APA

Länder-Check: Wie sicher ist Europa?

01. Juni 2021 · Lesedauer 5 min

Der Sommer steht vor der Tür. Die sinkende Zahl der Neuinfektionen und die Lockerungs-Euphorie in Österreich weckt die Reiselust. Doch wie sicher ist Europa? PULS 24 hat die Länder miteinander verglichen.

In Österreich entspannt sich die Corona-Lage zunehmend. Die Zahl der Neuinfektionen sinkt weiter und die Situation in den Intensivstationen entspannt sich. Vom 19. bis zum 31. Mai lag die die effektive Reproduktionszahl bei 0,82 und die 7-Tages-Inzidenz fiel am 1. Juni auf 36,1.

Auch Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) zeigte sich zuletzt über die Corona-Situation in Österreich erfreut. Mit den nächsten Lockerungen im Juni und Juli halte man das Versprechen, "dass wir bis zum Sommer zur Normalität zurückkehren können", sagte Kurz auf der letzten Öffnungs-Pressekonferenz. Mit der angekündigten "Normalität" und dem bevorstehenden Sommer kommt auch die Reiselust. Dabei kommt die Frage auf: Wie sicher ist Europa eigentlich?

PULS 24 hat einen Länder-Vergleich aufgestellt und sich angeschaut, wie die Corona-Lage im Rest Europas aussieht.

Höchste Sicherheitsstufe für elf europäische Länder

Wer sich genau informieren will, der kann auf der Homepage des Ministeriums für europäische und internationale Angelegenheiten die einzelnen Bestimmungen der Länder nachlesen. Generell gelten aus österreichischer Sicht für viele Länder der Welt nach wie vor Reisewarnungen. Davon ausgenommen sind mittlerweile schon viele europäische Länder. Die Sicherheitsstufe sechs, gilt aktuell nur für Albanien, Bosnien und Herzegowina, Großbritannien, Kosovo, Moldawien, Montenegro, Nordmazedonien, Russland, Serbien, Türkei, Ukraine und Weißrussland.

Länder wie Kroatien, Litauen, die Niederlande, Schweden und Zypern, wurden mit der aktuellen Novelle zu Staaten mit geringem Infektionsgeschehen. Dadurch wird die Einreise aus diesen Ländern mit 3-G-Nachweis - getestet, genesen, geimpft -, aber ohne verpflichtende Quarantäne möglich. Damit ist jede Art der Einreise erlaubt, auch zu touristischen Zwecken.

Staaten mit geringem Infektionsgeschehen sind derzeit zudem: Andorra, Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Fürstentum Lichtenstein, Griechenland, Irland, Island, Israel, Italien, Lettland, Luxemburg, Malta, Monaco, Norwegen, Polen, Portugal, Rumänien, San Marino, Slowakei, Slowenien, Spanien, Schweiz, Tschechische Republik, Ungarn und der Vatikan.

Frankreich: Europas Spitzenreiter

Vergleicht man die Staaten nicht nach der Sicherheitsstufe, sondern nach der Zahl der bestätigten Corona-Fälle, dann ist Frankreich europaweit auf Platz eins. Laut einer Datenerhebung der John Hobkins Universität registrierte Frankreich am 01. Juni 5.728.788 bestätigte Fälle und damit europaweit den höchsten Wert. Dennoch gilt Frankreich aus österreichischer Sicht als sicher.

"Die Gesundheitssituation verbessert sich weiterhin deutlich", sagte der französische Regierungssprecher Gabriel Attal noch vor einigen Tagen. Die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner war in den letzten Wochen stetig zurückgegangen. Auch die Situation auf den Intensivstationen hat sich deutlich entspannt. Zuletzt hatten die Außengastronomie, Kultureinrichtungen und Geschäfte wieder geöffnet.

Auf Platz zwei und drei reihen sich die Türkei (5.249.404 bestätigte Fälle) und Russland (5.022.881 bestätigte Fälle) – beide ebenfalls Ländern mit "sehr niedrigem Infektionsrisiko".

Großbritannien: Experten warnen vor dritter Welle

Nach den Öffnungsschritten in Großbritannien steigen nun wieder die Infektionszahlen. Mit 4.503.231 bestätigten Corona-Fällen liegt das ehemalige EU-Mitglied am vierten Platz. Grund für den erneuten Anstieg der Infektionen ist die rasche Ausbreitung der Delta-Mutation (vormals indische Mutation). Für Großbritannien gilt nicht nur Sicherheitsstufe sechs, sondern auch ein Landeverbot für Flugzeuge aus dem Vereinigten Königreich.

Die Inzidenz ist allerdings mit knapp 29 noch immer niedrig. Aber hinsichtlich der Verbreitung der Corona-Mutation fürchten Experten, dass trotz der weit fortgeschrittenen Impfkampagne eine schwere dritte Welle drohen könnte. Geplant ist bisher, alle Corona-Maßnahmen am 21. Juni aufzuheben. Premierminister Boris Johnson will sich die Entscheidung über den weiteren Fahrplan noch offen halten. Über das weitere Vorgehen soll am 14. Juni informiert werden. Schottland, Wales und Nordirland setzen ihre eigenen Corona-Regeln.

Italien: Nur mehr gelbe und weiße Zonen

Mit 4.217.821 bestätigten Covid-Fällen reiht sich Italien im Europa-Vergleich auf Platz fünf ein. Innerhalb der EU-Länder liegt Italien nach Frankreich auf Platz zwei der Länder mit den höchsten Corona-Fällen. Das beliebteste Urlaubsziel der Österreicher vertraut auf ein ähnliches System, wie die Corona-Ampel in Österreich. Auch Italien ist in vier Farben unterteilt – rot, orange, gelb und weiß. Die Regionen und Provinzen werden entsprechend der Infektionszahlen in diese Zonen eingeteilt.

Aktuell (Stand: 01. Juni) sind die Regionen Friaul Julisch Venetien, Molise und Sardinien wegen der guten Infektionslage in die sogenannte Weiße Zone mit den lockersten Regeln eingeteilt. Die übrigen Regionen bleiben in der Gelben Zone mit moderaten Beschränkungen. Ab 7. Juni sollten weitere neun Regionen und die Provinz Trient als weiß eingestuft werden.

PULS 24 Chefreporterin Magdalena Punz berichtet aus Grado über die Corona-Schutzmaßnahmen vor Ort. 

Malta: Urlaubsziel mit geringem Infektionsgeschehen

Das kleinste EU-Land Malta zählt vor Island und Liechtenstein zu den Urlaubsländern mit geringerem Infektionsgeschehen. Aber nicht nur das: Malta ist auch laut dem maltesischen Gesundheitsminister Chris Fearne, das erste EU-Land, dass 70 Prozent seiner erwachsenen Bevölkerung mit mindestens einer Dosis gegen Covid-19 geimpft hat. "Wir haben heute die Herdenimmunität erreicht", verkündete der Minister letzte Woche. In dem Land mit etwa 500.000 Einwohnern wurden laut Daten des Gesundheitsministeriums bisher mehr als 475.000 Impfstoffdosen verabreicht.

Ab dem 1. Juli will die Regierung laut Fearne bei weiter niedrigen Corona-Fallzahlen die Regeln zum Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen lockern. Durchgeimpfte Menschen sollen dann den Schutz nicht mehr tragen müssen, wenn sie zum Beispiel alleine draußen unterwegs sind. An Stränden soll die Maskenpflicht bereits ab dem 1. Juni entfallen.

Für die Einreise aus Österreich benötigt man einen negativen PCR-Test, der nicht älter als 72 Stunden ist.

Angela PerkonigQuelle: Agenturen / Redaktion / pea