APA - Austria Presse Agentur

Europas Kampf gegen Delta: Was die einzelnen Länder unternehmen

14. Juli 2021 · Lesedauer 4 min

Die einzelnen Länder setzen auf unterschiedliche Strategien. Besonders betroffen ist derzeit Spanien mit einer Sieben-Tages-Inzidenz von 3.000 bei jungen Erwachsenen.

13.400 Neuinfektion innerhalb von nur 24 Stunden, eine Sieben-Tages-Inzidenz von 258. Spanien erfüllt derzeit die Kriterien, die ein Hochinzidenzgebiet aufweist. Noch schlimmer ist die Lage in der Region Katalonien, wo vor allem junge Menschen betroffen sind. Bei Menschen unter 30 Jahren liegt die Inzidenz bei über 1.000, bei unter 19-Jährigen liegt sie bei 2.400 und bei den 20- bis 29-Jährigen gar bei etwa 3.000. 

Wie reagiert Spanien? Katalonien hat die Nachtgastronomie am Montag abermals geschlossen. Restaurants, Bars, Kultur- und Sporteinrichtungen müssen um 0.30 Uhr schließen. Valencia hat gar wieder eine nächtliche Ausgangsperre verhängt. Zwischen 1 und 6 Uhr darf man dort nur noch mit guten Gründen aus dem Haus. Auf den Kanaren wird am Mittwoch ebenfalls über eine nächtliche Ausgangssperre beraten.

Niederlande: Festivals und Discos als Problem

Noch stärker steigen die Infektionszahlen derzeit in den Niederlanden, in einer Woche haben sich die Infektionszahlen verzehnfacht. Die Sieben-Tages-Inzidenz liegt bei über 380. In den Niederlanden sind aber bereits 70 Prozent aller Erwachsenen zumindest einmal geimpft. Die Welle hat deshalb die Spitäler noch nicht erreicht. Am 26. Juni öffnete dort die Nachtgastronomie mit 3-G-Regel. Mittlerweile ist sie wieder geschlossen, große Festivals wurden verboten. Am Mittwoch wird über weitere Maßnahmen beraten.

UK: Öffnungen trotz hoher Zahlen

Als erstes europäisches Land wurde Großbritannien von der Delta-Welle getroffen. 99 Prozent aller Neuinfektionen sind im Vereinigten Königreich inzwischen auf diese Virusvariante zurückzuführen. Am Beginn der Woche wurden 3.000 Infizierte in Spitälern behandelt - ein Anstieg um 50 Prozent im Vergleich zur Vorwoche. Dennoch will die Regierung um Premier Boris Johnson ab 19. Juli weitgehend öffnen. Johnson mahnte nur zu "extremer Vorsicht". Ab kommender Woche sollen im Großteil des Landes die Maskenpflicht und der Mindestabstand fallen, Bars und Kaffeehäuser sollen öffnen. In der Nachtgastronomie soll die 3-G-Regel gelten. Johnson rechtfertigt das mit dem Impffortschritt: 50 Prozent sind bereits vollständig geimpft. Für Pflegekräfte kommt eine Impfpflicht.

Portugal: Hospitalisierungen steigen

Portugal war nach Großbritannien jenes europäische Land, das am schnellsten von der Delta-Welle erreicht wurde. Im Kampf gegen die Pandemie wurde vor eineinhalb Wochen wieder eine nächtliche Ausgangssperre eingeführt. In Regionen mit besonders schlechter Lage, darunter auch in Lissabon, dürfen die Menschen zwischen 23.00 Uhr und 5.00 Uhr nur mit triftigem Grund auf die Straße. Betroffen sind vier Millionen Menschen. In Portugal ist die Zahl der Krankenhauspatienten, die an Covid-19 erkrankt sind, deutlich angestiegen. Erstmals seit Ende März liegt dieser Wert wieder über 700. 

Frankreich: Lockerungen zurückgenommen

Präsident Emmanuel Macron wollte eigentlich lockern, am Montag verkündete er allerdings abermals strenge Maßnahmen. Franzosen, die in Restaurants oder Kaffeehäuser wollen, in einen Zug oder in ein Flugzeug einsteigen wollen, müssen zwei Impfungen erhalten haben, genügend Antikörper haben oder getestet sein.

Frankreich setzt außerdem auf eine Impfpflicht für Pflegekräfte in Spitälern oder Pflegeheimen. Bis 15. September müssen sich diese impfen lassen. Lockdowns auf regionaler Ebene werden nicht ausgeschlossen. Für die Übersee-Departements Martinique und La Réunion verhängte Macron den Ausnahmezustand und verkündete eine erneute Ausgangssperre. Nach den Ankündigungen des Präsidenten meldeten sich am Dienstag 3,4 Millionen Franzosen zur Impfung an, eine Million Termine wurden vergeben.

Griechenland: Kampf gegen die Impfmüdigkeit

Mit einer geringen Impfbereitschaft kämpft hingegen Griechenland, das gleichzeitig auf eine Rückkehr der Touristen hofft. Wegen der Delta-Variante steigen die Infektionszahlen derzeit wieder. Am Mittwoch wurden 150 Neuinfektionen gemeldet, es haben aber erst rund 50 Prozent der Griechen die Erstimpfung erhalten.

Die Regierung will deshalb mehr Druck auf Ungeimpfte ausüben: Einschränkungen sollen nur noch Personen spüren, die nicht geimpft sind. Von Freitag an dürfen sich in den Innenräumen von Gastronomie- und Kulturbetrieben nur noch geimpfte Personen aufhalten. Es gibt Gutscheine für Junge, die sich impfen lassen. Wie Italien und Frankreich kommt eine Impfpflicht für Gesundheitspersonal. 

Wenige Delta-Fälle in Osteuropa

Noch wenige Fälle mit der Delta-Variante wurden hingegen in den osteuropäischen Staaten nachgewiesen. In Polen, Ungarn, Tschechien oder der Slowakei entspannt sich die Lage seit dem Beginn der Impfkampagnen. Allerdings werden die Proben in diesen Ländern seltener auf Virusvarianten untersucht, wie etwa der "Spiegel" berichtet. Die Slowakei, Slowenien und Tschechien setzen derzeit vor allem auf Kontrollen im kleinen Grenzverkehr. Polen hingegen will mit einer Art Lotterie für Geimpfte gegen Impfmüdigkeit vorgehen.

Quelle: Redaktion / koa