Druml zur Impfpflicht: Menschen sollten es "freiwillig einsehen"

21. Juli 2021 · Lesedauer 3 min

Christiane Druml, Juristin und Vorsitzende der Bioethik-Kommission, spricht sich noch gegen eine allgemeine Impfpflicht aus. Eigenverantwortung sei aber auch nicht die Lösung, sagt sie.

Die Infektionszahlen steigen, die Delta-Variante wütet und gleichzeitig gehen die Impfwilligen aus. Der Sprecher der Gastronomie forderte nach Clustern in Lokalen eine generelle Impfpflicht, das Land Niederösterreich kündigte an, auch im Alleingang ungeimpfte Lehrer nicht einstellen zu wollen und mehrere Bundesländer denken über eine Impfpflicht für Gesundheitspersonal nach.

Eine Impfpflicht, im Sinne, "dass die gesamte Bevölkerung geimpft werden soll", kann sich Christiane Druml dennoch noch nicht vorstellen, sagt sie im PULS 24 Interview. "Das steht jetzt nicht zur Debatte", sagt sie. Noch seien nicht alle Impfwilligen geimpft.

Impfpflicht für ausgewählte Berufsgruppen

Man sollte aber diskutieren, in welchen Bereichen es sinnvoll wäre, um jene Personen zu schützen, die sich noch nicht impfen lassen können. Das betrifft etwa kranke Menschen, aber auch junge Jugendliche und Kinder. Druml könne sich also eine Impfpflicht bei Lehrern, Kindergärtnern, im Pflege- und Gesundheitsbereich - der auch Physio- oder Ergotherapeuten erfasse - vorstellen. 

"Lehrer sind Multiplikatoren", die eine Fürsorge für die Kinder hätten, sagt Druml. Sie sollten Corona nicht in die Schulen hineintragen. Einen Alleingang Niederösterreichs findet sie allerdings nicht sinnvoll: "Das sind die Downsides des Föderalismus", sagt sie und plädiert für eine österreichweit einheitliche Lösung. Auch in Krankenhäusern etwa könnten nicht-geimpfte Personen keinen Dienst auf Corona-Stationen oder bei Vulnerablen verrichten. Sind nur 20 Prozent des Personals nicht geschützt, könne man den Dienst in Spitälern nicht aufrechterhalten, sagt Druml.

Debatte um generelle Impfpflicht entbrannt

Eigenverantwortung nur mit Solidarität

Druml erteilt also der absoluten Eigenverantwortung, die Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) wollte, eine Absage: "Eigenverantwortung allein ist nicht die Lösung", sagt die Bioethikerin. Eigenverantwortung funktioniere nur zusammen mit Solidarität mit jenen, die sich nicht impfen lassen können. Im Sinne der Eigenverantwortung könne man auch unvernünftig handeln, sagt Druml. Das gehe bei einer Infektionskrankheit nicht. "Meine Freiheit geht nur so weit, wie die Freiheit des anderen beeinträchtigt ist". 

Wie bekommt man alle anderen zur Impfung?

Druml plädiert für niederschwellige Angebote, auch ohne Anmeldung. Die Juristin hält aber auch Goodies für möglich: "Eine Lotterie, finde ich, klingt sehr schön", sagt sie. Andererseits sei es natürlich unfair, wenn die, die freiwillig gegangen sind, nichts bekommen haben. Man dürfe nicht aufhören, die Menschen zu informieren und Ängste zu nehmen. Auch wenn "manche keine offenen Ohren für wissenschaftliche Erklärungen" haben, so Druml. 

Quelle: Redaktion / koa