APA - Austria Presse Agentur

Ampel-Kommission für regionalen Lockdown

11. Nov 2021 · Lesedauer 4 min

Die Ampel-Kommission spricht sich für einen regionalen Lockdown aus. Die Kommission berät erneut über die allgemeine Risiko-Einschätzung. Diese könnte auch Auswirkungen auf die Corona-Maßnahmen an den Schulen haben.

Die Ampel-Kommission fordert dringend weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Krise. Denn die gegenwärtigen Zahlen stellten eine "ernst zu nehmende Bedrohung" dar, wie es in einer Aussendung des Gremiums heißt. "Unmittelbar erforderlich" seien etwa weitere Einschränkungen für Ungeimpfte. Für Oberösterreich und Salzburg wird de facto ein Lockdown empfohlen. Der Mund-Nasen-Schutz kehrt indes in drei Ländern an die Schulen zurück.

In bisher ungekannter Weise schildert die Ampel-Kommission die Dramatik der Situation. Da mit hoher Wahrscheinlichkeit ein sehr hohes Systemrisiko an den Krankenanstalten erreicht werde, stehe die medizinische Versorgung der österreichischen Bevölkerung vor einer ernst zu nehmenden Bedrohung.

Angeregt wird daher, Ungeimpften auch den Zugang zum nicht notwendigen Handel (also beispielsweise Kleidung, Elektronik etc.) sowie zu Museen zu untersagen. Aber man geht davon aus, dass selbst diese Maßnahmen wie auch eine Impfpflicht im Gesundheits- und Pflegebereich, die ebenfalls befürwortet wird, nicht reichen werden.

Daher schlägt die Kommission zumindest regional in besonders betroffenen Gebieten wie Oberösterreich und Salzburg weiter gehende Schritte vor, die einem Lockdown gleich kommen. Konkret verlangt werden "allgemein gültige kontaktreduzierende Maßnahmen", etwa die Beschränkung von Hochrisiko- und Risikosettings, wie z. B. Zusammenkünfte im privaten und öffentlichen Bereich, Gastronomie und nicht-essenzieller Handel. Bei Nichteintreten einer Trendumkehr seien diese Maßnahmen bundesweit auszurollen.

Dopler: In Vöcklabruck "fehlen uns die Plätze für die Nicht-Covid-Patienten"

Christian Dopler, leitender Intensivmediziner in Vöcklabruck, spricht mit PULS 24 über die Auslastung der Intensivstation in Oberösterreich.

Als Problem zeigt sich derzeit nicht nur die Entwicklung auf den Intensivstationen sondern auch auf den Normal-Abteilungen . Die Fallzahlen dort stellten für das Gesundheitssystem zunehmend eine Überforderung der betroffenen Einrichtungen dar. Die Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal wird insbesondere im stationären Bereich als kritischer Faktor gesehen.

Folgen auch für Schulen

Unmittelbare Folgen hat die Ampel-Sitzung bereits für die Schulen in Nieder- und Oberösterreich sowie in Tirol. Bisher standen alle Länder auf Risikostufe zwei, die im Wesentlichen einen normalen Betrieb plus dreimaligem Testen pro Woche darstellt. Das ändert sich ziemlich drastisch mit Stufe drei. Zusätzlich zu der Masken-Anordnung sind Schulveranstaltungen wie Wandertage oder Skikurse verboten, auch Unterrichtsangebote mit externen Partnern wie Vereinen dürfen nicht mehr durchgeführt werden. Konferenzen und Elternsprechtage müssen in digitaler Form stattfinden.

Die Corona-Ampel ist diese Woche weniger wegen der allgemeinen Risiko-Einschätzung interessant als wegen der Auswirkungen auf das Bildungssystem.

Da der 14-Tage-Trend bei den Neuinfektionen weiter überall nach oben zeigt, bleiben folgerichtig auf der Ampel sämtliche Bundesländer im roten Bereich, der sehr hohes Infektionsrisiko ausdrückt. Ober- und Niederösterreich, Salzburg sowie Vorarlberg drohen bei den Intensivkapazitäten in den kommenden beiden Wochen über die kritische 33 Prozent-Marke zu klettern. Der Trend bei den Über-65-Jährigen ist weiter im gesamten Bundesgebiet negativ, auch in dieser Altersgruppe steigen die Infektionszahlen stark an.

Tirol besitzt schlechteste Risikozahl

Wie gefährlich die Situation im Land mittlerweile ist, illustriert auch die Risikozahl, die sich aus den für die Farbgebung relevanten Faktoren ergibt. Unter 100 beginnt der orange Bereich des ohnehin hohen Risikos und das Bundesland mit dem aktuell besten Wert, die Bundeshauptstadt, liegt bei 214. Tirol als Land mit dem schlechtesten befindet sich bei 1057. Vor einer Woche lautete die Risikozahl dort noch 581.

Nur noch 23 Prozent der Fälle in Österreich sind asymptomatisch, was einerseits wohl mit dem heftigeren Verlauf der Delta-Variante, aber auch mit dem vergleichsweise niedrigen Testniveau zusammenhängen dürfte. In Tirol, einem Nachzüglerland diesbezüglich, wurde gar nur ein Prozent der aufgetauchten Fälle als asymptomatisch beschrieben. Wien testet mit Abstand am meisten und hat dann auch einen Anteil von 47 Prozent an asymptomatischen Fällen.

Abgeklärt werden bundesweit nur noch 35 Prozent der Fälle, klar am meisten in Wien und im Burgenland, am wenigsten, nämlich 20 bzw. 27 Prozent, in Oberösterreich und Tirol. Oberösterreich hat auch die bei weitem höchste rohe sowie risiko-adjustierte Sieben-Tages-Inzidenz an Fällen. Vöcklabruck war zuletzt der Bezirk mit den schlechtesten Werten gefolgt von Waidhofen/Ybbs und Braunau. Hollabrunn, Bruck/Mur und Mödling stehen noch am besten da.

Quelle: Redaktion / pea