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Virologe: Nasenspray-Impfung als Antwort auf die Delta-Variante

07. Aug 2021 · Lesedauer 4 min

Ein Nasenspray statt oder zusätzlich zur Corona-Impfung? Virologe Florian Krammer sieht Potential, vor allem zum Schutz gegen die Delta-Variante. Attraktiv könnte das für Kinder-Impfungen oder bei Impfskeptikern sein. An zwei Projekten arbeiten Österreicher mit.

Herkömmliche Corona-Impfstoffe werden per Spritze in Muskeln injiziert. Es ginge aber auch anders, nämlich per Spray über die Nase. 

Die bei uns gebräuchlichen Impfungen sollen den Körper dazu bringen IgG-Antikörper zu produzieren und so das Immunsystem gegen das Corona-Virus rüsten. Diese Antikörper werden bei einer Ansteckung eigentlich eher spät vom Körper gebildet. Sie schützen die unteren Atemwege, also vor allem die Lunge. Ebenso bilden sich systemische IgA-Antikörper, nicht jedoch ihre an den Schleimhäuten weiter oben sitzenden Pendants, erklärte Krammer: "Das schützt oft nicht vor Infektionen in den oberen Atemwegsbereichen."

Delta-Variante: Infektion trotz Impfung?

Während der Pandemie stand der Schutz der Lunge und der anderen Organe bei schwereren Erkrankungen im Vordergrund. "Die freudige Überraschung war, dass es bei den mRNA-Impfstoffen auch zu einer 90-prozentigen Reduktion von Infektionen im Generellen gekommen ist", sagte Krammer. Das lag an sehr hohen IgG-Antikörpertitern nach der Impfung im Blut: "Ein bisschen etwas davon gelangt auch in die oberen Atemwege und in den Speichel." Gehen dann die Titer zurück, kann der Schutz vor Infektionen zurückgehen. Der Schutz vor einem schweren Verlauf ist jedoch noch gegeben.

Delta setzt sich in oberen Atemwegen fest 

Da sich offenbar nun die Delta-Variante in den oberen Atemwegsbereichen sehr gut festsetzen kann, "ist das vermutlich jetzt auch Teil des Problems", so der Experte. Auch Geimpfte können die Delta-Variante mitunter weitergeben. Krammer: "Wenn man jetzt einen Impfstoff hätte, den man intranasal oder oral geben könnte, dann würde sich eine andere Antikörperantwort bilden."

Nasensprays im Entwicklungsstadium

Es würden "sekretorische IgA-Antikörper" produziert, die aktiv in die oberen Atemwege transportiert werden, und dort den Erreger früh hemmen. Diese Vakzine seien aber leider noch nicht auf dem Markt. Es befinde sich aber der eine oder andere solche Impfstoff in Entwicklung - wenn auch noch in früheren Phasen. Vielversprechend sei etwa ein Vakzin auf Basis von abgeschwächten SARS-CoV-2-Lebendviren vom US-Unternehmen Codagenix, das dabei mit dem Serum Institute of India kooperiert. Es gibt aber auch Ansätze, beispielsweise den AstraZeneca-Impfstoff derart zu verabreichen. An einer kürzlich im Fachblatt "Science Translational Medicine" erschienen Studie von US-Forschern dazu war Krammer beteiligt.

Auch ein Team um Krammers Kollegen Peter Palese an der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York entwickelt und testet. Dabei handelt es sich um einen sogenannten Vektor-Impfstoff, bei dem Teile des SARS-CoV-2-Virus-Erbguts über ein anderes Virus in den Körper gebracht werden. Palese, Krammer und Kollegen verwenden das "Newcastle Disease-Virus" (NDV), das vor allem bei Hühnern die atypische Geflügelpest auslöst und für den Menschen nicht gefährlich ist.

Zulassung bis Ende 2021 möglich

Bisher war es schwierig die nötigen Gelder zum Vorantreiben dieser Ansätze zu bekommen. Angesichts der aggressiveren Viren-Mutationen und der Diskussion um Auffrischungsimpfungen könnte aber Schwung in die Projekte kommen. Ein Booster, der zu Grundimmunität auch diese sogenannte mukosale Immunität verspricht, wäre interessant. Käme hier der nötige Anschub, glaubt Krammer an mögliche Zulassungen bis Ende des Jahres.

Chance für arme Länder, Kinder und Impfskeptiker

Der relativ einfach, günstig und lokal zu produzierende Impfstoff wäre für allem für wirtschaftlich weniger entwickelte Länder, die bisher wenig Dosen erhalten haben, eine Chance. "Da ist ein riesiger Markt da", betonte der Virologe.

In westlichen Ländern könnte das für Kinder eine Option sein. Die Verabreichung wäre psychologisch attraktiver, da kein Stich notwendig ist. Selbst Impfskeptiker könnte man damit vielleicht erreichen, spekuliert Krammer. "Da lassen sich vielleicht schon noch Leute überzeugen, weil es im Prinzip nichts anderes als der Zecken- oder Influenzaimpfstoff wäre", sagte Krammer.

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Quelle: Agenturen / Redaktion / lam