Corona-Experten warnen: Belegung auf Intensivstationen wird steigen

21. Juli 2021 · Lesedauer 3 min

Weil die Zahl der Neuansteckungen zunimmt und viele Ältere über 55 Jahren noch nicht geimpft sind, sollen laut Covid-Prognose-Konsortium die Belagszahlen auf den österreichischen Intensivstationen wieder steigen. Statistiker Erich Neuwirth hofft auf neue Maßnahmen und mehr PCR-Tests.

Die Experten gehen davon aus, dass eine große Anzahl an Angehörigen dieser Altersgruppen - an die 560.000 Personen - noch nicht immunisiert sind. Deshalb sei ein Anstieg bis August von 1,96 auf 3,28 Prozent der Kapazität an Erwachsenen-Intensivbetten zu erwarten.

Der Anstieg der Neuinfektionen ist ganz Europa zu beobachten. Und davon sind laut Konsortium auch ältere Altersgruppen betroffen, wenngleich von einem niedrigeren Niveau ausgehend. Wenn man von einem weiteren Anstieg des Infektionsgeschehens von rund 420 Fällen pro Tag derzeit ausgeht - heute waren es 431 Neuinfektionen -, dann rechnen die Experten bis zum 28. Juli mit 680 Fällen pro Tag.

Sieben-Tages-Inzidenz wird sich fast verdoppeln

Die Sieben-Tages-Inzidenz wird dann auf 45 Fälle pro 100.000 Einwohner steigen, derzeit liegt sie bei 26,8. Dabei kann die Entwicklung in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich ausfallen. Die Spannbreite der Sieben-Tages Inzidenz reicht von 10 in Burgenland bis 111 in Salzburg, dort ist die Inzidenz heute schon am höchsten mit 57,1 Fälle pro 100.000 Einwohner.

Neuwirth: "Hoffe auf Maßnahmen"

Statistiker Erich Neuwirth erklärt im Interview mit PULS 24, dass es absehbar war, dass die Zahlen nach den Öffnungen steigen werden. Ein Zehntel der Neuinfektionen seien derzeit auf den Bezirk Zell am See in Salzburg zurückzuführen. Dort gab es ein Cluster in einem Nachtlokal in Kaprun. 

In den westlichen Bundesländern werde zu wenig getestet, sagt Neuwirth. Wegen dort fehlender PCR-Tests könnte es dort viele unentdeckte Fälle geben. Wenn keine Maßnahmen ergriffen werden, könnte es noch im August bis zu 5.000 Neuinfektionen geben. Er hoffe aber, dass es davor wieder strengere Regeln gebe werde.

Hospitalisierungen im Ländervergleich

Aufgrund dieser Ausgangslage könnten sich auch die Belagszahlen auf den Intensivstationen - dieser Wert wird oft ebenfalls für Öffnungsschritte herangezogen - bis zum 4. August auf 67 erhöhen, errechneten die Experten des Covid-Prognose-Konsortiums. Derzeit liegt diese Zahl bei 31. Auf Normalstationen wird ein Anstieg des Belages bis zum 4. August auf 176 erwartet, derzeit liegt dieser bei 107.

Am gestrigen Dienstag lag die Auslastung aller für Covid-19 nutzbaren Intensivbetten - ohne bereitstellbare Zusatzkapazität - nach den Ländermeldungen an das Gesundheitsministerium bei 6,06 Prozent. Bezogen auf die gesamte Bettenkapazität auf Intensivpflegestationen - per 20. Juli waren das 2.045 Betten - lag die Auslastung bei 1,96 Prozent. Gemäß Prognose steigt dieser Anteil bis zum 4. August auf 3,28 Prozent.

Belegung auf Intensivstationen im Ländervergleich

Erst 46,2 Prozent der Bevölkerung vollimmunisiert

Bei den Berechnungen wurde der Impffortschritt berücksichtigt. Mittlerweile haben laut den Daten des E-Impfpasses 5.169.926 zumindest eine Teilimpfung erhalten. Das sind 57,9 Prozent der Bevölkerung. 4.122.689 und somit 46,2 Prozent der Österreicher sind bereits voll immunisiert.

Das heißt laut Konsortium, dass auch teil- und vollimmunisierte inzidente Fälle mit einer geringeren Hospitalisierungsrate zum Tragen kommen könnten. Zur Modellkalibrierung wurden etwa Beobachtungsdaten zur Impfeffektivität gegenüber symptomatischen Verläufen und Hospitalisierung aus dem Vereinigten Königreich herangezogen. Dort sind mehr als 50 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft.

Durchimpfungsrate mit beiden Teilimpfungen

Quelle: Agenturen / APA / hos