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Weltärztebundchef: "Werden dieses Virus auch nicht mit Impfpflicht besiegen"

25. Jan. 2022 · Lesedauer 3 min

Laut dem Weltärztebundchef Frank Ulrich Montgomery werde es nicht gelingen das Coronavirus in absehbarer Zeit zu besiegen. Daran ändere auch eine Impfpflicht nichts. Ein Impfpflicht-Diskussion dürfe aber nicht parteitaktisch geführt werden.

"Wir werden dieses Virus in absehbarer Zeit nicht besiegen wie die Pocken, auch nicht mit Impfpflicht." Das sagte Frank Ulrich Montgomery, Präsident des Ständigen Ausschuss der Ärzte der EU (CPME) und Vorsitzender des Vorstand im Weltärztebund (WMA) am Dienstag vor der Auslandspresse in Berlin. Aber: "Um die Krankheitslast niedrig zu halten, müssen wir so viele Leute wie möglich impfen." Ein Impfpflicht-Diskussion dürfe aber nicht parteitaktisch geführt werden.

"Scheinethische Debatte"

"Es gibt in den deutschsprachigen Ländern eine hohe Ablehnung von Impfungen, während Dänemark eine andere Beziehung zum Gesundheitssystem hat", sagte Montgomery, der sich als Verfechter der Impfpflicht bezeichnete. "Das hat damit zu tun, dass man in skandinavischen Ländern sehr viel kooperativer mit dem Gesundheitssystem ist." Es gebe in Deutschland einen Verlust an Vertrauen in Wissenschaft und Ärzte, der so groß sei, dass man mit Erklären nicht an die Menschen herankomme. "Das müssen wir nach der Pandemie analysieren."

Während in Österreich die Impfpflicht ab Februar gilt, wird darüber in Deutschland noch diskutiert. "Dass das zu einem parteipolitischen Konflikt gemacht wird, ist in meinen Augen nicht förderlich", sagte der Ärzte-Funktionär. "Ich bin ein bisschen erschrocken, wie die Impfpflicht jetzt zerredet wird. Wir haben uns diese Diskussion nicht geleistet, als die Impfpflicht für Masern eingeführt wurde vor einigen Jahren oder bei bestimmten Berufsgruppen." Montgomery sprach vor einer "scheinethischen Debatte" in Deutschland, "die kaschieren soll, dass man sich innerhalb der Koalition nicht einig ist, und der Bundestag soll es dann richten".

Das Grundgesetz gestatte, dass Freiheitsrechte zur Bekämpfung einer Pandemie eingeschränkt werden können. Er glaube, "dass wir zu wenig mutig sind, Freiheitsrechte einzuschränken". 20 Prozent der nicht Geimpften könnten durch eine Impfpflicht erreicht werden, fünf Prozent würden sich nie impfen lassen. "Das ist der Unterschied zum Impfzwang, wo man polizeilich vorgeführt würde. Sondern man wird wie in Österreich Strafen erhalten oder von Dingen ausgeschlossen."

Werden Corona "nie mehr los"

Bei Omikron sei "der Zug abgefahren, da werden wir mit Impfen nichts mehr bewirken". Dennoch sei eine Impfung immer noch besser als keine Impfung. "Aber wir müssen alles verhindern, dass der nächste Winter nicht so wird wie der vergangene und der davor."

"Wir werden diese Krankheit nie mehr los", so Montgomery. Doch irgendwann werde man mit dieser Krankheit leben, "wie wir gewohnt waren zu leben". Durch die Maske könnten viele andere Krankheiten vermieden werden. "In Asien wurde die Maske enttabuisiert", sagte Montgomery. "Warum muss man sich immer die Hände schütteln? In zwei Jahren reden wir gar nicht mehr darüber, da haben wir uns daran gewöhnt."

Montgomerys Prognose laute, dass das Gesundheitswesen in den nächsten Wochen aus dem Ruder laufen werde: "Im Moment sehen wir die Zunahme der Inzidenzen, in zwei Wochen sehen wir die Zunahme der Hospitalisierung, in drei Wochen sehen wir die Zunahme der Intensivstationsbelegung." Das sei auch bei allen anderen Wellen so gewesen.

Deutschlands Problem sei es, dass es kein Impfregister gebe. "Wir Deutschen sind hinter der Welt und hinter der Digitalisierung her." Die kumulative Todesrate liege bei 120 Toten pro 100.000 Einwohner in Deutschland. "Das sind täglich so viele Tote wie der Absturz eines A380, sagte Montgomery. "Solange diese Krankheit so läuft, müssen wir versuchen die Menschen zu impfen. Mit der hohen Ansteckungsrate von Omikron wird es jeden Menschen in Deutschland erwischen."

Quelle: Agenturen / pea