriff aufgefordert, sofort ihren sogenannten VSA-Server abzuschalten, "bis Sie von uns weitere Informationen erhalten". Über den VSA-Server können Unternehmen all ihre Computer und Drucker von einem einzigen Arbeitsplatz aus steuern.

Salzburger Unternehmen angegriffen

Kaseya ist nach eigenen Angaben ein führender Anbieter für Informationstechnologie und IT-Sicherheit für kleine und mittlere Unternehmen. Auf die Netzwerk-Software war den Angaben zufolge eine Ransomware-Cyberattacke verübt worden. Bei Angriffen mit Ransomware sperren oder verschlüsseln Hacker Computersysteme, um von den Nutzern Geld für die Freigabe ihrer Daten zu erpressen.

Zuletzt war es mehrfach zu Cyberangriffen auf US-Unternehmen gekommen. Im Mai waren die Colonial-Ölpipeline in den USA und die US-Tochter des weltgrößten Fleischproduzenten JBS Opfer eines Cyberangriffs mit Ransomware geworden. Voriges Jahr hatten sich Hacker über Software des amerikanischen IT-Unternehmens SolarWinds Zugang zu den Systemen von Ministerien, Behörden und Unternehmen verschafft.

In Österreich sorgte zuletzt ein Cyberangriff auf die Großmolkerei Salzburg Milch für Aufsehen. Die Kriminellen hatten offenbar alle Passwörter geändert. Alle Bereiche des Unternehmens waren von Systemausfällen betroffen. Erst acht Tage nach der Attacke konnte der Milchverarbeiter den Normalbetrieb wieder aufnehmen.

Quelle: Agenturen / koa